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StartseiteBücher für junge LeserGertrude wie Gertrude Stein14.12.2019

Gustav-Heinemann-Friedenspreis-Trägerin Gertrude wie Gertrude Stein

"Ich kann froh sein, dass ich mit 17 der Diktatur entronnen bin", sagt die Schriftstellerin Judith Burger, die den diesjährigen Gustav-Heinemann-Friedenspreis für ihr Kinderbuch "Gertrude grenzenlos" erhalten hat. Die Geschichte einer Mädchenfreundschaft in der DDR der 1970er Jahre.

Judith Burger im Gespräch mit Ute Wegmann

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Die beiden Buchcover "Gertrude grenzenlos" u. "Roberta verliebt" von Judith Burger (Buchcover Gerstenberg Verlag)
Die Buchcover "Gertrude grenzenlos" und "Roberta verliebt" von Judith Burger (Buchcover Gerstenberg Verlag)
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Ute Wegmann: Mit Ute Wegmann und einer frisch gekürten Preisträgerin, Judith Burger. Gewonnen hat sie den Gustav-Heinemann- Friedenspreis, mit dem literarische Werke ausgezeichnet werden, die sich für Menschenrechte und gegen Diskriminierung aussprechen. VorgängerInnen waren Gudrun Pausewang, Rafik Schami, Reinhard Kleist und Digne Marcovicz. Ein großer Preis für den Kinderroman "Gertrude grenzenlos", erschienen 2018, angesiedelt ist die Geschichte in der DDR der 1970er Jahre.

Wir werden heute darüber sprechen, und ebenso über den neuen Roman "Roberta verliebt". Aber zuerst sprechen wir über Judith Burger. Geboren in Halberstadt 1972, wohnhaft in Leipzig, Studium der Kultur- und Theaterwissenschaften. Sie arbeitete als Werbetexterin und ist seit 2012 freie Mitarbeiterin des Mitteldeutschen Rundfunk. Judith Burger, 30 Jahre ist es her, dass die Mauer fiel. Sie waren damals ein Teenager. Wie haben Sie die Ereignisse 1989 erlebt?

Judith Burger: Den Mauerfall direkt habe ich verschlafen. Es gab damals ja noch kein Internet und auch kein Fernsehen oder so und am nächsten Morgen hab ich das Radio angemacht und habe dieses Stimmengewirr und diese Glücksgefühle gehört und bin zu meiner Mutter gegangen und hab gesagt: ‚Du, Mami, ich glaub die Grenzen sind offen.’ Und sie: ‚Nein, erzähl doch nicht so was!’ Und wir haben Radio gehört und obwohl es klar war, konnte es keiner so richtig glauben. Bis zum letzten Moment konnte sich niemand vorstellen, dass das passiert. Sie sagte noch: ‚Erzähl mal lieber nicht so viel davon!’.

Und dann bin ich in die Schule und da war die Hälfte meiner Klasse schon im Westen. Ab da war klar, dass es echt ist. In den Westen gefahren sind wir erst am Wochenende danach. Und na ja, mit 17, ... man war irgendwie wie unter einer Glocke. Man hat es nicht begriffen und konnte sich auch nicht vorstellen: Wie wird das jetzt weitergehen? In der Schule änderte sich alles. Wir fingen in Geschichte wieder in der Steinzeit an, denn in der Abiturstufe, da war ja das ganze rote Zeug dran. Das fiel alles weg. Es war ja auch gar nicht klar, ob unser Abitur überhaupt anerkannt wird. Das war eine ganz spezielle Zeit.

Wegmann: Auch eine Zeit mit vielen Unsicherheiten.

Burger: Ja, genau!

Wegmann: Es geht ja in ihrem Kinderroman genau um Ost und West. Und da gibt es den Satz: "Dass die Soldaten die Mauer öffnen, weil alle zusammenhalten, so ein Quatsch. Das wird niemals passieren." (Seite 196) Es war absolut unwahrscheinlich, dass das wirklich passierte?

Burger: Das erzählen ja auch alle Bürgerrechtler. Der Protest hat ja nicht erst im November angefangen. Es ging ja schon eine ganze Weile, und die Ausreisewelle über Ungarn. Aber dass das passiert, hätte sich keiner vorstellen können.

Wegmann: Gab es denn für Sie oder Ihre Familie Überlegungen, in den Westen zu gehen?

Burger: Für unsere Familie nicht. Meine Großmutter ist zwei Jahre vor Maueröffnung in den Westen gegangen. Und es gab im Freundeskreise Leute, die Ausreiseanträge gestellt hatten. Aber für uns war das kein Thema.

"Leipzig ist ein bisschen wie eine Insel in Sachsen"

Wegmann: Sie sind im Osten geblieben, leben in Sachsen, arbeiten für den MDR, machen Radiofeatures. Wie sehr beschäftigt Sie der enorme Zugewinn der AfD und wie erleben Sie das rechtsgerichtete Gedankengut im alltäglichen Leben?

Burger: Man muss sagen, in Leipzig, da lebe ich ja, ... Leipzig ist ein bisschen wie eine Insel in Sachsen, ich wohne im Süden, der ist sehr sehr links, da merkt man das eigentlich gar nicht. Zum Glück. Aber wenn man sich rausbewegt, in das sächsische Umland, dann ist es ganz schön gruselig. Man sieht es sofort, man sieht es auch vielen Leuten an. Und das ist total bitter. Und bei jeder Wahl  - man hört die Ergebnisse, redet mit Freunden darüber, es ist eine Mischung aus Verzweiflung und der Frage, wie das in Zukunft werden soll. Da bin ich selber auch ratlos.

Ich kann die Wut vieler Leute verstehen, es ist sicherlich Einiges schief gelaufen. Auch gleich nach der Wende wurde Vieles nicht anerkannt, und es wurde nicht darüber gesprochen. Ist ja auch einer meiner Impulse, dieses Buch zu schreiben, da das Thema nirgendwo stattfindet. Aber das ist ja noch lange kein Grund, eine solche Partei zu wählen und sich diesem Gedankengut anzuhängen. Und Protestwählen, das wäre vor fünf Jahren für mich noch als Argument durchgegangen. Aber wer diese Partei jetzt wählt, wird einfach genauso denken: rassistisch und nationalistisch. Und das ist ein Viertel der Bevölkerung. Das wird sicherlich so bleiben, damit müssen wir uns auseinandersetzen. Ja ...

Wegmann: Umso wichtiger sicherlich, schon junge Menschen zu sensibilisieren und differenziert mit dieser Situation umzugehen. Ist Judith Burger mehr Journalistin oder mehr Schriftstellerin?

Burger: Ich würde mich niemals als Journalistin bezeichnen. Ich habe gar keine journalistische Ausbildung. Das, was ich mache, die Radiofeatures, da geht es mir darum, eine Geschichte zu erzählen. Also ich bin mehr Autorin.

1976 – Wolf Biermann und Pfarrer Brüsewitz

Wegmann: Wie kam es zu der ersten Kindergeschichte?

Burger: Ich hab schon eine Weile vorher geschrieben, mit weniger Erfolg. Ich musste erst mal meinen Ton finden, das hat eine ganze Weile gedauert. Ich habe schon mehrere kleine Sachen auch für Kinder vorher veröffentlicht. In der "Gecko" zum Beispiel. Mit Ina und Gertrude, das war was anderes. Da habe ich gemerkt, ich bin irgendwo angekommen. Und das hat ja dann auch geklappt. 

Wegmann: Ina und Gertrude sind die beiden Protagonistinnen des Romans "Gertrude grenzenlos" – der Titel. Eine Mädchenfreundschaft, die vor dem politischen Hintergrund der DDR nicht sein darf, die durch Sanktionsandrohungen von Seiten der Schule, der Lehrerinnen, der Nachbarn erschwert wird. Die aber bestehen bleibt, weil die Mädchen  ihrem Herzen folgen. Zwei Mädchen: Gertrude, die Neue in der Klasse. Der Vater ein Dichter, der – so sagen die anderen, mit seinen Gedichten die DDR schlecht gemacht habe. Er hat einen Ausreiseantrag gestellt und seitdem Arbeitsverbot. Das zweite Mädchen Ina, sie bewundert Gertrude, anfangs die Westkleidung, aber vor allem ihre Phantasie und alles, was anders ist an ihr. Warum haben Sie als Zeitpunkt der Geschichte 1977 gewählt, ein Jahr nach Wolf Biermanns Ausbürgerung?

