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StartseiteForschung aktuell"Influenza-Impfung ist die beste Präventionsmöglichkeit"08.10.2018

Grippewelle"Influenza-Impfung ist die beste Präventionsmöglichkeit"

Die kalte Jahreszeit steht bevor und damit die nächste Grippewelle. Wie diese verläuft, lasse sich nicht prognostizieren, sagte Silke Buda vom Robert-Koch-Institut in Berlin dem Dlf. Sie empfiehlt: Wer sich schützen will, sollten eine Grippeimpfungen machen. Dies gelte insbesondere für die Risikogruppen.

Silke Buda im Gespräch mit Michael Böddeker

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Ein Mann putzt sich die Nase. (imago/Paul von Stroheim)
Die Grippe kommt - und das sicher auch in diesem Jahr (imago/Paul von Stroheim)
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Michael Böddeker: Sie kommt jedes Jahr wieder, meist zum Jahreswechsel. Und Jahr für Jahr führt sie zu massenhaften Krankmeldungen bei der Arbeit. Und in manchen Fällen verläuft die Krankheit sogar tödlich: Die Grippe kommt, und das sicher auch in diesem Jahr.

Ab Oktober beginnen meist die Impfungen. Für wen die sinnvoll sind, und was für dieses Jahr zu erwarten ist, darüber habe ich mit Silke Buda vom Robert-Koch-Institut in Berlin gesprochen und gefragt: Lässt sich jetzt schon vorhersehen, wie die Grippewelle dieses Jahr ablaufen wird?

Silke Buda: Nein, leider sind wir noch nicht so weit, dass wir die Grippewelle vorhersagen können. Wir wissen, dass sie kommen wird, voraussichtlich um den Jahreswechsel rum, vielleicht auch etwas später beginnen wird, aber welche Viren genau zirkulieren und wie stark die Grippewelle werden wird, das wissen wir leider nicht.

Böddeker: Letztes Jahr war die Grippewelle ja recht stark - kann man daraus denn irgendwelche Rückschlüsse für dieses Jahr ziehen?

Buda: Letztes Jahr sind besonders Influenza-B-Viren zirkuliert, und zwar von Anfang an, das war sehr ungewöhnlich und hat eben tatsächlich auch sehr viele Menschen krank gemacht, dieses Influenza-B-Virus. Insofern ist die Wahrscheinlichkeit, dass genau das gleiche B-Virus wieder zirkulieren wird, eher klein. Ob dann ein anderes Virus, von den Influenza-A-Viren zum Beispiel, die letztes Jahr weniger zirkuliert sind, dann häufiger vorkommt, das wird man sehen müssen.

"Influenza-Impfung wirkt nicht bei allen Geimpften gleich gut"

Böddeker: Die Grippeimpfungen laufen meist im Oktober an und dann im November weiter, also noch vor der Grippewelle zum Jahreswechsel - für wen würden Sie Impfungen empfehlen?

Buda: Das macht ja die Ständige Impfkommission am Robert-Koch-Institut, die da Impfungen empfiehlt, und da werden insbesondere für Personen, die eine höhere Wahrscheinlichkeit für einen schweren Krankheitsverlauf haben, die Impfung empfohlen. Und das sind alle Personen über 60 Jahre, das sind Personen mit chronischen Grunderkrankungen jeden Alters, das sind Schwangere, und das sind natürlich auch Personen wie medizinisches Personal, die einerseits ein höheres Risiko haben, sich zu infizieren, andererseits aber natürlich auch drauf achten müssen, möglicherweise vulnerable Patienten nicht anzustecken.

Böddeker: Unter genau solchen Risikogruppen wurde auch eine Umfrage durchgeführt, da wurden heute die Ergebnisse veröffentlicht. Demnach unterschätzen Risikogruppen wie eben Senioren oder medizinisches Personal den Nutzen einer Schutzimpfung. Was glauben Sie, woran das liegt?

Buda: Das ist schwer zu beurteilen. Es ist jedenfalls ganz sicher, dass eben die Influenza-Impfung die beste Präventionsmöglichkeit ist und dass durch die Impfung eben jedes Jahr sehr viele Influenza-Erkrankungen verhindert werden. Obwohl - das muss man auch dazusagen – die Influenza-Impfung nicht bei allen Geimpften gleich gut wirkt. Da ist es etwas anderes als bei anderen Impfungen.

Böddeker: Außer Impfungen, was kann man denn sonst noch tun, um sich vor der Grippe zu schützen?

Buda: Also wie gesagt, bevor die Grippewelle losgeht, gibt es eigentlich bloß die Influenza-Impfung. Was man sich schon auch vorher angewöhnen sollte oder grundsätzlich machen sollte, ist, sich so zu verhalten, dass man eben sich möglichst wenig ansteckt. Also die sogenannte Hustenetikette, das heißt also, selbst eben in die Armbeuge oder in ein Einmaltaschentuch husten oder auch niesen. Zusätzlich sollte man selbst häufig die Hände waschen, gerade wenn man eben öffentlich unterwegs war und auch andere Personen nicht anniesen, anhusten. Für diejenigen, die eben gesund sind, ist es wichtig, von Personen, die dann eben offensichtlich erkrankt sind, möglichst, wenn das praktikabel ist, Abstand zu halten.

Auf Pandemien vorbereitet sein

Böddeker: Dieses Jahr, 2018, ist es jetzt genau 100 Jahre her, dass eine ganz gewaltige Grippewelle um die Welt ging. Damals, 1918, war das die sogenannten Spanische Grippe, die hat viele Millionen Tote gefordert. Gibt es was, das wir heute noch lernen können aus dem Verlauf vor 100 Jahren?

Buda: Also ich denke, was eben ganz wichtig ist, dass es auch heute noch theoretisch zu Pandemien kommen kann und dass man sich eben auf so eine wirklich desaströse Grippewelle auch vorbereiten muss. Und für diejenigen, die sich mit der Pandemieplanung beschäftigen, wie wir das am Robert-Koch-Institut eben auch tun, ist wichtig, zu lernen: Was ist damals genau passiert? Was hat eine Rolle gespielt? Wie gefährlich war das Virus? Wie waren aber auch die sozialen Umstände, wie war die Altersstruktur? Wie ist das im Moment, wie sind auch die Interventionsmöglichkeiten, was eben zum Beispiel Sekundärinfektionen betrifft?

Wir haben heutzutage wirksame Antibiotika. Aber auch da muss man auf die Antibiotika-Resistenzen schauen. Wir haben eine andere Bevölkerungsstruktur, sehr viel mehr ältere Menschen mit chronischen Grunderkrankungen, die eben ein höheres Risiko für schwere Krankheitsverläufe haben. All das müssen wir uns genau angucken und in Vorbereitung auf eine mögliche nächste Pandemie versuchen, umzusetzen. Aber das hilft uns natürlich auch für das Management und die Bewältigung von saisonalen Grippewellen, insbesondere wenn sie so schwer sind wie die letzte, die wir hatten.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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