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StartseiteCampus & KarriereGründungsidee, Finanzierung und Umsetzung22.07.2008

Gründungsidee, Finanzierung und Umsetzung

Themenschwerpunkt bei Campus & Karriere

Oft haben Forscher eine gute Idee, aber ihnen fehlt das betriebs- und marktwirtschaftliche Know-how. Studierende der Universität Göttingen haben jetzt für Wissenschaftler mit guten Ideen Geschäftspläne entwickelt. Die besten Konzepte wurden in einem Gründerwettbewerb prämiert und sollen in die Praxis umgesetzt werden.

Von Elke Drewes

Auch die Finanzierung spielt eine wichtige Rolle.  (Stock.XCHNG / Aleksandar Milosevic)
Auch die Finanzierung spielt eine wichtige Rolle. (Stock.XCHNG / Aleksandar Milosevic)
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Gründersommer

Das Siegerteam im Gründerwettbewerb der Universität Göttingen hat ein Geschäftskonzept für eine 360 Grad Digital-Kamera entwickelt. Die Idee hatte ein Berliner Designer auf einer Japanreise, als er die engen Tempelräume filmen wollte und mit seiner herkömmlichen Kamera scheiterte.

Lukas Lampe, Student der Wirtschaftswissenschaften, hat mit seinem Team nach der Idee des Berliner Designers ein Geschäftskonzept aufgestellt.

"Die kann man in vielen Bereichen anwenden: Für Geschäftskunden in der Werbung, des weiteren um es an Flugzeuge oder Helikopter anzubauen, um Erdölpipelines zu überwachen, um Naturschutzkatastrophen zu inspizieren, für Sicherheitskameras, aber auch für den Endkonsumenten, der seine Hobbys und sportlichen Aktivitäten präsentieren möchte."

Ausgezeichnet wurden außerdem: ein Satelliten gesteuerter Feldroboter und ein Konzept zur Holzveredelung.

Sowohl die Ideen, als auch die Marketing-Konzepte und die Präsentationen haben die 5 köpfige Jury überzeugt. Alle drei Gründerkonzepte sollen in den nächsten Jahren umgesetzt werden.

Wesentlich sind dafür 3 Säulen: das Gründerteam, die Idee und die Finanzierung, sagt Jurymitglied Bernd Schieche. Er leitet ein regionales Netzwerk von Privatkapitalgebern. Sie springen ein, wenn Banken keine Kredite geben. Aber auch die Privatkapitalgeber müssen überzeugt werden. Bernd Schieche:

"Da muss ein Businessplan da sein, der wirklich Biss hat, das Gründerteam sollte komplett sein oder man müsste ehrlicherweise sagen: das fehlt uns noch jemand, könnt ihr uns helfen. Und die Leute werden von uns auch überprüft und müssen gut präsentieren können."

All das haben die Studierenden der Wirtschaftswissenschaften in dem Gründerseminar gelernt. Dabei gab es einige Hindernisse zu überwinden:

"Für uns als Wirtschaftswissenschaftler war natürlich die Technik ein bisschen schwer zu verstehen, wir haben gebraucht, um uns mit dem Produktionsverfahren auseinander zu setzen. Dass man alles bis ins Detail durchplanen muss: Bürostuhl, Licht, es darf kein Euro fehlen. Es geht um große Unternehmensgründungen, die nach 5 Jahren Umsätze im Bereich von 50, 100 Millionen oder mehr erwirtschaften können. Dabei ist es sehr wichtig, dass man ein Team bildet mit ausgewogener Tendenz aus Forschern und Betriebswirten."

Das Team ist wichtiger als die Idee. Der Leiter des Gründerseminars an der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Göttingen Prof. Klaus Nathusius erklärt warum:

"Die Menschen sind entscheidend und nicht so sehr die Technologie. Eine gute Technologie gemanagt von einem schlechten Team wird nicht erfolgreich sein. Aber eine nicht ganz so gute Technologie gemanagt von einem guten Team wird es eher schaffen. Das Team ist Nummer 1."

Zwei bis vier Personen reichen aus für ein Gründerteam. Wichtig ist v.a., dass jemand mit Branchen-Kenntnissen dabei ist.

"Das kann auch ein Ingenieur sein, der schon in der Industrie tätig war und sagt: ich hab die Schnauze voll, in so einem großen Unternehmen tätig zu sein, ich baue jetzt was eigenes auf: Ich bin in der Branche gut und kenne das da. Ich bin auch ein guter Ingenieur, aber ich habe keine Ahnung von kaufmännischen Dingen, Vertrieb, Finanzen. Der muss sich dann ergänzen und dafür braucht man dann ein Team."

Aber wie findet sich ein Gründer-Team? Wirtschaftswissenschaftler Klaus Nathusius hatte die zündende Idee: Mit Studierenden der Wirtschaftswissenschaften will er die Internetplattform JU - wie Junge Unternehmer - Team Scout gründen. Sie soll so ähnlich funktionieren wie eine Partnerbörse im Internet.

"Wir laden ein: Personen, die gründen wollen und eine Idee haben oder auch die, die gründen wollen, aber keine Idee haben. Dann lassen wir die von Psychologen testen auf wesentliche Merkmale und dann kann man sagen: die passen zusammen und die passen nicht zusammen. Wenn Männlein und Weiblein sich finden, dann müssen auch Gründer sich finden."

Noch dieses Jahr soll die Internet-Plattform "JU Team Scout" starten.

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