Burger: Ja, genau, das hat damit reingespielt. 1976 ist ja ganz viel passiert. Und viele sagen, dass da das Ende der DDR besiegelt wurde. Wolf Biermann wurde ausgebürgert, dann haben sich ganz viele Intellektuelle und Künstler dagegen gewandt mit einem offenen Brief, die dann ihrerseits ausgebürgert wurden oder gegangen sind. Da war so viel im Umschwang. Ich habe mir das Jahr danach gewählt, und der Vater von Gertrude hätte sicherlich den Brief unterzeichnet.

Es gab noch etwas: Der Pfarrer Oskar Brüsewitz hatte sich öffentlich verbrannt, weil er protestieren wollte, dass christliche Kinder in den sozialistischen Schulen so ungerecht behandelt werden. Das waren für mich die fetten Momente der Geschichte, an denen man das alles gut begreiflich machen konnte, denn in der Zeit galt man als Staatsfeind, wenn man einen Ausreiseantrag gestellt hat. Das hat sich dann später geändert, weil so viele einen Ausreiseantrag gestellt haben, dass die DDR zurückrudern musste, um die Leute zu halten, sonst wäre die DDR bald leer gewesen. Aber in der Zeit war es noch das Stigma.

Gertrude Stein als Namensgeberin

Wegmann: Genau so scharf sind ja die Sanktionen, die die beiden Mädchen ertragen müssen. Ina bewundert, dass alle Kinder der Familie nach Dichterinnen benannt sind. Gertrude nach Gertrude Stein, entsprechend kennt sie ihr Werk und ihre Geschichte gut. Ina, die Erzählerin, hat von Gertrude Stein noch nie etwas gehört. Warum Gertrude Stein? Warum nicht Mascha Kaleko?

Burger: Dass hat einen einfachen Grund. Eigentlich hätten sie das Buch "Die Welt ist rund" von Gertrude Stein noch gar nicht lesen können, weil es noch nicht übersetzt war. Und ich bin auch keine Gertrude Stein-Kennerin. Aber ich bin irgendwann über dieses Buch gestolpert und hab mich gewundert, dass sie auch Kinderbücher geschrieben hat. Und dann hab ich mir das bestellt.

Wegmann: Ich hab es nicht gelesen ...

Burger: ... es ist eigentlich wie ein langes Gedicht.

Wegmann: Und aus dem Jahr 1939.

Burger: Es gibt auch ein schönes Hörbuch, wo Rufus Beck das liest. Ich denke, es gibt wenige Kinder, die mit dem Buch etwas anfangen können. Ich merke das auch bei meinen Lesungen, wenn ich daraus zitiere. Aber das lag auf meinem Schreibtisch. Ina war ja zuerst da. Und dann kam erst die Freundin. Da fiel mein Blick auf das Buch. Und ich dachte: Ja, die heißt Gertrude. Es war eigentlich ein Zufall.

Wegmann: Gertrude Stein, die sich in der Literatur und im Leben über Konventionen hinwegsetzte, für Freiheit und somit auch für Meinungsfreiheit kämpfte. Sie passt als Figur sehr gut. Die Mädchen sind aber in der 6. Klasse, also 11 Jahre alt. Gertrud zitiert an einer Stelle den Anfang der Schöpfungsgeschichte (S.42). Hatten Sie keine Bedenken, dass Gertrude etwas zu speziell wird?

Burger: Das hat sich für mich gut angefühlt, weil ich wollte, dass sie ganz anders ist. Und wenn man noch nie in der Kirche war, die Worte nicht kennt, da fand ich das ganz passend, den Kosmos der Religion. Und die Schöpfungsgeschichte musste sie in der Klasse vortragen, sie wird von der Lehrerin gedemütigt. Und so etwas hat ja stattgefunden, das kann man im Archiv, im Internet nachlesen. Leute aus dem Protest, die nach vorne kommen mussten und genau so gedemütigt wurden. Mit ihrem Glauben. Das hat natürlich nicht jeder gemacht, man hatte als Lehrer auch eine Wahl. Aber es gab welche, die das gnadenlos ausgenutzt haben.

"Ich brauche zuerst die Figuren"

Wegmann: Heute zu Gast im Studio in Köln ist die Schriftstellerin Judith Burger. Sie versetzen uns gleich durch Vokabular und das Verhältnis der Erwachsenen zu den Kindern zurück in diese 1970er Jahre. Wie haben Sie recherchiert? Oder mussten Sie überhaupt recherchieren? 

