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StartseiteVerbrauchertippVergessene Konten aufspüren und kündigen17.01.2020

Guthaben von VerstorbenenVergessene Konten aufspüren und kündigen

Banken und Sparkassen werden schnell aktiv, wenn Kunden in die roten Zahlen abstürzen. Doch bei Konten mit Guthaben von verstorbenen Kunden unternehmen sie nichts und kassieren weiter Gebühren. Für Hinterbliebene ist es oft nicht ganz einfach, diese aufzuspüren und zu kündigen.

Von Klaus Deuse

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Das Symbolfoto zeigt eine Sammlung von Kontoauszügen, die mit einem Sicherheitsschloss verbunden sind.  (dpa / picture-alliance / Volker Heick)
Banken und Sparkassen unternehmen ihrerseits nichts, um die Erben von verstorbenen Bankkonen ausfindig zu machen (dpa / picture-alliance / Volker Heick)
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Nicht jeder hat seinen Nachlass zu Lebzeiten geregelt und so mancher, der plötzlich und unerwartet verstirbt, nimmt ein Geheimnis mit ins Grab. Zum Beispiel auch ein Konto mit Guthaben, das den Erben nicht bekannt ist. Da Banken und Sparkassen ihrerseits nichts unternehmen, um die Erben ausfindig zu machen, müssen diese im Fall einer Vermutung selbst aktiv werden. Verloren, sagt Matthias Urbach vom Verbraucher-Ratgeber Finanztip, ist das Geld jedoch nicht.

"Das Geld verfällt nicht auf diesen Konten. Die Banken müssen theoretisch auch noch 100 Jahre später das Geld wieder auszahlen, wenn sich ein Erbe mit Erbschein meldet."

Banken verdienen an alten Konten

Bis sich Erben melden sollten, führen die Geldinstitute diese "nachrichtenlosen Konten" weiter. Allerdings nicht zum Nulltarif. Das heißt, "dass die Banken die ganze Zeit an diesem Geld verdienen. Sie müssen sich darüber klar sein, dass das normale Konto in Deutschland eine monatliche Grundgebühr kostet. Und die wird eingezogen - und zwar so lange, bis das Konto leer ist."

Das könnte je nach Guthaben lange dauern, würde sich nicht auch der Fiskus für solche vergessenen Konten interessieren.

"Faktisch ist es aber so, dass das Finanzamt nach 30 Jahren davon ausgeht, dass sich niemand mehr meldet und die Banken verpflichtet, das Geld als Verbindlichkeit auszubuchen und in ihre Bilanz ein zu buchen und dann auch zu versteuern."

Mögliche Erben, die ihren Anspruch nachweisen können, sollten im Fall einer begründeten Annahme darum keine Zeit verstreichen lassen, rät Matthias Urbach.

"Wenn sie den Verdacht haben, dass es in ihrer Verwandtschaft noch so ein Konto gibt, dann brauchen sie einen Erbschein und den letzten Wohnort ihres Angehörigen. Und damit sollten sie sich an die Bank, die sie in Verdacht haben, wenden. Wenn sie nicht genau wissen, welche Bank das ist, dann gibt es die Möglichkeit, sich an die jeweiligen Bankverbände zu wenden."

Keine Chancen bei alten DDR-Sparbüchern

Zum Beispiel an den Sparkassen und Giroverband. Entweder per Post oder per Mail an nachforschung@dsgv.de. Beigefügt werden muss immer eine Kopie des Erbscheins oder des Testaments. Auch auf der Website der Volks- und Raiffeisenbank gibt es einen Service zur Kontonachforschung. Für die Recherche erheben diese Verbände nach den Worten von Matthias Urbach eine moderate Gebühr.

Gibt es Anhaltspunkte dafür, dass der Verstorbene Konten bei privaten Banken hatte, können sich Erben an den Bundesverband deutscher Banken wenden. Dieser Verband erhebt keine Gebühren. Richtig Geld kosten kann es jedoch, wenn man nachträglich sämtliche Bewegungen auf dem Konto nachprüfen möchte, sagt Matthias Urbach.

"Was manchmal allerdings sehr teuer wird, wenn Erben auf die Idee kommen, sich Kontoauszüge ausdrucken zu lassen. Und davor kann ich nur warnen, weil da können ganz schnell horrende Beträge zusammen können."

Und zwar um die 1.000 Euro. Tauchen bei der Recherche noch Sparbücher mit einem Guthaben in D-Mark auf, können sich die Erben das Geld nach dem offiziellen Umrechnungskurs auszahlen lassen. Das gilt allerdings nicht für Sparbücher mit Ost-Mark, da die Umstellungsfrist dafür abgelaufen ist.

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