Freitag, 21.09.2018
 
Seit 15:05 Uhr Corso - Kunst & Pop
StartseiteDeutschland heuteDörfer in Brandenburg evakuiert24.08.2018

Großbrand bei TreuenbrietzenDörfer in Brandenburg evakuiert

Nach regenlosen Monaten und brütender Hitze ist ein Großbrand bei Treuenbrietzen in Brandenburg an drei Stellen gleichzeitig ausgebrochen. Es besteht der Verdacht auf Brandstiftung, doch die Ermittlungen müssen warten. Das Feuer ist zwar unter Kontrolle, aber das Löschen könnte noch Tage dauern.

Von Vanja Budde

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
Ein Feuerwehrmann am 24.08.2018 beim Waldbrand in Brandenburg (Michael Kappeler/dpa )
Einer von über 600 Feuerwehrleuten im Einsatz (Michael Kappeler/dpa )
  • E-Mail
  • Teilen
  • Tweet
  • Drucken
  • Podcast
Mehr zum Thema

Deutscher Feuerwehrverband "Wir müssen auf das Ehrenamt setzen"

Waldbrand in Brandenburg Erste Bewohner dürfen zurück

Die akute Gefahr, dass das Feuer auf die drei evakuierten Dörfer übergreift, war am Vormittag vorbei, sagte ein sichtlich erleichterter Innenminister Karl-Heinz Schröter.

"Also wenn die Windverhältnisse bleiben, wie sie sind, dann sollte hier die größte Sorge vorbei sein. Man weiß nie, ob das noch mal doll auffrischt – ich hoffe nicht. So, wie ich die Lage gerade eben gesehen habe, sind die Kameradinnen und Kameraden, die vor Ort die Bereiche schützen, sehr optimistisch, dass sie das auch dauerhaft halten können."

Löschhubschrauber der Bundespolizei, Technisches Hilfswerk mit schwerem Gerät, Feuerwehren aus ganz Brandenburg und dem benachbarten Sachsen-Anhalt waren herbeigeeilt, insgesamt 600 Männer und Frauen bekämpfen den Großbrand bei Treuenbrietzen, einer Kleinstadt südwestlich von Potsdam. Ministerpräsident Dietmar Woidke  fuhr am Morgen an den Brandort und zeigte sich dankbar.

Mehr als 600 Einsatzkräfte

"Ich habe von allen Einsatzkräften, mit denen ich gesprochen habe, heute gehört, dass die Evakuierungen, die ja für viele Menschen ein harter Einschnitt sind, sehr reibungslos abgelaufen sind. Und da kann ich den Bürgerinnen und Bürgern für das Verständnis nur danken. Zu denken habe ich auch den mehr als 600 Einsatzkräften, die hier momentan im Einsatz sind. Es ist eine riesengroße Zahl. Es ist ein Waldbrand in einer Größe, wie ihn Brandenburg nicht nur nicht in diesem Jahr, sondern auch seit vielen Jahren nicht mehr gesehen hat."

Kein Regen seit Monaten, brütende Hitze – Brandenburgs Kiefernwälder sind trocken wie Zunder. Der Großbrand brach an drei Stellen gleichzeitig aus. Es besteht eventuell Verdacht auf Brandstiftung, doch die Ermittlungen müssen warten. Das Feuer ist zwar unter Kontrolle, aber das Löschen könne noch Tage dauern, sagte Vizelandrat Christian Stein.

"Erschwerend kommt noch dazu, dass hier in der Region Teltow-Fläming, altes Lager drüben, ebenfalls auch ein Waldbrand von über 80 Hektar wütet, der jetzt Gefahr läuft, zu uns rüberzukommen."

Eine halbe Stunde, um das Nötigste zu packen

Drei Ortschaften mussten evakuiert werden, 540 Menschen ihre Häuser verlassen. In der Stadthalle von Treuenbrietzen haben diejenigen Unterschlupf gefunden, die nicht bei Freunden und Bekannten untergekommen sind. Notfallseelsorger waren dort im Einsatz, denn die Angst war groß, wie eine Anwohnerin erzählt. Eine halbe Stunde blieb ihr, das Nötigste zu packen.

"Die Kinder sind hier groß geworden, ich hab hier mit meinem Mann gelebt, jetzt sollen wir das alles verlieren? Und man geht durchs Haus und denkt: Was packe ich denn jetzt ein? Und die Nachbarin sagt zu mir: "Du, Angelika, ich packe meine Fotoalben ein, die kann einem doch keiner mehr ersetzen!" Ne? Ja, das habe ich dann auch gemacht und dann hab ich einen Wäschekorb geholt, hab die ganzen Hefter, die Akten, alle ein. Ich sage zu meinem Mann: "Immer rein damit ins Auto und lieber mehr wie zu wenig", und eine Tasche mit Sachen und ja. Aber dann ist man - auf einmal ging’s los und ich hab alles stehen und liegen lassen. Ich sage, wenn da jetzt einer rein muss wegen löschen, die werden auch sagen: Die Frau hat das Haus verlassen. Ja."

In eines der Dörfer konnten die Einwohner am Mittag zurückkehren. Die anderen müssen noch bis zum Nachmittag ausharren, dann sollte die Lage neu bewertet werden. Südwestwind hatte die Rauchschwaden in der Nacht bis nach Potsdam und Berlin getragen, Fenster und Türen sollten geschlossen bleiben, empfahl die Feuerwehr. Der Deutsche Wetterdienst sieht voraus: Es könne in der Nacht zu Samstag erneut zu einer Rauchbelastung in Berlin kommen.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk