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StartseiteKalenderblattSchloss Sanssouci: Rückzugsort und Juwel des Rokoko14.04.2020

Grundsteinlegung vor 275 Jahren Schloss Sanssouci: Rückzugsort und Juwel des Rokoko

Ohne Sorgen wollte Friedrich der Große in seinem Potsdamer Sommerschloss „Sanssouci“ komponieren, musizieren und philosophieren. Der Aufklärer und Kriegsherr Friedrich II. von Preußen legte am 14. April 1745 den Grundstein für den Bau des Schlosses, das als architektonisches Juwel des Rokoko gilt.

Von Regina Kusch

Blick auf einen Teil der Außenfassade von Schloss Sanssouci in Potsdam (imago images / Camera4)
Das Schloß Sanssouci: Nach eigenen Skizzen ließ der preußische König Friedrich II. in den Jahren 1745 bis 1747 ein kleines Sommerschloss im Stil des Rokoko errichten. (imago images / Camera4)
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Friedrich II. und seine Zeit

"In der Bücherei am Fenster stand der Armsessel des Königs an einem Lesepult mit der aufgeschlagenen ‚Kriegskunst‘ von Marschall von Puységur. Unser Führer sagte uns, daß seine Majestät vorhin darin gelesen hätten. Bücherei und Wohnräume überaus künstlerisch und kostbar ausgestattet, prächtigstes Mobiliar. (…) Das Bett in einer durch einen Wandschirm abgetrennten Ecke, ein ganz gewöhnliches Holzgestell, wäre zu dürftig für einen Mönch."

So beschrieb der spanische Marschall Francisco de Miranda, wie Friedrich II., Schöngeist und strenger Feldherr zugleich, sich in Schloss Sanssouci eingerichtet hatte. Die Potsdamer Sommerresidenz war sein Rückzugsort, hier verfasste der Preußenkönig Gedichte und philosophische Texte oder veranstaltete Konzerte, auf denen er selbstkomponierte Flötenwerke vortrug. Wenn er zu Regierungsgeschäften in Berlin oder auf dem Schlachtfeld unterwegs war, konnten Besucher das Anwesen besichtigen, das als architektonisches Juwel des Rokoko gilt. Nach der Grundsteinlegung am 14. April 1745 war es in nur zwei Jahren erbaut worden. 1744 hatte der Preußenmonarch beschlossen, den südlichen Rand des Bornstedter Höhenzuges, den "Wüsten Berg", zu kultivieren:

"Sanssouci ist eigentlich das Gartenhaus"

"Es ist einfach nur Sand und dort wollte er einen Weinberg anlegen. Der König, der sagt: Ich kann alles zum Blühen bringen. Ich bin wirklich der, der begnadet mit Geist und mit Raffinesse ausgerechnet aus diesem wüsten Berg eine prächtige Gartenanlage macht. Und wenn man es ein bisschen salopp sagen möchte, ist Sanssouci eigentlich das Gartenhaus", erzählt Samuel Wittwer, Direktor der Schlösser und Sammlungen bei der "Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin Brandenburgs".

Sechs Terrassen ließ Friedrich II. in dem Weinberg anlegen, gekrönt von einem einstöckigen Schloss mit einer Kuppel und hohen Flügeltüren, aus denen man direkt auf die Terrasse treten konnte. Im Park gediehen neben den Weinstöcken auch Spalierobst und sogar Orangenbäume. Der Landschaftsgestalter Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff entwarf den kleinen Rokokobau, an dessen Planung sich Friedrich der Große maßgeblich beteiligte und den er selbst künstlerisch gestaltete: Vor allem sein Konzertzimmer, das üppig verziert ist mit Stuck und vergoldeten Blütengirlanden, die an Spalieren entlangranken. In der Mitte der Decke befindet sich das vermutlich berühmteste Spinnennetz der Kunstgeschichte.

"Es ist ein richtiges Spinnennetz, die Spinne ist auch drin, mit einzelnen Fäden so dran, als hätte da eine Spinne ihr Netz gemacht. Und das ist die Stelle, wo normalerweise in der Zeit eine Rosette ist. Der ganze Raum ist eine Aussage über das Verhältnis von Kunst und Natur. Und das Spinnennetz, das eben naturgegeben ist, das hängt dort an der Decke, so an Spalierwerk, vom Menschen gebaut. Wenn man das alles zusammenfasst, kommt man zur Aussage, der Mensch schöpft eine eigene Natur, und das ist die Kunst, und das ist die Kultur."

Voltaire und Bach zu Besuch

Während die Ehefrau des streitbaren wie zynischen Staatsoberhauptes, Elisabeth Christine, ihr eigenes Schloss in Berlin bewohnte, pflegte der König intellektuelle Männerfreundschaften, wie zum Beispiel zu Voltaire, Frankreichs prominentestem Aufklärer. Er lud Mitglieder der "Preußischen Akademie der Künste" nach Sanssouci ein, um bei Tabak und Bier zu debattieren, und sogar Johann Sebastian Bach, der als Kirchenmusiker kein Anhänger der Aufklärung war, nahm eine Einladung nach Potsdam an, wo sein Sohn Carl Philipp Emanuel Hofmusiker war. Dort schrieb er zu einem Thema, das der König verfasst hatte, eine Fuge, die er später "Das musikalische Opfer" nannte.

Elf Jahre verbrachte Friedrich II. in vier Angriffskriegen auf dem Schlachtfeld, stets an der Spitze seines Heeres. Für den Fall seines Todes hatte er verfügt, man solle ihn neben seinen Windhunden beisetzen.

"Ich habe als Philosoph gelebt, und will als solcher begraben werden, ohne Pomp, ohne Prunk und ohne die geringsten Ceremonien. … Man bringe mich beim Schein einer Laterne, und ohne dass mir jemand folgt, nach Sanssouci und bestatte mich dort ganz schlicht auf der Höhe der Terrasse, rechterhand, wenn man hinaufsteigt, in einer Gruft, die ich mir habe herrichten lassen."

Aus Gründen der höfischen Etikette wurde der "Alte Fritz", wie er im Volksmund hieß, nach seinem Tod 1786 allerdings in der Potsdamer Garnisonskirche beigesetzt, in der schon sein Vater, der "Soldatenkönig", lag. Erst 1991 wurde Friedrich der Große in sein "Philosophengrab" in Sanssouci umgebettet.

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