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StartseiteCampus & KarriereWahl zwischen G8 und G903.07.2014

Gymnasien in BayernWahl zwischen G8 und G9

In Bayern haben die Freien Wähler ein Volksbegehren zur Dauer der Gymnasialzeit gestartet. Ihr Ziel: Die Schulen sollen wählen können, ob sie beim kurzen G8 bleiben oder zu G9 zurückkehren. Die anderen Oppositionsparteien wollen den Schülern die Wahl lassen.

Von Susanne Lettenbauer

Schüler gehen an einer Tafel vorbei, auf der "G8" und "G9" steht. (dpa picture alliance/ Armin Weigel)
Viele halten das Lernen in G8 für nicht nachhaltig. (dpa picture alliance/ Armin Weigel)
Weiterführende Information

Gymnasien: "Der Zug in Richtung G9 ist nicht aufzuhalten" (Deutschlandfunk, Interview, 10.05.2014)

Abitur in NRW: Schulen wollen G8 behalten (Deutschlandfunk, Campus & Karriere, 29.04.2014)

Heute Morgen Punkt zehn Uhr am Münchner Marienplatz. Hinter sieben Laptops sitzen die Helfer des Volksbegehrens Wahlfreiheit G8/G9 und warten auf die Bürger. Zögernd kommen sie, vor allem ältere Frauen und Mütter, nicht in Massen wie beim Volksbegehren gegen die Studiengebühren, aber die Initiative der Freien Wähler findet ihre Unterstützer:

"Ja, ich habe eine Enkelin, die geht in die erste Klasse und ich denke, dass es schon gut ist, wenn wir doch wieder das G9 haben, oder?"

"Sie stehen in der Elften und Zwölften unter ziemlich starkem Druck. Sport ist fast überhaupt nicht mehr auf dem Plan, das Lernen ist nicht nachhaltig, das ist ziemlich schnell wieder weg."

"Ich war fünf Jahre Elternbeirat an einem Münchner Gymnasium und habe da vieles gesehen. Die Politik hat ganz klar versagt."

"G8 ist unbeliebt"

In Bayern muss sich generell in der Bildungslandschaft etwas bewegen, ist die Maxime der Initiatoren des Volksbegehrens, der Freien Wähler. Man habe viele Vorschläge eingebracht im Landtag, die alle von der CSU ignoriert wurden, deshalb frage man jetzt die Bürger, so Freie Wähler-Chef Hubert Aiwanger:

"Wir Freien Wähler wollen die Blockadehaltung der CSU wieder mal durchbrechen. Wie schon bei der Abschaffung der Studiengebühren, wo ja auch nur durch das Volksbegehren Bewegung reingekommen ist, sehen wir auch hier wieder: Ohne die Volksbegehren der Freien Wähler geht nichts vorwärts."

Seit heute Morgen um zehn Uhr liegen die Listen für das Volksbegehren in den bayerischen Rathäusern aus. Rund 40 Prozent der Schüler im Freistaat gehen auf ein Gymnasium, da sollten die zehn gesetzlich geforderten Prozent an Unterstützern drin sein, meint Michael Piazolo. Ein sehr euphorischer Generalsekretär der Freien Wähler, der noch gestern im strömenden Regen allein mit seinen Parteikollegen vor dem Landtag ein letztes Mal für das Volksbegehren warb:

"Ja gut, sehr gut. Die Bürger stehen hinter uns. Wir haben heute noch mal eine Umfrage vom Philologenverband bekommen, dass G8 unbeliebt ist und dass die meisten Menschen in Bayern ein G9 wollen, da hatten wir auf jeden Fall den richtigen Riecher."

"Gymnasium in Bayern nicht mehr zeitgemäß"

Politisch betrachtet stehen die Freien Wähler allein da. Zwar wollen auch SPD und Grüne zurück zum G9, aber gemeinsam mit den Freien Wählern konnten sie sich nicht auf eine Linie einigen. So haben die Grünen diese Woche noch einen eigenen Gesetzentwurf vorgelegt. Margarete Bause, Fraktionsvorsitzende der Landtagsgrünen:

"Das Gymnasium in Bayern ist nicht mehr zeitgemäß und wir brauchen dringend Reformen, allerdings ist das, was die FW vorschlagen, geht am Problem vorbei."

Die Oppositionsparteien stehen vor einem Dilemma. Ein Erfolg des Volksbegehrens wäre zwar ein Schritt in die gewünschte Richtung, nur nicht in die Richtige. Während die Freien Wähler den Schulen die Wahlfreiheit überlassen wollen und vor allem in der Mittelstufe zweigleisig G8 und G9 gefahren werden soll, wollen die Grünen und SPD die Schüler wählen lassen, ob sie in zwei oder drei Jahren die Oberstufe absolvieren möchten. Eine schwierige Ausgangslage für das heute gestartete Volksbegehren. Falls es nicht erfolgreich sein sollte, wolle man trotzdem weiter für G9 kämpfen, betonen die Freien Wähler.

G9: "Mehr Zeit zum Lernen"

"Den meisten Schülern sind diese schulpolitischen Feinheiten egal. Für sie zählt einzig die Rückkehr zur längeren Schulzeit."

"Also ich finden G9 besser, da hat man weniger Unterricht und so."

"G9 ist besser finde ich, weil man da mehr Zeit hat zum Lernen. Also es ist einfach nicht so stressig."

"Ich will lieber G9. G8 ist alles so zusammengepresst, da hat man so einen Druck, aber ich hatte ja noch nie G9, aber ich denke es ist besser, wenn man ein Schuljahr mehr hat."

"Auf jeden Fall G9, weil G8 ist einfach ziemlich blöd für die Schüler. Es ist mehr Stoff, Stoff von neun Jahren in acht Jahren, die Lehrer haben weniger Zeit zum erklären, die Schüler verstehen viel weniger, daher muss man alles zu Hause noch mal nachlernen, man hat null Freizeit, überhaupt nichts, man muss immer nur lernen, um richtig gute Noten zu haben. Deshalb stehen die meisten auf vier und fünf und müssen schauen, dass sie das Schuljahr schaffen. Also auf jeden Fall G9."

 

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