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StartseiteThemaDer Brexit und seine Auswirkungen31.01.2020

Großbritanniens EU-AustrittDer Brexit und seine Auswirkungen

Nach 47 Jahren Mitgliedschaft und vier Jahre nach dem Referendum verlässt Großbritannien am 31. Januar die Europäische Union. Doch auch danach wird es noch einiges zu klären geben: Bis Ende des Jahres gilt eine Übergangsfrist, in der beide Seiten ihre Beziehungen neu aushandeln wollen.

Ein Mitarbeiter stellt am EU-Gebäude in Brüssel einen Union Jack neben die Flaggen der übrigen EU-Staaten. (AFP/John THYS)
Der Brexit kommt Ende Januar - und dann? Noch sind viele Fragen ungeklärt. (AFP/John THYS)
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  (Deutschlandradio / imago / Jürgen Schwarz) (Deutschlandradio / imago / Jürgen Schwarz)

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Die wichtigsten Fragen:

Was passiert ab dem 31. Januar 2020?

Großbritannien verlässt formal am 31. Januar die Europäische Union - um Mitternacht mitteleuropäischer Zeit, also um 23 Uhr in London. Dennoch wird es eine elfmonatige Übergangs- und Verhandlungsphase bis Ende des Jahres geben. Für Unternehmen herrscht damit weiter Unsicherheit. In dieser Phase bleibt wirtschaftlich erst einmal alles beim Alten.

Mann am Fährhafen von Rotterdam mit einer Warnweste auf der steht "Get ready for Brexit" (imago/Hollandse Hoogte/Peter Hilz) (imago/Hollandse Hoogte/Peter Hilz)Ulrich Hoppe (Außenhandelskammer London) - "Die Unsicherheit kommt noch" 
Der Handel zwischen Insel und EU ist schon jetzt deutlich zurückgegangen. Der 31.12.2020 sei dann aber der "Cut-off-Punkt" für die bisherigen Beziehungen zwischen Großbritannien und der EU, sagte Ulrich Hoppe.

Die Verhandlungen über ein umfassendes Freihandels- und Partnerschaftsabkommen sollen schnellstmöglich nach dem 31. Januar beginnen. Michel Barnier, Chefunterhändler der Europäischen Kommission, arbeitet bereits an einem entsprechenden Mandatsentwurf. Allerdings ist das Zeitfenster sehr eng. In so kurzer Zeit hat noch nie ein Drittland eine derartige Vereinbarung mit der EU geschlossen. 

Nicht nur der BDI fordert deshalb, die Übergangszeit zu verlängern. "Die Verhandler brauchen mehr Zeit", sagte Geschäftsführer Joachim Lang im Deutschlandfunk. Eine Million Arbeitsplätze hingen mit Großbritannien direkt und indirekt zusammen. "Und wir gehen davon aus, dass bis zu 20 Prozent unmittelbar betroffen sein könnten - bei deutschen Unternehmen hier und dort."

Eine Verlängerung der Übergangsfrist lehnt Großbritanniens Premierminister Boris Johnson jedoch trotz aller Bedenken strikt ab. Einigen sich EU und Großbritannien nicht auf Grundlagen ihrer Beziehung, könnte es am 31.12.2020 zu einem "harten Brexit" kommen, also dem Austritt Großbritanniens aus der EU, dem EU-Binnenmarkt und aus der Zollunion.

Mit dem Austritt verlassen auch die britischen EU-Parlamentarier das Europaparlament. Dadurch verändert sich auch die Zusammensetzung der politischen Fraktionen im EU-Parlament. 

Größe der Fraktionen im EU-Parlament vor und nach dem Brexit (Deutschlandradio)Größe der Fraktionen im EU-Parlament vor und nach dem Brexit (Deutschlandradio)
Was ändert sich für Verbraucher?

