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StartseiteInformationen am MorgenDie Krise ist noch nicht überwunden01.03.2019

Griechenlands wirtschaftliche ZukunftDie Krise ist noch nicht überwunden

Trotz eines Aufwärtstrends in der griechischen Wirtschaft, bleibt die große Verbesserung aus. Deutsche und andere europäische Investoren bleiben extrem vorsichtig. Wichtigstes Zugpferd des Landes ist nach wie vor der Tourismus, doch erste Warnzeichen deuten einen Besucherrückgang für dieses Jahr an.

Von Michael Lehmann

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Ein älterer Mann verkauft Taschentücher vor einem geschlossenen Geschäft in Athen. (AFP / Aris Messinis)
Ein älterer Mann verkauft Taschentücher in Athen. Die Wirtschaftskrise hat auch viele Rentner hart getroffen. (AFP / Aris Messinis)
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Es tut sich was in den Straßen von Athen – am Rohbau der Nationalgalerie wird nach jahrelangem Stillstand weitergearbeitet und im Gassengewirr schräg hinter dem Syntagmaplatz wird ein baufälliges Bürogebäude zum Hotel umgebaut. Den direkten Blick auf die Baustelle hat Nick Malkoutzis, ein in London ausgebildeter griechischer Ökonom mit eigenem Institut für Wirtschaftsanalyse namens MacroPolis:

"Es gibt Anzeichen, gute Aufwärtstrends in der Wirtschaft, ja. Auch in den makroökonomischen Indikatoren, die sich alle positiv entwickelt haben. Aber: das läuft auf relativ niedrigem Niveau. Und das andere Problem ist der ökonomische Schaden, der in den Krisenjahren entstanden ist. Kleine Verbesserungen wie wir sie gerade erleben sind nötig, aber sie bringen noch nicht den großen Fortschritt".

Eher nur ein als zwei Prozent Wirtschaftswachstum erwarten die Experten für die kommenden Monate im Land. Es müsste dringend höher sein. Investoren - gerade die aus Deutschland oder anderen europäischen Ländern seien über-vorsichtig, meint der Athener Ökonom Malkoutzis.

Griechenland braucht mehr Freiheit bei Investitionen

Eine richtig dicke Investitionslawine aber ist nicht in Sicht für Griechenland. Jens Bastian, seit rund 20 Jahren Finanz- und Wirtschaftsberater in Athen, rät auch den Fachleuten auf Seiten der Kreditgeber, schneller umzudenken. Die Sparprogramme, so Bastian seinen richtig und wichtig, aber der griechische Staat müsse mehr Freiheit bekommen, das eingesparte Geld auch an den richtigen Stellen zu investieren:

"Ist es notwenig, dass Griechenland auch in den kommenden Jahren einen sogenannten Primärüberschuss im Haushalt von 3,5 Prozent bis 2022 erwirtschaften muss. Das ist eine der Vorbedingungen der Kreditgeber. Während das Wirtschaftswachstum zwischen eins und vielleicht zwei Prozent ist. Es sollte eigentlich genau anders herum sein. Höheres Wirtschaftswachstum, niedriger Primärüberschuss im Haushalt. Das wäre für mich eine nachhaltige Wirtschaftsentwicklung".

Wichtiges Zugpferd für Griechenland ist und bleibt der Tourismus. Wirtschaftsanalyst Malkoutzis sieht viele positive Impulse, die von steigenden Übernachtungszahlen etwa in den Einzelhandel, sehr kräftig zum Beispiel in die Möbelbranche ausstrahlren. Aber: Griechenland dürfe sich nicht darauf verlassen, dass es jedes Jahr mit den Gästezahlen so kräftig aufwärts geht wie zuletzt:

"Es gibt schon Warnzeichen, dass wir dieses Jahr weniger Besucher bekommen könnten als letztes Jahr. Etwas mehr als 30 Millionen hatten wir im letzten – das werden dieses Jahr wahrscheinlich weniger sein. Griechenland muss kreative Wege finden, die Gästezahlen hochzuhalten".

Das Land hat es noch lange nicht geschafft

Die Saison erweitern, nicht schon Anfang Oktober Hotels und Strandtavernen schließen – das sind für Malkoutzis wichtige Maßnahmen für eine stabil hohe Urlauberzahl. Parallel dazu müsse in vielen Branchen der positve Trend noch ausgebaut werden, den er in der griechischen Wirtschaft deutlich spürt:

"Bei der Informationstechnologie läuft es ziemlich gut. Mobile IT-Anwendungen und ähnliches. Im kleinen Rahmen bisher nur – aber das hat Potenzial stark zu wachsen."

Egal welche Regierung nach den Parlamentswahlen in diesem Jahr den Auftrag zum Weitermachen bekommt – sie wird an einer schweren Last zu tragen haben. Der Last, dass es Griechenland zwar besser geht – das Land es aber lange noch nicht geschafft hat, die Krise wirklich zu überwinden.

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