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StartseiteKommentare und Themen der WocheMit der Pflegereform in Trippelschritten in die Zukunft09.11.2018

Große KoaltionMit der Pflegereform in Trippelschritten in die Zukunft

Mehr Stellen, attraktivere Arbeitsbedingungen, Hilfen bei der Betreuung zu Hause: Mit einem Milliardenpaket will die Große Koalition die Personalnot in der Pflege lindern. Nach der Reform ist vor der Reform, kommentiert Volker Finthammer, weitere Verbesserungen in der Altenpflege müssen folgen.

Von Volker Finthammer

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ARCHIV - Eine Pflegekraft (l) begleitet am 22.02.2013 die Bewohnerin eines Altenheims mit Rollator beim Gang über den Flur. Seit Jahren bauen Krankenhäuser Pflegestellen ab, trotz steigender Patientenzahlen. Nun zeigt ein Bericht des Statistischen Bundesamtes, wie dramatisch die Situation des Pfleger in Thüringen ist. (zu dpa «Arbeitsbelastung für Pflegekräfte in Thüringen gestiegen» vom 05.10.2017) Foto: Oliver Berg/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++ | Verwendung weltweit (dpa)
Immer mehr Pflegekräfte fehlen in Deutschland (dpa)
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Die eigentliche Pflegereform steht noch bevor. Wenn ab dem Jahr 2025 die Babyboomer in Ruhestand gehen, dann steigt in den Jahren danach auch die Zahl der Pflegefälle unweigerlich erheblich an dann wird dem System der Kollaps drohen, wenn es bis dahin nicht gelingt, die Pflege zu einen wirklich attraktiven Beruf zu machen, der mit flexiblen Beschäftigungsmodellen und einer attraktiven Bezahlung wieder deutlich mehr Menschen in den Beruf lockt. Ohne eine gezielte Zuwanderung in die Pflegeberufe wird das übrigens kaum zu gewährleisten sein.

Pflegekräfte verzweifelt gesucht

Das zeigt allein schon die heutige Situation auf dem Arbeitsmarkt. Der ist nämlich praktisch leergefegt und vielerorts gelingt es so gut wie gar nicht überhaupt jemanden zu finden. Auch deshalb bleibt derzeit so viel an den Familien und Angehörigen hängen, auf deren Schultern immer noch das Gros der Pflege in Deutschland lastet und die darunter oftmals immer stärker leiden und mit erheblichen Einschränkungen der eigenen Lebensqualität konfrontiert sind.

Deshalb ist die heute verabschiedete Reform tatsächlich nicht mehr als der erste Schritt auf einer Baustelle, die größer kaum sein könnte. Und die Reform zeigt sogleich wie sehr die Kostenoptimierungsstrategien der Vergangenheit sich rächen, weil Pfleger und Patienten nun mal das schwächste Glied in der Kette waren und in den vergangenen Jahren am meisten unter den Budgetoptimierungen zu leiden hatten.

Insofern ist es gut, wenn die Kosten für die Pflege aus der Budgetierung rausgenommen werden und auch zusätzliche Pfleger extra bezahlt werden sollen, um an dieser Stelle die Qualität in den Krankenhäusern zu verbessern. All das geht so schnell und geht so leicht und scheinbar ohne Kosten für die Allgemeinheit weil die Krankenkassen derzeit Überschüsse erzielen und Reserven aufgebaut haben die sich gut und gerne anzapfen lassen.

Nächste Erhöhung des Pflegbeitrags steht schon vor der Tür

Dagegen sind die 13.000 zusätzlichen Altenpfleger nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein. Den die faktische Besserstellung der Krankenpflege dürfte alsbald zu einer Abwanderung in diese Richtung führen. Dem wird die Politik nicht lange zuschauen können.

Nach der Reform ist also vor der Reform und weitere Verbesserungen in der Altenpflege stehen in den kommenden Jahren unweigerlich an, bis hin zu der Frage wie das in Zukunft finanziert werden soll. Denn die Überschüsse bei den Krankenkassen werden nicht dauerhaft sein.

Die nächste Erhöhung des Pflegbeitrags steht schon vor der Tür und es wird ganz gewiss nicht die letzte sein. Darauf sollten sich alle einstellen.

Volker Finthammer (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré)Volker Finthammer (Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré)Volker Finthammer, Jahrgang 1963, studierte Politik in Marburg und in Berlin. Nach der Wende erste Radioerfahrungen beim Deutschlandsender Kultur in Ostberlin. Seit 1994 beim Deutschlandradio. Redakteur im Ressort Politik und Hintergrund. Korrespondent im Hauptstadtstudio in Berlin und in Brüssel. CvD in der Chefredaktion von Deutschlandradio Kultur. Seit September 2016 wieder im Hauptstadtstudio in Berlin mit dem Schwerpunkt Wirtschafts- und Sozialpolitik.

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