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StartseiteVerbrauchertippHolz nachhaltig vor Verwitterung schützen05.06.2019

HäuserbauHolz nachhaltig vor Verwitterung schützen

Im Schweizer Kanton Graubünden gibt es 800 Jahre alte Holzhäuser, deren Fassade noch dazu unbehandelt ist. Auch Fachwerkhäuser haben tragende Holzkonstruktionen, die seit Jahrhunderten Wind und Wetter trotzen. Holz witterungsbeständig zu machen, ist also möglich. Experten wissen, wie.

Von Annette Eversberg

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Neubau, Holzhaus mit Dachstuhl im Aufbau. (dpa / picture alliance / Hartmut Schmidt)
Ein Haus muss von Anfang an auf Holzschutz hin geplant und gebaut werden, damit Schäden durch Feuchtigkeit gar nicht erst entstehen können (dpa / picture alliance / Hartmut Schmidt)
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Bauen mit Holz wird immer beliebter. Bei der Innenkonstruktion eines Hauses, aber auch bei Fassaden oder beim Bau von Holzbalkonen, Carports oder Zäunen. Doch Holz muss vor Verwitterung geschützt werden und das heißt in allererster Linie: Ein Haus muss von Anfang an auf den Holzschutz hin geplant und gebaut werden, damit Schäden durch Feuchtigkeit gar nicht erst entstehen können.

Dafür muss verhindert werden, dass sich an irgendwelchen Stellen Tauwasser bilden oder Wasser von außen hochspritzen kann. Holzhäuser werden deshalb auf einen 40 bis 50 Zentimeter hohen Sockel aus Stein oder Beton gesetzt. Holzfassaden müssen das Wasser ablaufen oder abtropfen lassen. Außerdem soll das Bauholz aus Hölzern, wie Robinie, Eiche, Lärche oder Douglasie bereits so trocken wie möglich sein, mit einer Restfeuchte von weniger als 18 Prozent. Besonders geeignet ist Thermoholz, betont Philip Heldt von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. 

"Thermoholz ist einfach ein Holz, das sehr stark erhitzt wurde. Das ist eigentlich ein Verfahren, das schon seit der Steinzeit den Menschen bekannt ist: Indem ich Holz einfach sehr, sehr warm mache, verändere ich die chemische Struktur ein bisschen. Dadurch ist es wasserabweisender und schimmelt nicht so leicht."

Holzschutzmittel sind im Innenraum tabu

Alle Maßnahmen des Planens, der Verwendung geeigneten Bauholzes und das richtige Verbauen von Holz nennt Marc Ellinger vom Verband Privater Bauherren den konstruktiven Holzschutz. Das heißt.…

"… indem man Holz zunächst vor Feuchtigkeit von außen schützt. Das heißt, entsprechende Dachüberstände und eine dichte Dacheindeckung, und indem man Holz gegen eine Befeuchtung von innen schützt, indem man das Ganze luftdicht konstruiert und ausführt."

Denn nicht nur außen, auch innen kann Holz verwittern. Deshalb dürfen auch feuchte Dämpfe aus Küche und Bad dem Holz nichts anhaben. Lüften ist da nur eine Möglichkeit, sagt Marc Ellinger. 

"Im Duschen entsteht jede Menge Feuchtigkeit. Die Feuchtigkeit geht unter anderem, wenn sie nicht durchs Fenster raus kann, in die Konstruktion, und wenn dort keine dampfkonvektionsdichten Anschlüsse da sind, geht das auch in die Holzkonstruktion."

Holzschutzmittel, mit denen Holz behandelt wird, sind im Innenraum tabu. Denn sie enthalten teilweise noch immer Biozide, also giftige Stoffe, gegen Schädlinge und Pilze, weiß Verbraucherschützer Philip Heldt. 

"Je nachdem welche Holzschutzmittel ich benutze, können eben auch Stoffe in die Raumluft übergehen. Das war vor allem bei den alten Holzschutzmitteln der Fall, aber auch bei neueren Holzschutzmitteln sollte man die Innenraumbelastung doch möglichst klein halten."

Regelmäßige Kontrolle des Hauses

Aber auch bei der Verwendung von Holzschutzmitteln bei Zäunen, Carports oder Holzbalkonen im Außenbereich ist Vorsicht geboten. Sie können nicht nur ungesund sein, sondern mit dem Regen auch in Boden und Gewässer gelangen und zudem Tieren schaden. Besser sind da Mittel und Lacke oder Lasuren, die mit dem umweltfreundlichen Blauen Engel ausgezeichnet sind. Doch auch bei Zäunen oder Carports steht der konstruktive Holzschutz oben an. Marc Ellinger:

"Auch da geht es letztendlich darum, das Holz vor unzuträglicher Feuchtigkeit zu schützen. Das heißt, ich brauche zwischen Erdreich oder Oberkante Einfahrtsbelag bis zur Unterkannte der eigentlich tragenden Holzkonstruktion einen gewissen Abstand, um einfach das Holz aus der Spritzwasserzone rauszuhalten."

Und man sollte sein Haus regelmäßig kontrollieren, rät der Bausachverständige.

"Eigentlich sollte man das eigene Haus, während man wohnt, nach jedem größeren Unwetter revisieren, das heißt, mal nachgucken, ob irgendwas beschädigt wurde, sei es ein Dachziegel oder eine Fassade, beispielsweise durch Hagelschlag und wenn kein größeres Unwetter da ist, einmal im Jahr."

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