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StartseiteInformationen am MittagDiplomatische Spannungen09.07.2019

Großbritannien und die USADiplomatische Spannungen

Nach der Veröffentlichung interner Berichte des britischen Botschafters Kim Darroch über die US-Administration teilt US-Präsident Donald Trump bei Twitter gegen die britische Regierung aus. London bemüht sich um Schadensbegrenzung.

Von Friedbert Meurer

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US-Präsident Donald Trump und die britische Premierministerin Theresa May in London (picture alliance / Photoshot)
"Wir werden uns nicht mehr mit ihm befassen": US-Präsident Donald Trump kritisiert den britischen Botschafter in den USA (picture alliance / Photoshot)
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US-Präsident Donald Trump war akustisch nur schwer zu verstehen. Vor einem dröhnenden Hubschrauber stehend ließ er gestern Abend wissen: Der Botschafter Großbritanniens Kim Darroch ist ab sofort eine Persona non grata in Washington. "Wir kennen das genau von einer Reihe von Ländern. Dieser Botschafter hat dem Vereinigten Königreich keinen Gefallen getan. Wir sind keine großen Fans von diesem Mann."

Dieser Mann - das ist immerhin der Botschafter seiner Majestät, Sir Kim Darroch. Sein Vergehen: Darroch hat vertrauliche Mitteilungen nach Hause gekabelt, die dann einer britischen Sonntagszeitung zugespielt wurden. Darroch bezeichnet Trump darin als unfähig und inkompetent.

"Eine Schweinerei angerichtet"

Trump ergänzte per Twitter, man werde sich nicht mehr mit dem Botschafter befassen. Darroch wurde er gestern Abend von einem Dinner im Weißen Haus ausgeladen. In London versucht man jetzt den Spagat: Außenminister Jeremy Hunt stellt sich hinter den eigenen Botschafter, bemüht sich aber auch um Besänftigung.

"Es ist ein wichtiger Teil der Arbeit von Botschaftern, offen zu berichten, was in ihrem Land geschieht. Unser Botschafter hat seinen Job gemacht. Das ist aber seine persönliche Ansicht, nicht die der britischen Regierung. Wir halten die US-Administration unter Präsident Trump für hocheffektiv. Sie sind unsere besten Freunde auf internationaler Bühne."

US-Präsident Trump beschwichtigt das nicht. Per Twitter ließ er gleich auch noch einmal mitausrichten, was er von Premierministerin Theresa May hält. Sie habe beim Brexit "eine Schweinerei angerichtet". Gut, dass es bald einen neuen Premierminister gebe.

In London erinnerte heute Morgen der frühere Außenminister William Hague daran, wie sich US-Botschafter umgekehrt in der Vergangenheit über andere Regierungschefs äußerten. Vor Jahren wurden ihre Depeschen von Wikileaks veröffentlicht, auch der damalige britische Premierminister Gordon Brown bekam sein Fett weg. "Sie können nicht einen Botschafter abziehen, nur weil das das gastgebende Land fordert. Sie bekommen keinen aufrichtigen Berichte mehr von unseren Botschaftern, wenn Sie damit rechnen müssen, dafür abgezogen zu werden."

"Ich habe Darroch einmal aus dem Büro geworfen"

Eine Frage lautet auch: Wer hat die Memos des britischen Botschafters geleakt? Waren es russische Hacker? Oder ist Darroch einer Intrige von Brexiteers zum Opfer gefallen? Nigel Farage, der Chef der Brexit-Partei, freut sich jedenfalls. "Unser Mann in den USA sagt, Trump ist unfähig. Ich kenne Darroch persönlich und habe ihn einmal aus meinem Büro geworfen, als er Botschafter in Brüssel war. Es war schon merkwürdig, ihn an seinem Posten in Washington zu lassen, obwohl er klar gegen Trumps Agenda ist."

Darrochs Zeit als Botschafter läuft zum Jahresende ab. Er wollte aber um ein Jahr verlängern, heißt es. Was wird der nächste britische Premier tun, zum Beispiel also Boris Johnson? Wird er den eigenen Botschafter opfern oder sich vor ihn stellen?  Keine leichte Entscheidung - mutmaßlich für Boris Johnson - der mit Donald Trump gut befreundet ist.

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