Burger: Also zunächst beim Schreiben erst mal nicht. Ich recherchiere auch nicht an, ich brauche zuerst die Figuren. Wenn ich die vor mir sehe, kann ich die losschicken. Ich hatte am Anfang überhaupt keinen Plan, wie sich die Freundschaft der beiden entwickeln würde, aber als ich Gertrude so angelegt hatte, musste ich gucken: Was geht da vor sich? Ich hab dann viel im Internet gelesen, Bücher bestellt, kleine komprimierte Hefte über politische Bildung, auch den ganzen Hintergrund zu Wolf Biermann habe ich mir noch mal angeguckt. Habe auch mit einem alten Pfarrer telefoniert. Und später im Verlag haben wir alles noch mal abgeklopft. 

Wegmann: Aber Sie haben ja auch eine Erinnerung, wenn auch vielleicht eine kindliche. 

Burger: Meine Kindheit war ja doch in 1980er Jahren, da war das so streng nicht mehr. Dass, was Gertrude erlebt hat, hab ich so nicht erlebt. Ich war aber natürlich als Kind im Kirchenchor. Meine Großmutter war sehr sehr religiös, meine Mutter hat am Theater gearbeitet. Es gab keinen Mann bei uns zuhause und das in einer kleinen Stadt. Da habe ich schon gemerkt, dass ich rausfiel aus dem Klassenverband, da war ich die einzige mit dem Hintergrund. Und das hab ich auch gespürt. Man musste schon überlegen, mittwochs hatte ich Chorprobe und da waren auch die Pioniernachmittage, wo geh ich hin. Und natürlich hat das meine Lehrerin auch nicht gern gesehen.

Eine ehrliche Abrechnung: "Was hätte ich getan?"

Wegmann: Wie konnte diese Unterordnung der Menschen passieren? Was hätte ich getan? Ihr Nachwort ist eine ehrliche Abrechnung mit sich selbst.

Burger: Ja, ich glaube, ich kann froh sein, dass ich mit 17 der Diktatur entronnen bin, denn da wäre ja eine ungeheure Maschinerie in Gang gekommen. Ich bin ja im September von der polytechnischen Hochschule in die erweiterte Hochschule gekommen, in die Abiturstufe. Und da geht es ja in Staatsbürgerkunde richtig zur Sache, und dann wurde in den ersten Monaten festgelegt, dass ich Französisch- und Deutschlehrerin werden sollte, weil es wohl wenige gab, und das wäre schrecklich gewesen, denn ich bin eine ganz schlechte Lehrerin. Ich hab mich gefragt: Wahrscheinlich hätte ich das so durchgezogen, weil ich keinen anderen Wunsch entwickelt hätte. Und dann beim Studium, dann geht das los mit Marxismus und Leninismus, dann kommen irgendwann die berühmten Leute auf einen zu und fragen, ob man sich nicht ein bisschen umhören kann – in der Kantine und so -, was die anderen so reden. So ging es ja Tausenden. Und dann den Mumm zu haben: Das mach ich nicht! Ihr könnt mich mal! Das weiß ich nicht, ob ich das geschafft hätte. Man kann es nicht sagen, wie man sich als Persönlichkeit weiterentwickelt. Aber da bin ich froh, dass ich das nicht durchmachen musste.

Mit elf Jahren zum ersten Mal verliebt

Wegmann: Weg von der Politik, hin zur Liebe: "Roberta verliebt", mit Bildern der Wuppertaler Künstlerin Ulrike Möltgen. Roberta ist zum ersten Mal verliebt und das ganze Leben fühlt sich anders an. Wir erleben alle Gefühle und Empfindungen: Wärme. Verwirrung. Verzweiflung. Wut. Alles steht Kopf (was man auf dem Cover sehen kann). Man wird sich selber fremd, findet keine Worte mehr für die Dinge, die geschehen. Es sei denn: man schreibt ein Gedicht. Sie sind hier sehr nah an der Gefühlswelt einer Erstverliebten und treffen einen guten Ton für ihre Erzählerin. Haben Sie sich erinnert an das eigene erste Mal? Oder wie nähern Sie sich der Gefühlswelt eines doch recht jungen Mädchens. Roberta ist ja erst elf.

