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StartseiteThemaWas der Brexit konkret bedeutet12.08.2019

GroßbritannienWas der Brexit konkret bedeutet

Stichtag für den Brexit ist derzeit der 31. Oktober 2019. Immer noch sind verschiedene Brexit-Szenarien möglich. Und immer deutlicher wird, was dies für EU-Bürger und Großbritannien bedeutet.

Von Jörg Stroisch/Alexander Moritz

Buchstabenwürfel formen die Worte hard und brexit auf dem Union Jack (imago images / Christian Ohde)
Der Hard Brexit könnte am 31. Oktober 2019 Realität werden (imago images / Christian Ohde)
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Portal: Countdown zum Brexit
Themenseite zum EU-Austritt von Großbritannien

Was bisher beim Brexit geschah

16 Monate haben die Unterhändler Großbritanniens und der Europäischen Kommission verhandelt. Seit dem 14. November 2018 liegt ein Vertragsentwurf vor, der den Austritt Großbritanniens aus der Union regeln soll. Doch ob diese Regelungen jemals in Kraft treten, weiß bisher niemand. Denn der Vertrag wurde bereits mehrfach im britischen Parlament abgelehnt. In der weiteren Folge trat Theresa May zurück und Boris Johnson wurde zum Premierminister ernannt - ein erklärter Brexit-Hardliner.

Welche Brexit-Szenarien es gibt

Szenario 1: Offizieller Austrittsvertrag

Frau mit einer Umhängetasche in den Farben der britischen Nationalflagge hält ein EU-Fähnchen (imago images / Ralph Peters) (imago images / Ralph Peters)Ausgehandelter Vertrag / Das steht im Austrittsvertrag
Im ursprünglichen Austrittsvertrag wurden die Eckpunkte festgelegt. So bliebe Großbritannien der EU auch danach eng verbunden – im Rahmen einer Freihandelszone. Dieser Vertrag ist allerdings mehrfach vom britischen Unterhaus abgelehnt worden. mehr

Szenario 2: Nachverhandlung des Vertrags

Demonstranten tragen eine EU-Flagge mit Totenkopf (AP/Tim Ireland) (AP/Tim Ireland)Neuer Vertrag / Backstop als Dorn im Auge
Boris Johnson befürwortet zwar offiziell einen Vertrag mit der EU, will den einmal geschlossenen aber dafür wieder aufschnüren. Insbesondere der sogenannte Backstop zur irischen Grenze, ein Sicherheitsnetz für die irische Insel, ist ihm und den Brexit-Hardlinern ein Dorn im Auge. Das Problem: Die EU scheint derzeit nicht bereit, den einmal geschlossenen Vertrag noch einmal komplett neu zu verhandeln. mehr

Szenario 3: No Deal/Hard Brexit

Boris Johnson muss sich als neuer Premier zum ersten Mal bei Wahlen beweisen: Verlieren seine konservativen Tories den Sitz bei den Nachwahlen in Wales, schrumpft seine Mehrheit im Unterhaus auf eine Stimme. (AfP / Kirsty Wigglesworth ) (AfP / Kirsty Wigglesworth )No-Deal-Brexit / Option wird immer wahrscheinlicher
Häufig wird mittlerweile das No Deal/Hard Brexit-Szenario diskutiert, ein Austritt ohne Vertrag zum 31. Oktober 2019 verlassen. London kritisiert so die EU dafür, dass sie nicht noch einmal über den Brexit verhandeln will. Ein No Deal wird immer wahrscheinlicher. Das britische Parlament hat aber noch Optionen, ihn zu verhindern – doch die Zeit drängt. mehr

Szenario 4: Rückzug des Brexit-Antrags

Luxemburg: Ein Mann geht über das Gelände vom Gerichtshof der Europäischen Union. (AP / Geert Vanden Wijngaert) (AP / Geert Vanden Wijngaert)EuGH-Gutachter / Großbritannien könnte Brexit noch stoppen
Eine theoretische Option ist es auch, dass Großbritannien den Brexit-Antrag wieder zurückzieht. Der Generalanwalt des Europäischen Gerichtshofs glaubt, dass dies bis zum Abschluss eines Austrittsabkommens möglich sei; London könne den Brexit-Antrag ohne Zustimmung der übrigen EU-Staaten zurückziehen. mehr

Szenario 5: Verlängerung der Verhandlungsfrist

Schon diverse Male wurde die Frist für den Brexit verlängert, um Großbritannien mehr zeitlichen Spielraum zu geben. Auch dies könnte also eine Option sein. Denn weder die EU noch das Parlament in London wünschen sich prinzipiell ein No-Deal-Szenario. 

