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StartseiteVerbrauchertippRechte und Pflichten bei der Krankschreibung24.01.2020

GrippezeitRechte und Pflichten bei der Krankschreibung

Keine noch so starke Grippe entbindet Arbeitnehmer davon, sich so früh wie möglich beim Arbeitgeber krank zu melden - spätestens zu Beginn der Arbeitszeit am ersten Krankheitstag. Am vierten Tag muss der Firma ein ärztliches Attest vorliegen. Und es gibt noch mehr zu beachten.

Von Peggy Fiebig

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Wer Fieber hat, sollte auf keinen Fall arbeiten gehen (picture alliance / dpa / imageBROKER / Jochen Tack)
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Etwa 75 Millionen Krankschreibungen landen jährlich bei den Krankenkassen. So schätzt es Heike Weinert von der Techniker Krankenkasse, der größten gesetzlichen Krankenkasse in der Bundesrepublik.

"Also im Durchschnitt dauert eine Krankschrift bei den Versicherten unserer Krankenkasse ungefähr 13 Tage. Das ist sehr unterschiedlich, auch von Bundesland zu Bundesland. Mann, Frau spielt eine Rolle, Berufsbild spielt eine Rolle, und das Alter spielt eine große Rolle."

Sofortige Krankmeldung an den Arbeitgeber wichtig

Jüngere lassen sich öfter für kürzere Zeiten krankschreiben, Ältere sind seltener, dann aber länger krank, sagt Heike Weinert. Und um mit einem Klischee aufzuräumen: Lehrerinnen und Lehrer melden sich eher seltener krank.

Wie sich Arbeitnehmer bei Krankheit zu verhalten haben, erläutert Marc Wesser, Fachanwalt für Arbeitsrecht in Berlin:

"Grundsätzlich muss ich mich bei meinem Arbeitgeber unverzüglich krankmelden. Also wenn ich weiß, ich kann nicht zur Arbeit erscheinen, muss ich ihm erstmal Bescheid geben, damit er umplanen kann."

Voraussichtliche Abwesenheit möglichst angeben

Auf welchem Weg das passiert - persönlich, telefonisch, per SMS, per E-Mail - ist dabei grundsätzlich egal. Es sei denn, im Unternehmen gibt es dafür ein bestimmtes vorgeschriebenes Prozedere. Üblicherweise sollte dem Chef oder bei der Personalabteilung Bescheid gegeben werden, wobei nicht mitgeteilt werden muss, um welche Krankheit es konkret geht. Wohl aber - wenn es absehbar ist - wie lange die Abwesenheit vom Arbeitsplatz voraussichtlich dauern wird. Marc Wesser:

"Grundsätzlich hat der Arbeitgeber keinen Anspruch darauf, zu erfahren, was ich habe. Das geht ihn nichts an. Häufig ist es natürlich vielleicht politisch ganz sinnvoll, das mitzuteilen. Also, wenn ich jetzt weiß, ich habe eine Erkältung und ich gehe davon aus, dass ich nächste Woche wieder da bin, dann ist es sicher nicht schädlich zu sagen, ich hab eine Erkältung, ich bin nächste Woche wieder da."

Krankschreibung spätestens am dritten Tag 

Die Krankschreibung selbst sollte dann spätestens am dritten Tag beim Arbeitgeber sein. Aber Achtung: Manche Unternehmen fordern die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung, wie der gelbe Schein offiziell heißt, schon am ersten Tag. Informiert der Arbeitnehmer seinen Arbeitgeber nicht umgehend oder gibt er den Krankenschein nicht rechtzeitig ab, kann das ernsthafte Folgen haben: Eine Abmahnung oder unter bestimmten Umständen sogar eine Kündigung.

Kündigen kann ein Arbeitgeber auch, wenn sich jemand aus seinem Unternehmen krankmeldet, ohne tatsächlich krank zu sein. Ulf Röding, Rechtssekretär bei der DGB-Rechtsschutz GmbH, warnt:

"Das kann selbstverständlich auch schon beim ersten Mal passieren. Das hängt natürlich von den einzelnen Umständen ab. Aber generell muss man davon ausgehen, dass auch der erstmalige Versuch der Täuschung dazu führt, dass der Arbeitgeber das Arbeitsverhältnis beendet."

Zweifel des Arbeitgebers muss die Krankenkasse prüfen

Das "Blaumachen" muss der Arbeitgeber beweisen. Zweifelt er an der Arbeitsunfähigkeit seines Arbeitnehmers, auch wenn der einen Krankenschein vorgelegt hat, kann die Krankenkasse klären, sagt Heike Weinert von der Techniker.

"Also es gibt tatsächlich Fälle, wo der Arbeitgeber Zweifel hat, ob auch wirklich sein Angestellter oder sein Arbeitnehmer krank ist. Dann würde er sich an die Krankenkasse wenden, und wir als Krankenkasse könnten den Medizinischen Dienst beauftragen, dass er sich den Patienten mal anschaut. Aber das sind tatsächlich dann nur Einzelfälle."

Übrigens, den "gelben Schein" also die klassische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung auf Papier, wird es bald nicht mehr geben. Ab 2021 soll alles elektronisch laufen: Der Arzt übermittelt die Krankschreibung digital an die Krankenkasse, und diese leitet sie an den Arbeitgeber weiter. So ist es im dritten Bürokratie-Entlastungsgesetzes vorgesehen, das der Bundestag im Oktober verabschiedet hat.

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