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StartseiteUmwelt und VerbraucherHalloween-Action-Food und Märchenstunden11.10.2005

Halloween-Action-Food und Märchenstunden

Im Bio-Supermarkt des Jahres

Die CMA (Centrale Marketing-Gesellschaft der deutschen Agrarwirtschaft) hat in diesem Jahr erstmals einen Bio-Handels-Wettbewerb ausgeschrieben. Gesucht wurden innovative Verkaufskonzepte, und gefunden wurde ein Bio-Supermarkt in Berlin, der neben Bio-Produkten auch ein Bio-Kochstudio und kostenlose Märchenstunden bietet.

Von Dieter Nürnberger

Der preisgekrönten Bio-Supermarkt verkauft nicht nur glückliche Kürbisse, sondern unterweist die Kunden auch in deren Zubereitung.  (AP)
Der preisgekrönten Bio-Supermarkt verkauft nicht nur glückliche Kürbisse, sondern unterweist die Kunden auch in deren Zubereitung. (AP)
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Der Bio-Supermarkt des Jahres ist ein umgebautes Kino in Berlin-Lichterfelde. Das ist an sich nichts besonderes, denn mit dem Kinosterben in Deutschland haben längst des Öfteren Drogerieketten oder Discounter solche Spielstätten umgewandelt. Doch bei Bio-Lüske wurde viel Wert auf die Sanierung des Gebäudes gelegt, der Charakter der Spielstätte ist somit erhalten geblieben - ein ganz besonderer Reiz beim Einkaufen. Und auch sonst gibt man sich wohl mehr Mühe um die Gunst des Kunden als andere. Bernd Schüßler von Bio-Lüske:

"Zum einen haben wir natürlich das gleiche wie die anderen, doch wir haben auch einiges weitere neben dem Standard-Sortiment. Da kommen samstags die Eltern mit ihren Kindern zu uns, weil hier auch Märchen gelesen werden. Wir bieten Verkostungen an, die Leute können Sachen direkt probieren. Wir haben ein sehr modernes Auftreten, es gibt Parkplätze im Hof. Worauf wir aber auf alle Fälle achten, ist die Frische der Produkte. Wir beziehen unser Fleisch aus Brandenburg, wir haben Vertragsbauern im Obst und Gemüsebereich, das kommt aus dem Oderbruch. Fünf Mal frisch in der Woche in den Laden. Wir haben stetig steigende Umsätze, also bei uns ist von Wirtschaftsflaute keine Rede."

Zugegeben, Lichterfelde gehört zu den wohlhabenden Gegenden in der Hauptstadt. Einwohner, die sich wahrscheinlich mehr leisten können als andere - oder eben andere Prioritäten setzen.

"Es kommt immer darauf an, was man kauft. Wir haben viele Kunden, die auch eher wenig verdienen, die kaufen bei uns Brot, Eier oder auch Milch. Dann macht dies auch nicht viel Unterschied aus. Biobrot sättigt ja auch viel mehr. Die hohen Preise, das ist auch eine Frage der Gewichtung. Manche kaufen sich halt fünf CDs im Monat, andere kaufen lieber hochqualitative, gesunde Nahrung."

Bei Bio-Lüske werden auch Umfragen unter den Kunden durchgeführt. Und so kam es beispielsweise zu Stande, dass nun stets ein Brot der Woche angeboten wird, welches unter drei Euro liegt, denn das war der Wunsch vieler Kunden. Als besonders erfolgreiche Idee hat sich das erste Bio-Kochstudio Deutschlands erwiesen. Gekocht wird auf der Empore des Marktes, hier wo einst die besseren Plätze des Kino waren. Iris Schulz kümmert sich um das Programm.

"Wir haben immer Kurse, die auch gut nachgefragt sind. Beispielsweise das Geheimnis des Wok oder Pasta, aber auch mediterrane oder vegetarische Küche. Oder Ayurveda-Küche. Das Kochstudio wird auch vermehrt angefragt für Firmenevents. Das bietet sich für Firmenkunden und auch Mitarbeiter an. Ein nettes, kulinarisches Team-Erlebnis. "

Dabei sind die Biokochkurse nicht gerade preiswert. Wer lernen möchte, ein kulinarisches Spitzenmenü mit Meeresfrüchten zuzubereiten, der zahlt hier 99 Euro. Allerdings ist die Bandbreite recht groß, den Kurs für das Halloween-Action-Food für die jüngere Bio-Generation gibt es für 15 Euro.

Bio-Lüske hat im Juni 2004 eröffnet. 15 Mitarbeiter kümmern sich um das Wohl der Kunden. Der Umsatz mit rund 3.000 Produkten wird in diesem Jahr rund 2 Millionen Euro betragen. Der Laden läuft also - obwohl man auch an manchen Gegebenheiten des Marktes nicht vorbei kommt, Bernd Schüßler.

"Ja, das müssen wir zugeben. An der Milch beispielsweise verdienen wir nicht viel. Die geben wir ohne Gewinnaufschlag weiter. Da müssen wir anderen Anbietern eben konkurrenzfähig bleiben. Wir machen dies allerdings nicht zum Nachteil der Bauern, indem wir weniger im Einkauf zahlen. Wir haben halt einzelne Produkte, wo wir keine Gewinnspanne haben."

Auf die Auszeichnung "Bio-Supermarkt des Jahres" ist man natürlich stolz. Für die kleine Trophäe der CMA sucht man nun eine schöne Vitrine oder ähnliches. Und den Kunden wird die frohe Botschaft im Laufe des Tages selbstverständlich mitgeteilt werden. Obwohl - überzeugen muss man die Kunden eigentlich nicht. Sie sind ohnehin voll des Lobes.

"Wir sind gerade auf Wohnungssuche und da haben wir diesen Supermarkt entdeckt. Das ist auch für uns auch ein Anreiz, hier in der Gegend zu suchen. Wenn man biologische Lebensmittel haben will, muss man eben auch schauen, wo es eine entsprechende Infrastruktur gibt. Das ist hier natürlich gegeben. - Hier beispielsweise, wo wir gerade stehen: Das Angebot an Honig ist wirklich gigantisch. Ein ganzes Regal voll. Oder auch verschiedene Rohzucker. Das ist interessant, das findet man woanders nicht."

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