Einreisen darf man nach Großbritannien ab spätestens 2021 nur noch mit gültigem Reisepass, der EU-Führerschein gilt weiterhin, eine Visumpflicht ist nicht geplant. Urlauber müssen auch keine Zusatzkosten beim Roaming befürchten, denn Großbritannien könnte von den Mobilfunkanbietern wie andere Nicht-EU-Mitgliedsstaaten behandelt werden - nämlich zur EU-Zone zugehörig. Großbritanniens Währung bleibt das britische Pfund, das hat allerdings an Wert verloren. Für den (Online-)Handel ändert sich bis Ende des Jahres nichts. Sollte es danach keine Einigung geben, könnten Zollgebühren erhoben werden. Produkte von der Insel würden damit teurer. 

Reise, Jobs, Versicherungen - Was Sie zum Brexit wissen sollten

Für EU-Bürger, die in Großbritannien leben, und Briten, die auf dem Festland leben, soll sich nichts ändern. Sie müssen allerdings eine Aufenthaltsgenehmigung beantragen. Dennoch kann der Brexit spürbare Folgen für Briten haben, die in der EU leben - zum Beispiel weil man für bestimmte Ämter den Pass eines EU-Mitgliedsstaats haben muss. 

Iain Macnab vor einer Wiese in Brunsmark (Deutschlandradio /Johannes Kulms) (Deutschlandradio /Johannes Kulms)Schottischer Bürgermeister in Schleswig-Holstein gibt Amt auf
Iain Macnab ist seit zwölf Jahren Bürgermeister des kleinen Dorfes Brunsmark in Schleswig-Holstein. Sein Problem: Er hat einen britischen Pass. Wenn Großbritannien am Freitag aus der EU austritt, muss der 70-Jährige seinen Posten aufgeben, denn dafür bräuchte er den Pass eines EU-Mitgliedsstaates.

Welche wirtschaftlichen Folgen gibt es?

Premierminister Johnson strebt ein Freihandelsabkommen ohne Bindung an EU-Regeln an. In der EU sorgt man sich, dass London die nächste große Steueroase werden könnte und sich auch dadurch Wettbewerbsvorteile verschafft. "Boris Johnson hat ja schon angekündigt, dass er aus seinem Land gerne ein Dumping-Paradies machen würde, dass er mit Blick auf Umweltstandards, Verbraucherschutzstandards gerne die EU auch in einen Wettbewerb nach unten treiben möchte, und das wird die Herausforderung sein, dem zu widerstehen", sagte Franziska Brantner, Sprecherin für Europapolitik Bündnis 90/Die Grünen, im Dlf. SPD-Europapolitikerin Katarina Barley warnte im Dlf vor einer möglichen Schwächung von Arbeitnehmerrechten.

Katarina Barley (SPD), Mitglied der sozialdemokratischen Fraktion des Europäischen Parlaments, spricht während eines Interviews im Gebäude des Europäischen Parlaments. (dpa) (dpa)Katarina Barley (SPD) zum Brexit - "Müssen alle Mitgliedsstaaten schultern"
Mit Großbritannien verliere die EU nicht nur einen ganz wichtigen Mitgliedsstaat, sagte die SPD-Europapolitikerin Katarina Barley im Dlf. Es werden auch zehn Milliarden Euro an Beiträgen fehlen.

Die wirtschaftlichen Konsequenzen für das Vereinigte Königreich wären bei einem ungeordneten Austritt allerdings schwerwiegender als für die EU. Das britische Pfund hat an Wert verloren. Viele Firmen verlassen die britische Insel seit dem Referendum 2016.

Alltag in Amsterdam: Die Stadt ist rund 800 Jahre alt, viele Gebäudefassaden stammen aus dem 17. Jahrhundert.  (picture alliance / ZB / Waltraud Grubitzsch) (picture alliance / ZB / Waltraud Grubitzsch)Britische Wirtschaft - Firmen ziehen in die Niederlande
Seit dem Referendum im Jahr 2016 ziehen britische und internationale Firmen in die Niederlande – und kehren der Insel den Rücken. Den Unternehmen geht es darum, Mitarbeiter, Kunden und Zulassungen zum Europäischen Markt zu behalten.

