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StartseiteEuropa heuteRentner haben immer noch nicht genug zum Leben28.11.2018

GriechenlandRentner haben immer noch nicht genug zum Leben

Wer wissen will, wie tief der Frust über die Sparpolitik sitzt, der muss die griechischen Rentner fragen. Vor allem auf dem Land ist die Not groß. Dass die griechische Regierung die Renten nicht weiter zusammenstreichen will, bringt vielen Rentnern nichts.

Von Michael Lehmann

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Nahaufnahme der Hand einer alten Frau, die ein paar Münzen zählt.  (imago stock&people)
Rentner in Griechenland haben immer noch nicht genug zum Leben. (imago stock&people)
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Grünes Licht aus Luxemburg – Griechenland hat aus Sicht der Geldgeber-Länder so gut gespart, dass es im neuen Jahr auf einige weitere Kürzungen, zum Beispiel für die Rentner, verzichten kann. Letzte Woche schickte diese Nachricht der Chef des Rettungsmechanismus für Griechenland, Klaus Regling, persönlich nach Athen – doch sie kam bei den Hauptbetroffenen nicht wirklich gut an:

"Da wird jetzt überhaupt nichts in meinem Geldbeutel zu spüren sein. Keinen einzigen Euro mehr geben sie uns Rentner. Wieder einmal wird das in ihre eigenen Taschen wandern – die Geldgeber holen sich das wieder, was sie uns geliehen haben."

Constantinos Tsibelenios engagiert sich seit längerem in einer Rentner-Gewerkschaft, geht auch regelmäßig für höhere Renten auf die Straße. Er hat es mit seinen 600 Euro im Monat vom Staat sogar noch relativ gut … andere müssen mit deutlich unter 500 Euro im Monat auskommen:

"Ich mache mir viele Sorgen – ich habe kaum Geld. Nicht um mich mache ich mir die Sorgen – ich mache mir um meine Kinder Gedanken, weil die alle ohne Arbeit sind".

Zu wenig Geld, um sich zu ernähren

Dass die Geldgeber-Länder im neuen Jahr Griechenlands Rentner nicht noch weiter belasten wollen, kann viele ältere Menschen im Land nicht wirklich beruhigen. In diesen Tagen machte auch eine niederländische Studie Schlagzeilen, nach der in Griechenland vor allem die ländliche Bevölkerung aus finanziellen Gründen sich inzwischen nicht mehr ausreichend ernähren kann. Regierungschef Tsipras hat mit seiner Ankündigung, auf eine neue Sparrunde bei den Renten zu verzichten, also reagieren müssen:

"Wissen Sie", sagt Ioannis Sakkas, ein Rentner im noblen Athener Stadtteil Kolonaki, "unsere Wirtschaft hat 30 Prozent seit Beginn der Krise an Kraft verloren - da kann das neue 1 Prozent Wachstum wenig ausrichten. Wer soll davon etwas haben? Im Tourismus ist das höchsten zu spüren - da geht’s wirklich aufwärts. Aber wir bräuchten 4 oder 5 Prozent Wachstum, damit es uns normalen Leuten wirklich besser gehen kann. Wir sind von einer Besserung sehr, sehr weit entfernt!"

Protestmüde

Gemessen an der Not so vieler Menschen in Griechenland, sagen manche Beobachter, sei es mehr als überraschend, wie mau der Protest ausfällt auf den Straßen – wie wenige sich offen noch für bessere Zustände einsetzen wollen. Diese Krankenschwester arbeitet für 850 Euro, und muss neben zwei studierenden Kindern auch noch ihre Mutter mit versorgen:

"Es gibt keine Arbeit – die Löhne sind extrem niedrig inzwischen. Mein Sohn ist nach Deutschland ausgewandert und er arbeitet dort für das dreifache was er in Griechenland bekommen würde. Hier ist das Leben zudem immer teurer geworden. Und wir müssen schauen, dass wir überhaupt erstmal das Nötigste wie unsere Krankenversicherung bezahlen können. Und zu all dem sind auch noch die Steuern immer weiter angehoben worden."

Griechenland Ende November - es sind nur kleine Erleichterungen, die die Regierung Rentnern und Niedrigverdienern versprechen kann. Ein Graffiti-Spruch in Athen trifft es auf traurige Weise mit nur wenigen Worten: Es liegt eine großartige Zukunft hinter uns.

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