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StartseiteInformationen am MorgenZwischen Pessimismus und Euphorie03.01.2015

GriechenlandZwischen Pessimismus und Euphorie

In Griechenland wächst angesichts der bevorstehenden Neuwahlen bei vielen Menschen die Sorge vor einer Verschärfung der Krise. Doch der amtierende Finanzminister gibt sich gelassen - und mancher Wähler freut sich über die Chance, die jetzige Regierung abzuwählen.

Von Thomas Bormann

Eine Frau steht vor einem Geldautomaten der griechischen Eurobank. (picture alliance / dpa / Alkis Konstantinidis)
An den Bankautomaten in Griechenland herrscht wieder mehr Betrieb. (picture alliance / dpa / Alkis Konstantinidis)
Weiterführende Information

Griechenland - Ex-Regierungschef Papandreou gründet Partei
(Deutschlandfunk, Aktuell, 02.01.2015)

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(Deutschlandfunk, Europa heute, 02.01.2015)

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(Deutschlandfunk, Interview mit Michael Fuchs, 02.01.2015)

An manchem Geld-Automaten in Athen herrscht derzeit auffällig viel Betrieb. Viele Griechen heben ihr Erspartes ab, weil sie den Banken und vor allem den bevorstehenden Parlamentswahlen nicht trauen. Sie fürchten, dass bei einem Sieg der griechischen Linkspartei Syriza das Bankensystem zusammenbricht, dass vielleicht sogar die Drachme wieder eingeführt wird. Da gehen sie lieber zum Geld-Automaten, solange der noch Euro ausspuckt.

"Der Januar wird ein ganz schwieriger Monat für Griechenland. Ich hoffe, diese vorgezogenen Neuwahlen werden ein gutes Ergebnis bringen", sagt eine Athenerin mit Sorgenfalten auf der Stirn. Eine 54-jährige Arbeitslose teilt diese Meinung. Sie hatte ursprünglich gehofft, jetzt doch wieder Arbeit zu finden, weil die Wirtschaft in Griechenland wieder etwas wächst. Nun aber ist sie wieder pessimistisch: "Die Wahlen sollten eigentlich überhaupt nicht stattfinden. Für die Wirtschaft ist das ganz schlecht; das schafft nur Unsicherheit. Die Leute haben Angst, sie geben kein Geld aus; das ist wirklich ein ganz schlechter Zeitpunkt für Wahlen."

Griechenland hängt noch immer am Tropf

Andere Griechen aber reiben sich schon die Hände. Sie sind heilfroh, dass sie in drei Wochen die jetzige Regierung abwählen können – wie dieser 58-jährige Mann: "Jetzt wird das Land endlich diese Leute los, die in den vergangenen vier Jahren unser Blut getrunken haben." Er hofft, dass die Umfragen Recht behalten und dass die griechische Linkspartei Syriza die Wahl gewinnt. Syriza will sofort Schluss machen mit der Sparpolitik, will Löhne und Renten wieder erhöhen, die Steuern aber senken.

Der Haken an der Sache: Griechenland hängt nach wie vor am finanziellen Tropf der anderen Euro-Länder. Das laufende Hilfsprogramm läuft im Februar aus, aber auch danach wird Griechenland Hilfskredite benötigen. Die Linkspartei Syriza aber will einen Teil der alten Hilfskredite nicht zurückzahlen. Sie fordert einen Schuldenschnitt für Griechenland und will das in Verhandlungen mit den anderen Euro-Ländern durchsetzen. Viele Griechen fürchten: Mit diesem Plan würde Griechenland scheitern und müsste raus aus der Euro-Zone.

Der Finanzminister ist sicher: Das Hilfsprogramm wird weiterlaufen

Der noch amtierende Finanzminister Gikas Hardouvelis bleibt trotzdem gelassen: "I'm not worried – ich bin nicht beunruhigt", sagt er und gibt zu verstehen: Die Linkspartei Syriza werde ihr Programm nicht durchsetzen können – selbst als Wahlsieger müsste sie Kompromisse eingehen, und schließlich, so der Finanzminister, sei der Ausgang der Wahl ja völlig offen: "Wenn die neue Regierung die gleiche ist wie die bisherige, wird alles sehr schnell gehen. Wenn es aber eine gänzlich neue Regierung gibt, dann wird sie einige Zeit brauchen, ehe sie die Probleme so richtig durchschaut. In dem Fall müsste das Rettungsprogramm nochmals verlängert werden, denn die Zeit bis Ende Februar ist sehr knapp."

Finanzminister Hardouvelis ist also sicher: Egal wer nach dem 25. Januar Griechenland regiert: die Reformpolitik mit den Hilfsprogrammen wird weiterlaufen und Griechenland wird in der Euro-Zone bleiben. Die Konten sind sicher. Viele seiner Mitbürger aber zweifeln daran: Allein im Dezember haben sie zweieinhalb Milliarden Euro von ihren Konten abgehoben und entweder ins Ausland gebracht oder irgendwo im Schrank versteckt.

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