Was der EU-Austritt am 31. Januar 2020 für die Wissenschaftler und die Universitäten in Großbritannien bedeutet, ist schwer vorherzusagen. Fördermittel aus Brüssel beispielsweise dürften für britische Universitäten und Forschungsprojekte in Zukunft schwieriger zu bekommen sein. Der Verlust von EU-Fördermitteln könnte an britischen Hochschulen besonders kritische Auswirkungen haben.

Blick auf das historische Gebäude des New College der University of Edinburgh, dahinter ein grauer Wolkenhimmel. (imago / Renzo Frontoni) (imago / Renzo Frontoni)Britische Wissenschaft
Premierminister Boris Johnson hat versprochen, dass die britische Regierung mögliche Ausfälle bei Fördermitteln aus Brüssel ersetzt. Aber: Kann man dieser Zusage vertrauen? Wird der wissenschaftliche Standort England durch den EU-Austritt wirklich an Attraktivität verlieren?

Wie ist die Stimmung im Vereinigten Königreich?

Das Vereinigte Königreich, zu dem England, Wales und Schottland sowie Nordirland zählen, trat gemeinsam mit Dänemark und Irland 1973 der Europäischen Union bei. Es ist der erste Mitgliedsstaat, der wieder austritt. Die 73 britischen EU-Abgeordneten, die am 31. Januar ihren letzten Arbeitstag in Brüssel haben, begegnen dem Tag mit einer Mischung aus Trauer und Euphorie.

Der Labour-Fraktionschef im EU-Parlament Richard Corbett räumt sein Büro leer (Deutschlandfunk/ Carolin Born) (Deutschlandfunk/ Carolin Born)Brexit - Time to say goodbye
Wenn das Vereinigte Königreich die EU verlässt, endet die Amtszeit der 73 britischen Abgeordneten im EU-Parlament. Auch Labour-Fraktionschef Richard Corbett muss nun seinen Sitz und sein Büro räumen, nach fast 25 Jahren.

Die Abkehr von der Europäischen Union hänge stark mit der Frage der nationalen Identität zusammen, sagte der emeritierte Cambridge-Professor Nicholas Boyle im Dlf. Seit dem Verlust des Empire habe England immer an der eigenen Identität gezweifelt.

Protestierende gegen den Brexit nehmen an einer Kundgebung in der Innenstadt von London teil. (dpa / Sputnik / Justin Griffiths-Williams) (dpa / Sputnik / Justin Griffiths-Williams)Britische Bevölkerung: Zwischen Depression und Gleichgültigkeit
Kurz vor dem Brexit sei die Bevölkerung in Großbritannien gespalten: Die eine Hälfte sei deprimiert, die andere gleichgültig, sagte der emeritierte Cambridge-Professor Nicholas Boyle im Dlf. Was der Brexit wirklich bedeute, werde sich erst ab dem 1. Februar wirklich zeigen.

Der Sprachwissenschaftler sieht kein baldiges Ende der Spaltung der britischen Bevölkerung, vor allem dann, wenn den Menschen die Folgen des Brexit bewusst würden. Für die Schotten wird die Unabhängigkeit wieder attraktiver. 2014 hatten sich die meisten Schotten in einem ersten Referendum gegen eine Abspaltung ausgesprochen.

Nordirland kommt eine Sonderstellung zu, denn mit dem Brexit befindet sich Nordirland an einer EU-Außengrenze. So soll es verstärkt Kontrollen für Waren geben. In dem Abkommen ist aber auch eine offene Grenze auf der Insel zwischen EU-Mitglied Irland und dem zukünftigen Nicht-EU-Mitglied Nordirland juristisch abgesichert. Die Sorgen auf der Insel angesichts der politischen Vergangenheit sind groß.


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