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StartseiteEuropa heuteNamensstreit mit Mazedonien dauert an06.06.2018

GriechenlandNamensstreit mit Mazedonien dauert an

Neu-Mazedonien, Nord-Mazedonien oder Ober-Mazedonien: Eine dieser Varianten könnte den jahrzehntelangen Namensstreit zwischen Mazedonien und Griechenland beenden. Aber anders als die beiden Regierungen sind die Bürger beider Länder weniger kompromissbereit.

Von Rodothea Seralidou

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Eine Statue von Alexander dem Großen als Reiter auf seinem Pferd auf einem Platz in Thessaloniki in Griechenland (Dlf / Rodothea Seralidou)
Symbol für das "griechische" Makedonien: Alexander der Große in Thessaloniki (Dlf / Rodothea Seralidou)
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Die Promenade von Thessaloniki ist ein beliebter Treffpunkt zum Verweilen und Spazierengehen. Menschen jeden Alters sitzen im Schatten der Bäume und schauen aufs Meer. Kleine Kinder drehen Runden mit dem Fahrrad, Teenager hören Musik auf ihren Handys. Von weitem ragt die Statue Alexander des Großen in den Himmel, auf einem Pferd sitzend, sechs Meter groß, vier Tonnen schwer. Auf einer Tafel neben ihm sind Szenen aus einer siegreichen Schlacht der Makedonen gegen die Perser in Bronze gemeißelt.

Kein anderes Land dürfe "Mazedonien" heißen

Die antike Geschichte der Region sei ganz klar griechische Geschichte, sagt der 45-jährige Kostas, der mit seiner Frau Anastasia auf einer Parkbank platzgenommen hat. Kein anderes Land dürfe sich mit dem Namen "Mazedonien" schmücken, auch nicht die ehemalige jugoslawische Republik, sagt er:

"Ein Name, in dem das Wort Mazedonien vorkommt, der kommt einfach nicht in Frage. Diese Menschen haben überhaupt nichts mit der makedonischen Nation und der makedonischen Geschichte zu tun, so wie wir. Dieser Staat ist meiner Meinung nach ein konstruierter Staat, auch wenn sich die Einwohner dort als Mazedonier definieren."

Proteste in 24 griechischen Städten gleichzeitig

So wie Kostas sehen es Umfragen zufolge die meisten Griechinnen und Griechen. Nach den großen Demonstrationen in Thessaloniki im Januar und in Athen im Februar, werden heute in 24 griechischen Städten - die meisten in der griechischen Region Makedonien - die Menschen auf die Straße gehen. Die Veranstalter hoffen, dass sich auch diesmal  Hunderttausende, wenn nicht gar Millionen, versammeln, um ein deutliches Zeichen zu setzen. Zum Protest ruft das selbsternannte "Kampfkomitee für das Griechischsein Makedoniens" auf, dessen Mitglieder in makedonischen Kulturorganisationen aktiv sind. In einer Pressekonferenz appelliert Jiannis Athanassiadis, Vorstand der makedonischen Dachorganisation Griechenlands, an die griechischen Politiker:

"Wir fordern, dass der Name Mazedonien den Nachbarn nicht gegeben wird. Das Thema ist überparteilich und betrifft nicht nur diese Regierung. Alle politischen Kräfte Griechenlands müssten sich zusammentun, um eine Lösung zu finden, denn das Recht ist auf unserer Seite."

Regierung fest entschlossen, weiter zu verhandeln

Die Proteste werden von den meisten griechischen Bürgermeistern unterstützt. Auch von der Orthodoxen Kirche, die die Gläubigen auffordert, an den Demos teilzunehmen. In einem fast zwei Stunden langen Interview im griechischen Staatsfernsehen in der Nacht zum Dienstag zeigte sich unterdessen der griechische Außenminister Nikos Kotzias fest entschlossen, die Verhandlungen mit Mazedonien trotz der Proteste fortzuführen:

"Ich wäre der letzte, der gegen das demokratische Recht der Menschen wäre, zu demonstrieren. Die Organisatoren sollten aber sehen, welche Entwicklungen es in den letzten 25 Jahren rund um den Namen des Nachbarlandes gegeben hat. Und sie sollten die Augen und Ohren der Seele aufmachen und realisieren, dass wir unserem Land helfen, wenn es von diesen metaphysischen Altlasten befreit wird und sich an der Zukunft orientiert. Eine Lösung im Namensstreit mit Mazedonien würde die Rolle Griechenlands in der Region stärken. Unsere Rolle in der EU und weltweit ist im 21. Jahrhundert nur in Zusammenarbeit mit den anderen Balkanländern sichergestellt."

Kompromisslösung stößt auch in Mazedonien auf Widerstand

Das Ziel der griechischen Regierung: Ein zusammengesetzter Name, zum Beispiel Neu-, Ober- oder Nordmazedonien, der auch in der Verfassung des Nachbarlandes verankert ist und somit den bisherigen konstitutionellen Namen "Mazedonien" sowohl im In- als auch im Ausland ein für alle mal ablöst.

Das geht vielen Mazedoniern wiederum zu weit. Am Sonntag waren in Skopje tausende Menschen dem Aufruf der rechts-konservativen mazedonischen Opposition gefolgt und hatten ihrerseits gegen eine zusammengesetzte Namenslösung protestiert. Mit mazedonischen Flaggen in den Händen und mit dem Motto "Mazedonien wird siegen".

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