Burger: Mit Elf, ich kann mich erinnern, dass ich mich für Jungs interessiert habe, aber daraus ist nichts geworden. Mein erstes Verliebtsein, daran kann ich mich erinnern, wie sich das angefühlt hat. Also mich interessiert ja sowieso jedes erste Gefühl, und erste Liebe, dass man das so körperlich spürt, man fällt gleich zusammen, weil die Knie so weich werden. Das weiß ich noch. Man ist ja mehrmals verliebt in seinem Leben – ich kann mir das ganz gut merken. Ich kann mich auch noch gut an meine Kindheit erinnern und wie ich Erwachsene ganz seltsam fand. Und heute bin ich auf Lesungen unterwegs und oft gucken mich Kinder an mit einem komischen Blick, wo man genau weiß, die machen sich jetzt ihre eigenen Gedanken, versuchen mich irgendwohin zu stecken. Und in diesem Blick sehe ich mich von früher.

Erwachsene müssen sich weiterentwickeln

Wegmann: Roberta muss ja auch sehr dafür kämpfen, ernst genommen zu werden mit ihrem Gefühl. Ich würde sagen, wir hören einmal hinein. Judith Burger liest den Anfang von "Roberta verliebt".

Das war Judith Burger. Auf der Handlungsebene ist ja nicht so viel los. Überwiegend ist es eine Auseinandersetzung zwischen Mutter-Tochter. Ist es ein Mütter-Töchter-Buch?

Burger: Oh, interessante Frage, hab ich mir selber nicht gestellt. Aber wenn das so ankommt, warum nicht. Eltern müssen sich ja zwangsläufig mit den ersten Gefühlen auseinandersetzen. Und in meinen beiden Büchern machen sowieso die Erwachsenen eine Entwicklung durch, weil ihre Kinder sie dazu veranlassen. Sie müssen reagieren. Und die Mutter ändert ja ihre Einstellung auch.

Melancholische Tuschebilder

Wegmann: Nun haben wir über die verschiedenen Gefühlsschwankungen und Ebenen kurz gesprochen. Wie hat Ulrike Möltgen die Stimmungen in ihren Schwarz-Weiß-Tuschebildern eingefangen?

Burger: Die Bilder von Ulrike sind extrem tief, fast ein bisschen dunkel. Natürlich ist es bei Roberta so, dass in diesem ganzen Liebeskampf, den sie da ausfechten muss, schon viel Kummer hat. Sie merkt, dass man tiefen Liebeskummer haben kann, der sich überall bemerkbar macht. Das hat Ulrike Möltgen zu den ganzen Bildern angeregt. Und dann gibt es eine schräge Wetterlage in dem Buch. Es regnet und hört nicht mehr auf und im Prinzip geht die Welt ein bisschen unter. Das passt und diese Stimmung ist so gut eingefangen. Es platzt so rein ins Leben und verändert alles. Und so sind auch diese Bilder. Von einer kleinen Melancholie durchzogen, ganz innig und tief.

Wegmann: Wen wünschen Sie sich als Leser?

Burger: Also ich würde mir natürlich wünschen, dass das Buch auch von Jungs gelesen wird. Sicherlich werden es mehr Mädchen sein, wenn Sie sagen Mutter-Tochter-Buch. Ich weiß nicht, wie das mit den Jungs so ist. In meinen Lesungen sind die Jungs immer sehr interessiert, obwohl ich noch nicht aus "Roberta verliebt" gelesen habe. Aber sonst sitzen die Jungs immer ganz vorne und stellen ganz viele Fragen. Und hier gibt es ja auch Felix, einen Jungen, der sich dieser Liebe stellen muss.

Wegmann: Ein Buch für Mütter, für Jungs, für Mädchen. Das war der Büchermarkt mit der Schriftstellerin und Journalistin Judith Burger. Wir sprachen über "Gertrude grenzenlos" und "Roberta verliebt". Erschienen im Gerstenberg Verlag ab 10 Jahre. Vielen Dank für das Gespräch. Die Liste der Buchtitel und alle Angaben entnehmen Sie wie immer unserer Webseite: Deutschlandfunk. de. Nachhören können Sie die Sendung auch über die Deutschlandfunk Audio APP. Hier folgt jetzt Forschung aktuell. Ein schönes Wochenende wünscht Ihnen Ute Wegmann.

Judith Burger: "Gertrude grenzenlos"
(Gerstenberg Verlag, Hildesheim)      ab 10 Jahre                                                         

Judith Burger und Ulrike Möltgen(Ill): "Roberta verliebt"
(Gerstenberg Verlag, Hildesheim)      ab 10 Jahre                                              

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