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StartseiteVerbrauchertippSauberkeit mit Risiken und Nebenwirkungen06.09.2018

Haftung in AutowaschstraßenSauberkeit mit Risiken und Nebenwirkungen

Autowaschen geht heutzutage fast automatisch: Man zahlt, wählt den Waschgang und fährt in die Waschstraße. Regelmäßig gibt es dort aber Unfälle - verursacht von Nutzern sowie Betreibern. Wer haftet und was haben Verbraucher für Rechte?

Von Ann-Kathrin Stracke

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Ein gelber Opel Adam in einer Autowaschstrasse (Rene Traut / imago)
Schnell ist nach dem Waschgang mal ein Spiegel ab oder ein sonstiger Schaden am Fahrzeug - Wer haftet dafür? (Rene Traut / imago)
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Diese Waschstraße im Kölner Süden läuft erst seit wenigen Stunden wieder. Vier Tage war die Anlage außer Betrieb, weil ein Autofahrer die Einfahrt der Waschanlage verfehlt hat, erzählt die Leiterin der Waschstraße, Nicola Pohl.

"Leider hat ein älterer Herr sein Auto nicht richtig unter Kontrolle gehabt und hat auf 'D' gehabt und auf Vollgas gestellt und hat sein Auto nicht mehr gebremst bekommen und ist uns durch die halbe Waschstraße durchgerauscht. Mit Vollgas."

Der Fahrer hat durch seine unkontrollierte Fahrt den Einspritzbogen und viel Technik der Waschanlage so stark beschädigt, dass sie erneuert werden mussten. Zwar kommen solche großen Unfälle eher selten vor, doch kleinere Zwischenfälle gebe es in Waschstraßen immer wieder, sagt Arndt Kempgens, Fachanwalt für Verkehrsrecht aus Gelsenkirchen. Typisch dafür sind beispielsweise Kratzer auf dem Lack, kaputte Außenspiegel oder auch mal eine beschädigte Frontscheibe, so dass Wasser ins Auto laufen kann.

"Ein Wischblatt wird abgerissen oder ein Außenspiegel wird abgerissen. Das allein ist noch nicht so schlimm, aber schlimm wird es dann, wenn diese Gegenstände dann irgendwie gegen das Auto geschlagen werden und zwar an mehreren Stellen. Wenn also nur etwas abgerissen wird, dann wird es nicht so teuer, aber meistens wir auch der Lack in Mitleidenschaft gezogen und dann haben wir erhebliche Schäden."

Schadenersatzansprüche gegenüber Betreibern

Schnell könnten dann Schäden in Höhe von mehreren Tausend Euro entstehen, erklärt der Fachanwalt für Verkehrsrecht.

Waschstraßennutzer haben in solchen Fällen grundsätzlich Schadenersatzansprüche gegenüber den Betreibern: Geht beispielsweise ein Außenspiegel bei der Autowäsche kaputt, sei der Betreiber rechtlich verpflichtet, dem Nutzer diesen Spiegel zu ersetzen, so Arndt Kempgens, Fachanwalt für Verkehrsrecht. 

"Waschstraßenbeteiber muss den Leuten schon richtig sagen, wie man fahren muss und was er zu tun und zu lassen hat - und wenn er das irgendwie vorwerfbar nicht tut, also, wenn die Regeln nicht eindeutig sind, dann haftet er sogar für ein Fehlverhalten anderer. Ansonsten haftet natürlich der, der in der Waschstraßen, aus Angst, das kommt gar nicht so selten vor, bremst, und dann der Nächste drauf fährt."

Viele Menschen einfach überfordert

Die Autofahrer sollten dabei gut zuhören und sich an die Anweisungen halten. Waschstraßen-Chefin Nicola Pohl beobachtet allerdings immer wieder, dass Menschen trotz umfassender Einweisung in der Anlage beispielsweise plötzlich beschleunigen oder bremsen würden. Dadurch gibt es immer wieder Auffahr-Unfälle - oder das Band wird angehalten und die Autowäsche kann nicht fortgesetzt werden. Für Nicola Pohl ist klar: viele Menschen seien in Waschstraßen einfach überfordert.

"Die Technik heute in den Fahrzeugen ist sehr, sehr groß. Und die Leute wissen oftmals aber nicht wie die Scheibenwischer ausgehen, wie die Regensensoren ausgehen. Sie wissen nicht, dass sie den Gang raus machen müssen oder bei Automatik-Wagen auf "D", also neutral schalten sollen." 

Kommt es zu einem Zwischenfall, rät Arndt Kempgens, Fachanwalt für Verkehrsrecht, den Betroffenen, unmittelbar nach der Autowäsche den Betreiber zu informieren, Fotos zu machen, Zeugen hinzuziehen und den Vorfall zu dokumentieren. Und vor allem: ruhig zu bleiben. Waschstraßenbetreiber sind übrigens gegen solche Vorfälle versichert.

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