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StartseiteKultur heuteTief gespalten durch Sprachbarrieren18.07.2021

Haitis KulturlandschaftTief gespalten durch Sprachbarrieren

Nach der Ermordung des haitianischen Präsidenten Jovonel Moise scheint es ruhiger um den Inselstaat zu werden. Der Journalist und Karibik-Kenner Toni Keppeler erläuterte im Dlf, welchen Einfluss das Radio auf die Kulturlandschaft des Staates hat – aber auch auf die Demonstrationen der vergangenen Jahre.

Toni Keppeler im Gespräch mit Mascha Drost

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Ein Portrait des Schriftstellers Gary Victor aus Haiti. (IMAGO / Leemage)
Der haitianische Schriftsteller Gary Victor. (IMAGO / Leemage)
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Auf Haiti sei es aktuell verhältnismäßig ruhig geworden. Doch die Vergangenheit sieht anders aus, sagt der Journalist Toni Keppeler: Zwei Jahre liegen zurück, die von Massendemonstrationen und Barrikaden geprägt waren. Das öffentliche Leben auf der Insel schien lahmgelegt. Mit dem Tod des Präsidenten nehmen auch die Proteste ab, die sich vor allem gegen seine Regierung richteten. Wie es weitergeht, sei noch unklar, sagt Keppeler. Doch Haiti stütze sich auf eine funktionierende Zivilgesellschaft: Unter anderem Bauernvereinigungen, Gewerkschaften und die katholische Kirche trugen die Demonstrationen.

Gespaltene Gesellschaft

Für ein kleines, ärmeres Land habe Haiti eine erstaunlich große Kulturszene, die international vernetzt und bekannt ist. Innerhalb der haitianischen Gesellschaft wirke sie jedoch wenig auf die Menschen ein, so Keppeler. Der Journalist beschreibt zwei parallele Gesellschaften, die nur wenige Berührungspunkte haben: Die große Masse der Landbevölkerung und die Bewohner der städtischen Armenviertel machen 95 Prozent der Bevölkerung aus und sprechen Kreol. Nur fünf Prozent der Haitianer sind besser gestellt, wohlhabender und sprechen Französisch. Genau dort wirkt die Kulturszene, die vor allem auf Französisch agiert. Sehr wenige Autorinnen und Autoren schreiben in Kreolsprache, beispielsweise Gary Victor.

Radio als Verbindungsglied zur Gesellschaft

Es gibt durchaus unabhängige Medien in Haiti, sagt Keppeler. Doch viele Zeitungen erscheinen ebenfalls nur auf Französisch, also für die reicheren fünf Prozent. Besonders wichtig ist daher die Radiolandschaft des Inselstaats. Der Grund: Sie sendet ihr Programm auch auf Kreolsprache. Das Radio hatte ebenfalls großen Einfluss auf die vergangenen Demonstrationen und erreicht die breite Masse der Bevölkerung, beschreibt Keppeler. Welche Rolle sie in der folgenden Entwicklung Haitis einnehmen wird, wird sich erst mit der Zeit zeigen.

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