Sonntag, 16.12.2018
 
Seit 16:30 Uhr Forschung aktuell
StartseiteKommentare und Themen der WocheDas Problem zu einem großen Thema machen20.11.2018

Häusliche GewaltDas Problem zu einem großen Thema machen

Jeden Tag versucht im Schnitt ein Mann in Deutschland, seine (Ex-)Partnerin zu töten. Dazu kommen tausende Fälle von Vergewaltigungen, Körperverletzungen und sexueller Nötigung. Das Bundesfamilienministerium will nun die Hilfe für bedrohte Frauen verbessern. Das reicht aber nicht, meint Evi Seibert.

Von Evi Seibert

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
Gestelltes Bild zum Thema häusliche Gewalt - Schatten zeigen, wie eine Frau versucht, sich am vor der Gewalt eines Mannes zu schützen. (dpa)
Insgesamt fast 140.000 Menschen sind in Deutschland 2017 Opfer von Gewalt durch Partner oder Ex-Partner geworden. Von diesen sind 147 Frauen getötet worden. (dpa)
  • E-Mail
  • Teilen
  • Tweet
  • Drucken
  • Podcast
Mehr zum Thema

Der Tag mit Frank Capellan Was tun gegen immer mehr Fälle von häuslicher Gewalt?

Gewalt in Deutschland Jeden Tag versucht ein Mann, seine Frau zu töten

"Dass quasi montags, donnerstags und sonntags eine Frau in Deutschland von ihrem Partner umgebracht wird, ist in einem modernen Land wie Deutschland eine unvorstellbare Größenordnung", sagt Familienministerin Franzsika Giffey. Heute hat sie Initiativen vorgeschlagen, dagegen vorzugehen. Mehr Geld für Frauenhäuser, das ist ein erster richtiger Schritt- erst mal Schutzräume für die Betroffenen zu schaffen. Aber das Problem liegt viel tiefer. Und muss viel größer angegangen werden.

Warum schlagen Akademiker, Hilfsarbeiter, der nette Nachbar von nebenan, warum verprügeln, würgen, erstechen die ihre Frauen? Die Mehrzahl der Täter sind "Biodeutsche", sagt die Ministerin - als kleinen Hinweis für die, die meinen, die Zahlen würden nur deswegen steigen, weil wir mehr junge Zuwanderer aus Ländern haben, in denen Frauen sowieso weniger wert sind. Also: warum prügeln und töten Deutsche Normalos ihre Frauen? Warum stirbt deswegen jeden zweiten Tag eine Frau?

Justiz muss härter bestrafen

Das hat sehr viel damit zu tun, dass wir eben doch noch keine moderne Gesellschaft sind. Dass es immer noch an der vermeintlichen "Ehre" des Mannes kratzt, wenn ihn seine Frau verlässt. Dass er um einen veralteten Machtanspruch fürchtet, Macht die ihm automatisch gar nicht zusteht, die Herrschaft über den Rest der Familie. Es liegt auch an den Frauen, die das oft auch aus nachvollziehbaren Gründen zu lange schweigend ertragen, bis es zu spät ist. Und es  liegt auch an den Gerichten. Viel zu oft wird dem Mann die Tat nachgesehen, weil seine Emotionen, seine Eifersucht vor Gericht als strafmildernd angesehen werden. Dabei ist die Verletzung, die einem jemand beibringt, der einmal das allergrößte Vertrauen gehabt hat, der der Vater der eigenen Kinder ist, das ist doch gerade für das Opfer unfassbar und müsste genau im Gegenteil strafverschärfend wirken.

Dazu kommen wir, die Öffentlichkeit. Häusliche Gewalt ist kein echtes Thema. Die letzte große Untersuchung dazu liegt Jahre zurück. Frauen wollen nicht darüber reden, weil es nicht zum Bild der modernen Frau passt, geschlagen zu werden. Es wird weniger oft eingebrochen als geschlagen. Wir reden und schreiben tägliche über Einbrüche und öffentliche Sicherheit- dabei lauert die größere Gefahr innerhalb unserer eigenen Wohnung.

Öffentlicher Diskurs muss wachsen

Das muss sich ändern- und wir alle sollten unseren Teil dazu beitragen. Darüber sprechen, viel öffentlich sprechen, das Problem zu einem großen Thema machen. Unsere Söhne anders erziehen- unsere Töchter ebenfalls. Prügelnde Männer schärfer bestrafen und mehr Geld für Präventionsteams bereitstellen. Fast alle, die am Schluss von ihrem Partner ermordet worden sind, sind schon lange vorher geschlagen und bedroht worden. Es gibt ganz klare Punkte, mit denen sich Hochrisikofälle erkennen lassen. Und Leben gerettet werden können.

Wir müssen da noch wesentlich besser werden.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk