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StartseiteCampus & KarriereStudierende hoffen auf bessere Bildungsbedingungen06.02.2015

Griechenland nach der WahlStudierende hoffen auf bessere Bildungsbedingungen

Entlassene Professoren, unbesetzte Sekretariate, fehlende Lehrmaterialien: Die griechischen Universitäten haben heute 70 Prozent weniger Geld als vor fünf Jahren. Die neue griechische Regierung verspricht, diese Missstände zu ändern. Das freut vor allem den Wissenschaftsnachwuchs.

Von Thomas Bormann

Studierendenproteste in Athen (imago / Invision)
Die Massen-Entlassungen der vergangenen Jahre haben den Uni-Betrieb in Griechenland gelähmt. (imago / Invision)
Weiterführende Information

Griechenland - "Wir können nicht an der Austeritätspolitik festhalten"
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Die 22-jährige Jura-Studentin Georgina steht im Innenhof der Athener Uni; sie dreht sich eine Zigarette und plaudert mit ihren Freunden. Die Stimmung unter den Studenten ist gut nach dem Wahlsieg der Linkspartei Syriza:

"Ich hab die neue Regierung zwar nicht gewählt, aber ich finde es gut, dass wir jetzt eine linke Regierung in Griechenland haben. Denn die wollen viel für die Bildung tun", sagt Georgina, die vor vier Jahren mit ihrem Jura-Studium begonnen hat. Von Semester zu Semester gab es immer neue Sparmaßnahmen, es wurde immer schlimmer, erzählt sie:

"Die haben fast das ganze Verwaltungspersonal entlassen. Ich hab das gemerkt, als ich ein Auslandssemester machen wollte. Da war niemand im Sekretariat, der Bescheid wusste. Die Sekretärin, die das früher immer gemacht hatte, war entlassen worden."

Lahmgelegtes Hochschulsystem

Durch die Massen-Entlassungen ist der gesamte Uni-Betrieb in Griechenland gelähmt worden, sagt Stathis Efstathopoulos von der Gewerkschaft der Hochschullehrer in Griechenland:

"In einigen Instituten an den Uni-Kliniken gibt es gar kein Sekretariat mehr. Das heißt: Wenn sich dort 400 Studenten im ersten Semester neu anmelden, dann ist da kein Personal, um den Studenten zu helfen. Der Dozent muss sich dann auch noch um die Anmeldungen kümmern."

Die neue griechische Regierung will all die entlassenen Beamten wieder einstellen, vor allem Sekretärinnen an Universitäten oder auch Hausmeister an Schulen. Damit setzt Syriza eines ihrer Wahlversprechen um.

Chronisch unterfinanziert

Professor Stathis Efstathopoulos freut sich natürlich über diesen Plan der neuen Regierung; aber mit mehr Verwaltungs-Personal sind die griechischen Unis noch nicht gerettet. Auch das wissenschaftliche Personal ist ausgedünnt. Viele griechische Professoren und Dozenten sind wegen sinkender Löhne oder mangelnder Karriere-Chancen ins Ausland abgewandert. Die frei gewordenen Stellen wurden in der Regel nicht neu besetzt; streng nach den Vorschriften der Sparpolitik:

"Dieser Stellenabbau führt dazu, dass viele Bereiche fast überhaupt keine Dozenten mehr haben. Leider gilt auch an den Unis die Eins-zu-Zehn-Regel, dass also nur jede zehnte Stelle, die frei wird, neu besetzt wird."

In den vergangenen fünf Jahren ist die Zahl der Studenten in Griechenland in etwa gleich gebliebenen. Im selben Zeitraum aber wurde den Universitäten der Geldhahn zugedreht.

Die Universitäten haben heute 70 Prozent weniger Geld als vor fünf Jahren, rechnet Professor Efstathopoulos vor. Das bedeutet: In Medizin-Vorlesungen fehlt das Geld für Labor-Material; manche Versuche werden dann eben nur an der Tafel aufgemalt und nicht im Labor durchgespielt. Bibliotheken können sich keine Bücher mehr leisten; es gibt kaum noch Geld für die Forschung, und wer noch nicht entlassen ist, geht mit deutlich weniger Lohn nach Hause:

"Ein Professor in Griechenland verdient gerade mal etwas über 2.000 Euro im Monat, und das, wenn er schon 30 Jahre Berufserfahrung hat. Es ist eine Schande für unsere Gesellschaft, das Hochschulprofessoren, die international anerkannt sind, so wenig verdienen."

Es liegt noch Vieles im Argen im griechischen Bildungssystem. Professor Efstathopoulos von der Hochschullehrer-Gewerkschaft wartet gespannt auf das Programm der neuen Regierung. Natürlich hofft er, dass harte Ära der Sparpolitik auch an den Unis auch wirklich zu Ende geht.

"Ich sehe meine Zukunft hier"

Georgina, die 22-jährige Studentin, will sich ihren Optimismus nicht nehmen lassen. Sie hofft, dass nicht nur ihre Universität, sondern das ganze Land die Krise bald hinter sich lassen wird:

"Ich mag mein Land sehr, möchte hier bleiben und hier Arbeit finden. Das muss auch nicht unbedingt in meinem Studienfach Jura sein, ich beschäftige mich auch viel mit Kunst. Die meisten meiner Freunde wollen auswandern, manche sogar nach Amerika. Aber einige müssen ja auch hier bleiben und ich sehe meine Zukunft hier."

 

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