Was der Brexit für Großbritannien bedeutet

Blick auf die Tower Bridge in London im Nebel. (EyeEm / Laura McGregor) (EyeEm / Laura McGregor)Wirtschaft / Der Brexit bremst
Um den wirtschaftlichen Schaden des Brexit zu begrenzen, arbeitet die britische Regierung parallel zu den Austrittsverhandlungen mit der EU auch an Abkommen mit weiteren Staaten. Denn mit dem Brexit verliert das Land alle Vorteile aus Handelsverträgen, die die EU mit anderen Staaten geschlossen hat. Unabhängig von diesen Überlegungen bremsen britische Firmen ihre Investionen, die Konjunktur flaut ab. mehr

Polizisten stehen Demonstranten 1969 in einer zerstörten Szenerie im nordirischen Derry gegenüber (imago images / United Archives) (imago images / United Archives)Irische Grenze / Angst vor dem Aufflammen des Konflikts
Besonders betroffen wären die Einwohner Irlands und Nordirlands. Zwischen beiden Gebieten würde in Zukunft die Außengrenze der EU verlaufen. Eine Grenze zwischen unterschiedlichen Wirtschaftsräumen, in denen unterschiedliche Gesetze gelten. Wenn es kein Abkommen gibt, müssten hier wieder Kontrollen eingerichtet werden, um zum Beispiel zu verhindern, dass Waren unerlaubt in die EU importiert werden. Es ist auch die Befürchtung, dass der nordirische Konflikt wieder aufflammen könnte. mehr

Die schottische Regierungschefin Nicola Sturgeon begrüßt den britischen Premierminister Boris Johnson in Edinburgh (dpa / PA Wire / Jane Barlow) (dpa / PA Wire / Jane Barlow)Unabhängigkeitsbewegungen / In Schottland deutlicher Widerstand gegen No Deal
Eine Herausforderung nach einem No-Deal-Brexit könnten Unabhängigkeitsbestrebungen einiger Länder darstellen. Die Schotten zum Beispiel sind erbost über das No-Deal-Szenario - und drohen offen mit einem neuen Referendum zur eigenen Unabhängigkeit. Dort hatte die Mehrheit gegen einen Brexit gestimmt. Auch in Wales gibt es entsprechende Stimmen. mehr

(dpa / picture alliance / Andy Rain) (dpa / picture alliance / Andy Rain)EU-Verpflichtungen / Johnson droht EU mit Zahlungsstopp
Immer wieder wird auch über mögliche Verpflichtungen Großbritanniens gegenüber der EU auch nach einem Brexit debattiert. Premier Boris Johnson droht damit, die vereinbarten Ausstiegszahlungen zurückzuhalten. Diese werden auf etwa 45 Milliarden Euro geschätzt. Aber auf der anderen Seite ist die Frage, ob die EU überhaupt bereit wäre, über ein späteres Handelsabkommen zu verhandeln, wenn das Geld nicht gezahlt würde. mehr

Was der Brexit für die EU und Deutschland bedeutet

Autos der Marke Opel auf dem Rüsselsheimer Firmengelände (AP) (AP)Wirtschaft / Probleme mit der Unberechenbarkeit
Vor allem die Unsicherheit schadet der Wirtschaft: Viele Unternehmen haben versucht, sich auf einen Brexit vorzubereiten. Die Verschiebungen sorgten nur für ein wenig Aufatmen. Die Firmen wünschen sich natürlich Planungssicherheit. mehr

Der Container-Terminal des Rotterdamer Hafens (imago images / Hollandse Hoogte) (imago images / Hollandse Hoogte)Grenzverkehr / Chaos in den Häfen
Wartezeiten werden sich bei einem "No Deal" kaum vermeiden lassen. In Rotterdam, Europas größtem Hafen, könnten sich Tausende Lkw stauen, wenn die Zollformalitäten nicht schnell genug abgewickelt werden können. Unzumutbar für die Einwohner des Hafenbezirks Hoek van Holland, findet Ton van Anraad von der Gemeindeverwaltung: "Wir haben Angst vor einem Verkehrsinfarkt. Dann kommt keiner hier mehr rein oder raus – auch in Notfällen nicht. Dann ist Hoek van Holland von der Außenwelt abgeriegelt." mehr

Touristen ziehen auf der Warschauer Straße in Berlin ihre Koffer hinter sich her. Auf einem Rollkoffer ist die britische Fahne zu sehen. (picture alliance/dpa/Jens Kalaene) (picture alliance/dpa/Jens Kalaene)EU-Freizügigkeit / Wer darf bleiben?
Sorgen machen sich auch die Menschen, die im Rahmen der EU-Freizügigkeit nach Großbritannien gezogen sind oder die Briten, die im EU-Ausland leben. Einige versuchen nach Möglichkeit, sich in das jeweilige Land einbürgern zu lassen. Dagegen verlassen immer mehr der Hunderttausenden Polen, die in Großbritannien arbeiten, das Land inzwischen wieder. Die Stadt Berlin verspricht, dort lebenden Briten auch ohne Einbürgerung unbürokratisch Aufenthaltsgenehmigungen zu erteilen. mehr

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