Dienstag, 16.10.2018
 
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"Gute-Kita-Gesetz"Nur ein Anfang

Das "Gute-Kita-Gesetz" sei auf den ersten Blick tatsächlich gut – denn es helfe jenen Familien, die es nötig haben, kommentiert Armin Himmelrath. Doch der Plan der Bundesregierung gehe nicht weit genug. Weder sorge er für mehr noch für besser bezahltes Personal.

Von Armin Himmelrath

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Das Wort "Kita" in bunten Magnetbuchstaben. (Deutschlandradio / Ellen Wilke)
5,5 Milliarden seien eine ordentliche Summe, können aber auch nur ein Anfang sein, kommentiert Armin Himmelrath (Deutschlandradio / Ellen Wilke)
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5,5 Milliarden Euro, das ist ganz schön viel Geld. Geld, das die Bundesregierung bis zum Jahr 2022 ausgeben will, um die Qualität der Kitabetreuung in Deutschland zu verbessern und dabei gleichzeitig Familien mit geringem Einkommen zu entlasten. Das ist auf den ersten Blick ein richtig guter Plan, denn er hilft – anders als das von der Wohnungsbaulobby vorangetriebene Baukindergeld – wirklich den Familien, die es nötig haben. Und er zeigt, auch das ist wichtig: Die Kitas sind ein Bestandteil des Bildungssystems, dort muss viel mehr passieren als nur eine anspruchslose Verwahrung von Vorschulkindern. So weit, so gut.

Nicht mehr Personal

Doch wenn man sich die vorschulische Bildung in Deutschland etwas genauer anschaut, dann wird schnell klar: Von den 5,5 Milliarden sollten wir uns nicht blenden lassen. Denn die Kitas sind von einheitlichen Standards bei Betreuung und pädagogischer Qualität weit entfernt. Je nach Bundesland kümmert sich eine Erzieherin mal um gut sieben Kindergartenkinder wie in Baden-Württemberg oder auch um mehr als 14 Kinder wie in Mecklenburg-Vorpommern. Vor allem in Ostdeutschland sind die Personalschlüssel schlecht, und schnelle Besserung ist nicht in Sicht.

Wollte man bundesweit einheitliche Standards erreichen, dann fehlen mehr als 100.000 Fachkräfte in den Kitas. Das entspräche Personalkosten von 4,8 Milliarden Euro pro Jahr. Die fünfeinhalb Milliarden, die das Kabinett heute beschlossen hat, klingen dann schon nicht mehr ganz so spektakulär. Für Eltern bleibt es erst einmal ein Glücksspiel, wie gut die Kita ist, die sie an ihrem Wohnort für ihre Kinder vorfinden. Und reiner Zufall ist es auch, wie hoch die Gebühren für einen Platz sind: Das reicht, je nach Land und Kommune, von kostenlosen Kitaplätzen bis hin zu mehreren hundert Euro pro Kind und Monat. Bildungsgerechtigkeit sieht anders aus.

Keine besser Bezahlung

Und noch etwas dürfen wir nicht vergessen: Für die Grundschulen wird seit geraumer Zeit darüber diskutiert, das Einstiegsgehalt für Grundschullehrer auf A13 anzuheben – also das, was auch Lehrer an anderen Schulen bekommen. Ein richtiger und guter Schritt, nur: Damit wird das Gehaltsgefälle zu den Fachkräften in den Kitas noch größer als bisher. Auch die Erzieherinnen und Erzieher leisten ausgesprochen wichtige Arbeit, ihr Engagement und ihre Qualifikation entscheiden mit darüber, welche Chance die von ihnen betreuten Kinder auf dem weiteren Lebensweg haben werden. Ein deutliches Plus bei der Bezahlung wäre also überfällig.

Ja, es stimmt, die Erzieherbezahlung ist nicht Bestandteil des "Gute-Kita-Gesetzes". Trotzdem – oder gerade deshalb! – müssen wir aufpassen, dass dieses neue Gesetz nicht dazu führt, dass weitere Bemühungen zur Verbesserung des Kita-Alltags jetzt ad acta gelegt werden. 5,5 Milliarden sind eine ordentliche Summe. Aber klar ist auch: Sie können nur ein Anfang sein. Der Bund hat vorgelegt, jetzt sind die Länder am Zug.

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