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StartseiteKommentare und Themen der WocheDarknet schärfer überwachen07.03.2019

Haftstrafen für "Elysium"-BetreiberDarknet schärfer überwachen

Das Landgericht Limburg hat vier Führungsmitglieder der Kinderpornographie-Plattform „Elysium“ zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. Ein wichtiger Fahndungserfolg, meint Ludger Fittkau. Dennoch müsste das sogenannte Darknet besser kontrolliert werden, um einen rechtsfreien Raum zu verhindern.

Von Ludger Fittkau

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dpatopbilder - 02.08.2018, Hessen, Limburg: Die Angeklagten kommen zu dem Prozessbeginn und verbergen ihre Gesichter hinter Aktenordnern. Den Angeklagten im Alter von 40 bis 62 Jahren wird insbesondere zur Last gelegt, die kinderpornographische Plattform «elysium» im sogenannten Darknet und sexuellen Missbrauchs betrieben zu haben. Foto: Thomas Frey/dpa | Verwendung weltweit (dpa)
Langjährige Haftstrafen für die Haupttäter (dpa)
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Darknet Kindesmissbrauch im Netz

Das Internet macht die Welt nicht wirklich besser. Denn: Während dieser Kommentar läuft, sind rund 750.000 pädo-kriminelle Täter weltweit zeitgleich online. Das schätzen die Vereinten Nationen und das FBI. Ein großer Teil der Täter beschafft sich kinderpornografisches Material im sogenannten "Darknet", einem anonymisierten Teil des Internets.

Ist ein Urteil gegen vier Deutsche, die sechs Monate lang eine pädo-kriminelle Plattform betrieben haben, angesichts der abertausend Täter, die unerkannt bleiben, da überhaupt die Rede wert?

Ja, durchaus. Denn der Prozess gegen die Betreiber der Kinderporno-Plattform "Elysium" mit bis zu ihrer Abschaltung 2017 rund 111.000 Nutzerkonten hat gezeigt: Die Täter können sich auch im abgeschirmten Teil des Internets längst nicht mehr sicher sein. Polizei und Justiz sind ihnen international auf der Spur.

Internetkriminalität wächst

Dennoch kann man angesichts des Ausmaßes der Kriminalität im "Darknet" Günter Krings durchaus verstehen. Der christdemokratische parlamentarische Staatssekretär im Bundesinnenministerium hatte unlängst gefordert, das sogenannte "Tor-Netzwerk" zu verbieten, das für Millionen Nutzer weltweit den Eintritt ins Darknet ermöglicht. Krings Argument lautet: "Wer das Darknet nutzt, führt in der Regel nichts Gutes im Schilde. Diese einfache Erkenntnis sollte sich auch in unserer Rechtsordnung widerspiegeln."

Das Bundeskriminalamt geht aktuell etwa von rund 50 Darknet-Plattformen aus, auf denen im Augenblick kriminelle Handlungen stattfinden. Neben Kinderpornografie etwa Drogen- oder Waffenhandel. Wäre Anonymität im Internet unmöglich, würden solche Foren wohl schnell eingestellt. Denn sonst wären die Betreiber genauso schnell hinter Schloss und Riegel wie die Betreiber der Elysium-Plattform.

Anstatt also Staatsanwälte zu Darknet-Spezialisten weiterzubilden – wie es im Falle der "Elysium"-Ermittlungen erfolgreich geschah – wäre es nicht tatsächlich sinnvoller und nachhaltiger, Anonymität im Internet grundsätzlich zu verhindern?

Darknet besser kontrollieren

Das Gegenargument lautet: Gerade das vom Bundesinnenministerium ins Visier genommene "Tor-Netzwerk" zeigt, dass das Darknet nicht grundsätzlich böse ist. Es befindet sich mehrheitlich im Besitz der US-Regierung. Die gibt damit seit Jahren etwa Dissidenten in Diktaturen die Möglichkeit, sich anonym auszutauschen und dadurch Verhaftung und womöglich Folter zu entgehen. Auch NSA-Whistleblower Edward Snowdon soll sich 2013 des Darknets bedient haben, um seine Daten an die Zeitungen "Washington Post" und "Guardian" weiterzugeben.

Auch wenn sie wollten – die Europäer könnten das Darknet nicht einfach abschalten und das ist vielleicht auch gut so! Doch was zum Beispiel Brüssel durchsetzen könnte: Dass die Betreiber der Zugänge ins Darknet – wie im Falle des "TOR-Netzwerks" maßgeblich die US-Regierung - der europäischen Polizei und Justiz in konkreten Verdachtsfällen Daten geben, die die Entschlüsselung erleichtern. Das fordern hiesige Ermittler. Denn auch wenn sie im "Darknet" längst nicht mehr im Dunkeln tappen: Ihr Job ist schwer genug. Schon wegen der ungeheuren Taten, die sie aufklären müssen!

 

Ludger Fittkau –  (©Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré )Ludger Fittkau (©Deutschlandradio / Bettina Fürst-Fastré )Ludger Fittkau, geboren 1959 in Essen, studierte Sozialpädagogik sowie Sozialwissenschaften an den Universitäten Duisburg/Essen und der Fernuniversität Hagen. Promotion dort im Fach Soziologie. Nach rund zehn Jahren offener Jugendarbeit sowie Medienpädagogik in Oberhausen und Essen Wechsel in den freien Journalismus. Tätig u.a. für den WDR (Hörfunk und Fernsehen), den DLF sowie für die Kölner TV-Produktionsfirma "probono" von Friedrich Küppersbusch. Ab 2007 freier Redakteur und Autor in der Landeskulturredaktion von SWR 2 in Mainz. Seit 2009 Landeskorrespondent von Deutschlandradio - zunächst in Rheinland-Pfalz und aktuell in Hessen.

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