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StartseiteUmwelt und VerbraucherKlimaschutz mit Oregano und Rosmarin 10.04.2019

Grüne DächerKlimaschutz mit Oregano und Rosmarin

Gärten auf dem Dach sind nicht nur hübsch anzusehen, sie können auch einen Beitrag zum Klimaschutz leisten: Kohlendioxid oder sogar Feinstaub binden und Hitze mildern. Doch die Pflanzenauswahl ist entscheidend: Pizza-Kräuter können das besser, Sukkulenten schlechter, haben Forscher herausgefunden.

Von Anke Petermann

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Luftaufnahme der Bundeskunsthalle und des Hauses der Geschichte in Bonn (picture alliance / dpa / Thomas Muncke)
Dachgärten können wertvolle CO2-Speicher sein, wenn die Pflanzenauswahl stimmt. (picture alliance / dpa / Thomas Muncke)
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Ein erster Blick auf die brusthohe Dachgrün-Versuchsfläche auf einem Parkplatz der Hochschule: Was da zu Semesterbeginn wächst, ist von ganz allein gekommen, staunen die Landschaftspflege-Professorin Elke Hietel und der Klimaschutz-Professor Oleg Panferov. Und zwar noch bevor die zweigeteilte Fläche bewässert wurde: Der hintere Teil mit unterirdischer Bewässerung etwas kahler, der vordere schon mit grünen Einsprengseln – wohl durchs Kondenswasser an den dünnen oberirdischen Schläuchen: "Feldsalat steht hier, dann haben wir so Habichtskräuter, vielleicht mal einen Löwenzahn dazwischen, hier so Gundermann. Also, wenn jetzt  wieder im Sommer so eine Trockenphase kommt, ist das wahrscheinlich alles weg, wenn wir nicht bewässern."

Doch genau das haben die Wissenschaftler vor, denn Klimaschutz-Professor Panferov will Gründächer "mit transpirierenden Pflanzen, die mit Regenwasser bewässert werden." Nur mit Hilfe von Wasser kann die übliche extensive Bepflanzung mit dickblättrigen Sukkulenten zu einer semi-intensiven werden, die Kohlendioxid bindet. "Da kommen Gräser dazu wie zum Beispiel Melica und auch die typischen Pizza-Kräuter Thymian, Oregano oder Rosmarin."

Kräuter sorgen für Temperaturausgleich

Die essbaren Kräuter transpirieren, anders als die pflegeleichten, Dürre-resistenten Sukkulenten auf dem Dach: Die schließen bei Trockenheit einfach ihre Poren, weiß Elke Hietel. "Die können dann interne Fotosynthese machen, das ist ein spezieller Anpassungsprozess, aber sie verdunsten nichts mehr. Deshalb trägt es nicht zur lokalen Temperatur-Abkühlung bei."

Manche der dickblättrigen Sedum-Arten stoßen sogar das Treibhausgas Methan aus, haben Studierende an der TH Bingen mit mobilen Gas-Analysatoren ermittelt. "Methan ist ein viel potenteres Treibhausgas als CO2, und wir müssen dann eine passende Bilanz finden, dass die Pflanzen und das Substrat Treibhausgase eher absorbieren als emittieren, das ist ja auch sehr wichtig", findet Oleg Panferov.

Sukkulenten schneiden beim Klimaschutz schlechter ab

Welche Pflanze was ausstößt, wird noch erforscht, ebenso wie man Gräser- und Kräuter-Dächer in Schuss hält. Denn anders als in den pflegeleichten Sukkulenten-Gärten, die beim Klimaschutz schlechter abschneiden, muss man in den sogenannten semi-intensiven Dachgärten Biomasse abtragen. "Da würde ich natürlich nicht mit dem Rasenmäher arbeiten auf so geneigten Flächen, sondern mit einem Freischneider. In steilen Hanglagen würde man es ja genauso machen. Das werden wir uns genauer angucken. Das wird ein großes Thema sein."

Klimaschutz-Professor Oleg Panferov bei Dachgrün-Experimenten (TH Bingen )Klimaschutz-Professor Oleg Panferov bei Dachgrün-Experimenten (TH Bingen )

Denn ein Ziel der beiden Binger Professoren ist: Hobby-Dachgärtner sollen Klimaschützer werden können, ohne sich finanziell zu verausgaben. "Was man braucht, ist ein großer Wasserspeicher-Tank, eine Pumpe. Da reichen so einfache Garten-Pumpen aus dem Baumarkt für zehn Euro. Dann braucht man so einen kleinen Computer-Chip, um zu sagen, wann bewässert werden soll und wann nicht. Da kann man die Uhrzeit einstellen. Und die Schläuche müssen verlegt werden. Aber das ist alles relativ kostengünstig. Es gibt Hoffnung, dass man durch Initialpflanzung gar nichts neu pflanzen muss, sondern nur initial Pflanzen dazu gibt und durch diese Bewässerung im Laufe der Zeit diese semi-intensiven Gründächer entwickelt, die dann immer wirksamer werden für die Umwelt."

Gräser und Kräuter sollen auch den Feinstaub kämmen

Am Ende, so wünscht sich Klimaschutz-Professor Panferov, sollten die bewässerten Gräser und Kräuter mit ihrer rauen Blatt-Oberfläche den Feinstaub aus der Luft kämmen. "Die Pflanzenblätter haben kleine Haare, und da bleibt der Staub hängen." Aber, so ergänzt Panferovs Landschaftspflege-Kollegin Hietel: "Wenn da sehr viel Feinstaub drauf liegt, verstopfen diese Blatt-Öffnungen, diese Spalt-Öffnungen. Die Fotosynthese-Leistung geht dann einfach zurück. Und dann stellt sich die Frage: Wird der Feinstaub durch den Regen abgewaschen? Und wenn ja, belastet er das Substrat, kommen da irgendwelche toxischen Stoffe, Schadstoffe rein? Also, da ist noch ganz viel, was man jetzt einfach untersuchen muss."

Grüne Fassaden und Dächer in der Stadt - das ist auch Thema der Sendung "Marktplatz" am Donnerstag, 11. 4. 2019, um 10.10 Uhr

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