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StartseiteVerbrauchertippLast-Minute-Weihnachtsgeschenk mit Kleingedrucktem12.12.2018

GutscheineLast-Minute-Weihnachtsgeschenk mit Kleingedrucktem

Gutscheine sind schnell besorgt - und es gibt sie in allen Preisklassen. Zu Weihnachten werden sie gern verschenkt. Der Nachteil: Gutscheine verfallen nach einiger Zeit. Auch können sie unterschwellige Botschaften vermitteln - und sogar zu Streit führen.

Von Ursula Reinsch

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31.10.2018, Berlin: Gutschein-Karten an einem Aufsteller in einer Drogerie  (picture-alliance / dpa / Jens Kalaene)
Gutscheine können verfallen - oder auch nicht gefallen (picture-alliance / dpa / Jens Kalaene)
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Sie hängen oft an kleinen Ständern neben der Kaufhaus-Kasse: hübsch dekorierte Geschenk- oder Guthabenkarten, auch "gift cards" genannt. Fast jeder zweite Verbraucher verschenkt zu Weihnachten mindestens einen Gutschein. Aber es gibt auch Skeptiker:

"In Kaufhäusern kaufe ich keine Geschenkgutscheine. Das finde ich nicht gut. So da bin ich mir unsicher, wie lange die gültig sind." - "Ich schenke gerne Geschenkgutscheine – allerdings gestalte ich die auch selbst. Das finde ich persönlicher."

Nach drei Jahren ist jeder Gutschein verfallen

Wer nicht basteln will, kann solche persönlichen Gutscheinkärtchen sogar online individuell erstellen- mithilfe von Vorlagen. Der wichtigste Vorteil: Man umgeht damit das Hauptproblem von kommerziellen Gutscheinen. Die Frist. Carolin Semmler, Juristin von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen erklärt, worauf es bei den befristeten Gutscheinen ankommt:

"Erst mal muss man schauen, ob die Frist, die auf diesem Gutschein vermerkt war, auch lang genug war. Bei Warengutscheinen kann man das relativ pauschal sagen: auf jeden Fall über ein Jahr. Bei allen anderen Sachen ist es im Einzelfall immer etwas schwierig. Wenn man jetzt das Gefühl hat, diese Frist ist wesentlich zu kurz - zwei Wochen, drei Wochen soll ich in die Sauna gehen - dann kann man sich natürlich darauf berufen, diese Frist ist nicht angemessen. Ich habe noch Anspruch darauf, nachträglich einzulösen."

Ist die Frist allerdings angemessen, kann man nur um Kulanz bitten. Spätestens nach drei Jahren ab dem Ende des Ausstellungsjahres ist allerdings jeder Gutschein unwiderruflich verfallen. Dann endet die Verjährungsfrist. Immer. Schließt ein Geschäft, droht in der Regel auch der Verlust des Gutscheins. Deshalb: Besser die Frist nicht ausschöpfen.

Unterschwellige Botschaften von Gutscheinen

Geschenkgutscheine, egal ob gekauft oder selbst gemacht, können nicht nur verfallen – sie können auch nicht gefallen, ja sogar für Unmut sorgen. Und das trifft besonders oft liebevoll gemeinte, persönliche Gutscheine. Dann, wenn sie nicht zu der Beziehung passen. Dann wenn sie einseitig persönliche Nähe ausdrücken. Beispielsweise Erwartungen, gemeinsam Zeit mit dem Beschenkten zu verbringen. Oder wenn sie unbewusst pädagogische Botschaften transportieren wie beispielsweise ein Weihnachtsgutschein für einen gemeinsamen Theaterbesuch.

"Damit kann zum Beispiel auch übermittelt werden, 'Interessier dich doch bitte mehr für das Theater, für die Kultur!'", sagt der Soziologe und Schenkforscher Holger Schwaiger.

"Und das kann natürlich leicht abdriften in der Wahrnehmung des Beschenkten und dessen Interpretation der übermittelten Botschaft: 'Du hältst mich scheinbar nicht für kulturell gebildet genug, im schlimmsten Fall für einen Kulturbanausen, in dem du mich auf diese Art und Weise zwingst oder drängst ins Theater zu gehen, weil ich ja dieses Geschenk dir zuliebe nicht verfallen lassen möchte.'"

Schwieriger Fall. Gutscheine erzeugen dann beidseitige Freude, wenn man vor dem Kauf genau über die Beziehung zum Beschenkten nachdenkt und der Bon auch von der Höhe des Betrages angemessen ist. Kleiner Trost: Viele unpassende Geschenkgutscheine kann man weiterverschenken oder über Börsen im Internet verkaufen.

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