Dienstag, 12.11.2019
 
StartseiteVerbrauchertippOh Schreck, Koffer weg11.10.2019

Haftung bei GepäckverlustOh Schreck, Koffer weg

Ob per Bahn, Flugzeug, Fernbus oder Schiff: Immer wieder kommt es vor, dass Reisende am Ziel ohne ihr Gepäck dastehen. Dieses wiederzubekommen oder zu ersetzen, ist nicht nur ärgerlich, sondern auch zeitaufwändig. Daher sollte schon beim Kofferpacken einiges beachtet werden.

Von Peggy Fiebig

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Eine Frau und ein Mann suchen am Gepäckband am Flughafen ihre Koffer (picture alliance / dpa Themendienst / Christin Klose)
Eine Frau und ein Mann suchen am Gepäckband am Flughafen ihre Koffer (picture alliance / dpa Themendienst / Christin Klose)
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Es sollte ein schöner Urlaub für Linda werden.

"Als Reise war geplant, zwei Wochen in Portugal, Rumreisen von A nach B und alles Mögliche dabei – Wandern, am Strand liegen."

Allerdings, schon zu Beginn der Reise lief nichts wie geplant. Der erste Flieger hatte Verspätung, der Anschlussflug dann auch. Und als sie dann endlich am Zielflughafen ankam – der Schock:

"Dann bin ich mitten in der Nacht angekommen, um eins und das Gepäck war eben nicht da. Ich hatte nur mein Handgepäck dabei. Kein Bikini, kein Badetuch - gar nichts. Ich hatte auch nur ne Jeans an, also viel zu warm für Portugal im Sommer. Und da musste ich dann erst einmal einkaufen gehen, ja."

Eine Frau legt bereits gefaltete Wäsche in einen Koffer.  (picture-alliance/ dpa/ Frank Rumpenhorst)Es kann helfen, den Kofferinhalt zu fotografieren, um bei Verlust genau zu wissen, was fehlt (picture-alliance/ dpa/ Frank Rumpenhorst)

Kofferinhalt fotografieren

Knapp zehn Prozent der Fälle, die bei der Schlichtungsstelle des öffentlichen Personenverkehrs eingehen, betreffen verlorenes oder verspätetes Gepäck, sagt deren Geschäftsführer Heinz Klewe. Die Schlichtungsstelle versucht, in Streitfällen mit der Bahn, einem Flug- oder Fernbusunternehmen oder einem Schiffsreiseunternehmen zu vermitteln. Geschäftsführer Heinz Klewe rät, schon vor einer Reise - egal mit welchem Verkehrsmittel - Vorsichtsmaßnahmen zu treffen, um im Fall von Gepäckverlust gewappnet zu sein.

"Was man im Vorfeld machen kann, ist, dass man den Kofferinhalt fotografiert. Das ist letztendlich kein Beweis, kein rechtlicher Beweis. Aber es erinnert einen selbst daran, was man im Koffer drin hat, denn oft vergisst man das wirklich, was man im Koffer drin hat. Und dann ist das schon ein Indiz, ein plausibles Indiz, das nachher bei der Schadensregulierung hilft."

Außerdem sollte besonders bei Flugreisen darauf geachtet werden, dass alte Label von früheren Flügen vom Koffer und anderen Gepäckstücken entfernt wurden. Und:

"Ich nenne es hier mal `Individualisieren des Koffers´. Auf Deutsch: Machen Sie bestimmte Farbgurte drum, kennzeichnen Sie den Koffer als den Ihren, so dass er leichter erkennbar ist auf dem Gepäckband oder wenn Sie ihn beschreiben, wenn er verloren gegangen ist."

Passagiere laufen mit Koffern auf einem Bahnsteig vor einem ICE in Richtung einer geöffneten Zugtür. (dpa picture alliance/ Imagebroker)Ausgestiegen, falschen Koffer gegriffen - ein auffälliges Kofferband kann Verwechslungen vermeiden (dpa picture alliance/ Imagebroker)

Reisegepäckversicherungen nutzen in der Regel wenig

Keinen großen Nutzen bringen dagegen so genannte Reisegepäckversicherungen, sagt Katrin Gotthold vom Verbraucherratgeber "Finanztip":

"Wirklich helfen, wird die Ihnen im Zweifel - ich möchte nicht sagen, nicht, aber - kaum."

Denn in vielen Versicherungen seien Lücken, so dass tatsächlich nur in sehr wenigen Fällen gezahlt wird, sagt die Versicherungsexpertin. Die Liste von Ausschlüssen und Einschränkungen in den Versicherungsbedingungen sei häufig sehr lang. Allerdings, darauf weist Kathrin Gotthold hin, greift in vielen Fällen die Hausratversicherung. Jedenfalls dann, wenn sie eine so genannte Außenversicherung umfasst. Das ist bei einem Abschluss nach 1992 in der Regel der Fall. Nochmal Kathrin Gotthold:

"Deswegen können Sie vor dem Urlaub, bevor Sie überlegen eine Reisegepäckversicherung anzuschließen, einfach einen Blick in die Hausratversicherung werfen, so Sie eine haben. Häufig ist es so, dass da mittlerweile eine Außenversicherung eingeschlossen ist. Und wenn Sie das haben, dann zahlt die Versicherung auch im Urlaub."

Verluste umgehend melden

Verluste sollten umgehend an die Fluggesellschaft, das Busunternehmen oder die Bahn gemeldet werden, sagt Heinz Klewe von der Schlichtungsstelle des öffentlichen Personenverkehrs. Am Flughafen zum Beispiel sofort beim Lost and Found Schalter.

"Das sollten Sie tun, denn da gibt es bestimmte Fristen und nachher vergisst man es."

Und dann wird es schwierig, einen Schadensersatz zu bekommen. Der kann übrigens unter bestimmten Umständen auch die Kosten für Ersatzkäufe umfassen. Kommt es zum Streit darüber, kann die Schlichtungsstelle helfen. Reisende können hier einen Schlichtungsantrag stellen, wenn sie beim Verkehrsunternehmen selbst nicht weiterkommen.

"Wir kommen in der Regel auch immer gut zu einem Ergebnis."

Das Verfahren ist kostenlos. Nach Angaben der Schlichtungsstelle werden in mehr als 80 Prozent der Fälle die Schlichtungsvorschläge auch von beiden Seiten angenommen und sind dann verbindlich.

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