Die Nachrichten
Die Nachrichten

"Grünes Zertifikat"So soll das Reisen für Geimpfte in der EU künftig ablaufen

Eine mögliche Visualisierung des geplanten digitalen Impfpass liegt neben einem analogen Impfpass. (imago / Future Image / C. Hardt)
Eine mögliche Visualisierung eines digitalen Impfpasses. (imago / Future Image / C. Hardt)

Die Botschafter der EU-Staaten haben sich auf eine gemeinsame Linie für das sogenannte "Grüne Zertifikat" geeinigt. Mit diesem Nachweis unter anderem für Corona-Impfungen soll das Reisen in der Europäischen Union leichter werden. Was genau geplant ist und wann es so weit ist - ein Überblick.

Was ist das "Grüne Zertifikat"?

Das "Grüne Zertifikat" ist ein von den Mitgliedsstaaten geplantes digitales Dokument, das künftig EU-weit gelten soll. In diesem soll unter anderem angezeigt werden, ob jemand vollständig gegen das Coronavirus geimpft ist sowie wann und mit welchem Wirkstoff das passiert ist. Es soll aber auch Aufschluss darüber geben können, ob jemand negativ getestet wurde oder bereits eine Covid-19-Erkrankung überstanden hat. Über einen Barcode sollen diese Informationen fälschungssicher abgerufen werden können. Das Dokument soll in der jeweiligen Landessprache und auf Englisch ausgestellt werden.

Welche Befugnisse haben Geimpfte mit dem EU-Zertifikat?

Welche Vorteile das Zertifikat den Geimpften verschafft, ist noch nicht ganz klar. Da dies jedes Land selbst festlegen soll, können die Regeln ganz unterschiedlich aussehen. Die Staaten sollen zudem selbst entscheiden, ob sie auch Impfungen mit Präparaten anerkennen, die nur in bestimmten Ländern, aber nicht in der gesamten EU zugelassen sind - wie etwa die Impfstoffe aus Russland oder China. Wahrscheinlich ist, dass viele Länder bei der Einreise von nachweislich Geimpften auf Test- oder Quarantänepflichten verzichten. Denkbar wäre auch, dass die Menschen ohne oder mit nur leichten Einschränkungen Orte wie Restaurants, Kinos oder Museen besuchen können. So kündigte Dänemark an, dass mit der Einführung des "Grünen Zertifikats" Sommerurlaub im Land für Geimpfte, negativ Getestete und Menschen mit überstandener Corona-Infektion möglich werden soll.

Wie weit ist das EU-Projekt?

Die EU-Staaten haben sich auf eine gemeinsame Linie für das Zertifikat verständigt. Justizkommissar Reynders begrüßte auf Twitter eine entsprechende Einigung der Botschafter der 27 Mitgliedsländer. Demnach soll das Zertifikat kostenfrei sein und auf Papier oder digital ausgestellt werden können. Details sollen in der Woche ab dem 26. April vom Europäischen Parlament abgestimmt werden. Anschließend dürften die Verhandlungen mit den EU-Staaten beginnen. Die Einführung des "Grünen Zertifikats" ist für Ende Juni geplant. Die Regeln sollen zunächst für zwölf Monate gelten.

Auch die technischen Rahmenbedingungen stehen inzwischen fest. Für das Abrufen des Zertifikats sollen einheitlich QR-Codes verwendt werden, um sicherzustellen, dass alle Zertifikate auch gelesen werden können. Zudem wurden in den Richtlinien Sicherheitsmechanismen festgelegt, um Fälschungen vorzubeugen.

Wie steht es um die Pläne für einen digitalen Impfpass in Deutschland?

In Deutschland ist ein digitaler Impfpass in Planung, der letztendlich ein "Grünes Zertifikat" nach EU-Regeln darstellen soll. Eine entsprechende App soll zwischen Mitte Mai und Ende Juni zur Verfügung stehen, hieß es aus dem Bundesgesundheitsministerium. Allerdings wird ein Impfeintrag dann wohl auch in der bereits bestehenden Corona-Warn-App möglich sein. Im Impfzentrum oder in der Arztpraxis sollen Geimpfte ein Zertifikat erhalten - digital oder als Ausdruck. Dieses könnte dann in eine der Apps eingespeist werden. Mit einer weiteren App soll dann die Echtheit des Zertifikats überprüft werden können. Das System wird von einem Konsortium aus den Firmen IBM, Ubirch, Govdigital und Bechtle als Open-Source-Projekt entwickelt.

Welche Rechte mit dem digitalen Impfpass verbunden sein werden, steht noch nicht fest. Gesundheitsminister Spahn hatte angekündigt, in absehbarer Zeit Geimpften die gleichen Rechte wie negativ Getesteten zu geben, etwa beim Einkaufen oder beim Besuch von Museen. Derzeit sucht die Bundesregierung noch nach einem Verfahren, wie bereits vollständig Geimpfte ihre Bescheinigung nachträglich erhalten können. Als vollständig geimpft gilt man in Deutschland zwei Wochen nach dem Erhalt der zweiten Impfdosis.

Wohin dürften Geimpfte jetzt schon reisen?

Einige Urlaubsländer wie Griechenland oder Zypern dringen seit Monaten auf das Zertifikat. Sie sind wirtschaftlich stark vom Tourismus abhängig. Deshalb haben die beiden Länder bereits vor Wochen in bilateralen Abkommen die quarantänefreie Einreise von geimpften Israelis vereinbart. Das ist ab dem 14. Mai auch für vollständig geimpfte EU-Bürger 14 Tage nach der zweiten Impfdosis möglich - zumindest bei der Einreise nach Griechenland und Kroatien, heißt es beim Auswärtigen Amt.

Israel selbst will Gruppen von geimpften Touristen ab dem 23. Mai wieder empfangen. Individualreisen nach Israel könnten dann ab Juli möglich sein. Nach Dänemark dürfen vollständig Geimpfte aus EU- und Schengen-Ländern seit dem 1. Mai wieder einreisen. Sie müssen sich weder testen lassen noch in Quarantäne. Nach und nach wollen auch Kreuzfahrtunternehmen in den USA sowie Touristenhotspots in Thailand Modellprojekte für Geimpfte anbieten.

Wie steht es um die Einreise in die Europäische Union?

Angesichts weltweit zunehmender Impfungen und einer vielfach weniger angespannten Lage in der Corona-Pandemie will die Europäische Kommission die Einreise in die EU erleichtern. Künftig sollen auch wieder touristische Aufenthalte von Personen aus Drittstaaten möglich sein, heißt es in einem Vorschlag an die Mitgliedsländer. Voraussetzung für die Einreise solle sein, dass eine Person aus einem Land komme, in dem eine gute epidemiologische Situation herrsche. Zudem müsse ein vollständiger Impfschutz mit einem Vakzin vorgewiesen werden, das in der Europäischen Union zugelassen sei. Für den Fall, dass die Coronazahlen in einem Drittstaat vor allem wegen neuer Virusvarianten rasch zunehmen, schlägt die EU-Kommission eine Notbremse vor. Die Entscheidung über den Vorschlag der Kommission liegt bei den EU-Staaten.

(Stand: 03.05.2021)

Weiterführende Artikel zum Coronavirus

Wir haben ein Nachrichtenblog angelegt. Das bietet angesichts der zahlreichen Informationen einen Überblick über die wichtigsten aktuellen Entwicklungen.

+ Covid-19: Aktuelle Zahlen zum Coronavirus in Deutschland (Stand 05.05.)
+ "Grünes Zertifikat": So soll das Reisen für Geimpfte in der EU künftig ablaufen (Stand 03.05.)

Test und Schutz

+ Impfungen: Was ist bei den Impfungen durch Hausärzte zu beachten? (Stand: 16.04.)
+ Impfstoffe: Wann auch Kinder geimpft werden könnten (Stand 03.05.)
+ Impfungen: Was über die Nebenwirkungen der Impfstoffe bekannt ist (Stand 20.04.)
+ Impfstoff: Höheres Thromboserisiko bei Vektorimpfstoffen? (Stand: 14.04.)
+ Impfungen: Sollten Schwangere gegen das Coronavirus geimpft werden? (Stand 03.05.)

Ansteckung und Übertragung

+ Übertragung: Welche Rolle Aerosole spielen (Stand: 12.04.)
+ Übersterblichkeit: Wie tödlich ist das Coronavirus wirklich? (Stand: 02.04.)
+ Virusvariante: Wie gefährlich ist die indische Mutation (Stand: 30.04.)
+ Reisewarnung: Die aktuelle Liste der Risikogebiete (Stand 30.04.)

Die Dlf-Nachrichten finden Sie auch bei Twitter unter: @DLFNachrichten.