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StartseiteWirtschaft am MittagUmschlagsmengen im Hamburger Hafen stagnieren14.08.2018

Halbjahresbilanz Umschlagsmengen im Hamburger Hafen stagnieren

Stagnierende Importmengen und starke Konkurrenz in Europa: Der Hamburger Hafen muss mehr denn je um seine Umsätze kämpfen. Bereits die Halbjahresbilanz für 2018 zeigt, dass die Umschlagsmengen in Hamburg - im Gegensatz zu Rotterdam und Antwerpen - kaum wachsen.

Von Axel Schröder

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Container sind am 25.01.2017 auf dem Gelände des Logistikunternehmens Eurokombi im Hafen von Hamburg zu sehen. Im Hintergrund sind die Containerbrücken des Terminals Eurogate zu sehen. (dpa / picture alliance / Christian Charisius)
Containerverkehr im Hamburger Hafen (dpa / picture alliance / Christian Charisius)
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Die fetten Jahre des Hamburger Hafens sind Geschichte. Jüngster Beleg dafür sind die heute veröffentlichten Quartalszahlen des Terminalbetreibers HHLA. Während die Konkurrenzhäfen in Rotterdam und Antwerpen ihre Umschlagmengen im ersten Halbjahr deutlich steigern konnten, stagnieren die Zahlen in Hamburg. Immerhin: Die Zahl der umgeschlagenen Container wuchs bei der HHLA im ersten Halbjahr um bescheidene 1,2 Prozent.

Die Zeiten zweistelliger Zuwachsraten, die vor 2008, vor der Wirtschafts- und Finanzkrise hohe Umsatzsteigerungen garantierten, werden aber nicht zurückkehren, erklärt Prof. Burkhard Lemper vom Bremer Institut für Seeverkehrswirtschaft und Logistik:

"Da ist es tatsächlich so, dass die "Containerisierung" in vielen Fahrtgebieten weitestgehend abgeschlossen ist und dass man diesen Faktor, den man früher zwischen Weltwirtschaftswachstum und Containerverkehrswachstum in der Größenordnung von zweieinhalb bis drei, dass wir den deutlich kleiner haben werden in der Zukunft."

Hamburger Hafen kann mit guter Anbindung punkten - noch

Und dazu komme, so Burkhard Lemper, dass auch die Auslagerung von Produktionsstätten im Zuge der Globalisierung und damit die Importmengen mittlerweile stagnieren. Ein Wachstum der einzelnen Häfen funktioniere heute nicht mehr über das Wachstum der weltweit umgeschlagenen Gütermengen, sondern in erster Linie nur noch darüber, in einem harten Konkurrenzkampf anderen Häfen Ladung abzunehmen.

Noch kann der Hamburger Hafen in diesem Kampf um Ladung mit seiner sehr guten Hinterland-Anbindung punkten. Aber auch hier versucht die Konkurrenz besser zu werden, erklärt Jan Ninnemann von der Hamburger Consultingfirma HTC:

"Gerade der Hafen Rotterdam ist ja sehr aggressiv dabei, auch im Hinterland der deutschen Seehäfen, vor allem des Hamburger Hafens Angebote zu machen, zum Teil subventionierte Zugprodukte auf den Markt zu bringen, um sich eben Marktanteile dort zu erobern. Natürlich stellt man fest, dass der Hafen Rotterdam noch einige Probleme hat, die Bahnverkehre im Hafen selbst vernünftig abzuwickeln."

Chinesische Unternehmen übernehmen Häfen in Südeuropa

Aber diese Probleme würden nicht ewig bestehen, so Jan Ninnemann. Und mit der Wassertiefe haben die Rotterdamer, direkt an der Nordsee gelegen, keinerlei Probleme. In Hamburg hingegen ist noch immer nicht klar, wann die seit 2002 geplante Vertiefung und Verbreiterung der Elbe umgesetzt werden kann.

Und im Süden Europas haben gerade chinesische Unternehmen den Hafen von Piräus übernommen, um von dort aus Container per Bahn nach Norden zu transportieren. Unterm Strich, so Jan Ninnemann von HTC, gehe es deshalb für die Hamburger darum, sich mehr denn je als Universalhafen zu positionieren und nicht allein auf ein Wachstum des Containerumschlags zu setzen:

"Man muss ehrlich sagen, dass das Containergeschäft in Sachen Wertschöpfung nicht so wahnsinnig attraktiv ist. Gerade wenn es um Container geht, die per Transshipment nach Skandinavien transportiert werden, hat man da kaum eine Wertschöpfung.

Man dreht ausschließlich Stahlbüchsen und Ziel muss natürlich schon sein, mehr Wertschöpfung wieder nach Hamburg zu bringen und damit eben auch mehr Arbeitsplätze am Hafen zu halten!"

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