Montag, 16.07.2018
 
StartseiteVerbrauchertippWann Lebensmittel noch genießbar sind15.05.2018

HaltbarkeitsdatumWann Lebensmittel noch genießbar sind

Als das Mindesthaltbarkeitsdatum in den 80er-Jahren eingeführt wurde, sollte es verhindern, dass Konsumenten uralte Ladenhüter angedreht werden. Inzwischen führt es aber auch dazu, dass viele durchaus noch genießbare Produkte weggeworfen werden. Vorsicht ist nur bei bestimmten Lebensmitteln geboten.

Von Maike Strietholt

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Die Initiative Foodsharing sammelt in vielen deutschen Städten Lebensmittel ein, die andere in die Mülltonne schmeißen, und verteilt sie weiter. (dpa/picture alliance/Patrick Seeger)
Wenn das Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufen ist, heißt das nicht, dass das Produkt nicht mehr essbar ist (dpa/picture alliance/Patrick Seeger)
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Mindesthaltbarkeit bei Lebensmitteln Nur sieben Prozent sind notorische "Wegwerfer"

Lebensmittelverschwendung Haltbarkeitsdatum für bestimmte Produkte auf dem Prüfstand

Anja Bischoff ist seit vielen Jahren beim Verein "Foodsharing" aktiv - eine Bewegung gegen Lebensmittelverschwendung, die bei Supermärkten und Restaurants aussortierte Ware abholt und weiterverteilt. Auch bei der heutigen Abholung sind mal wieder viele Produkte mit abgelaufenem Mindesthaltbarkeitsdatum dabei:

"Das ist zum Beispiel hier so Trockenware - so ein Quinotte, wie Risotto, Fertigprodukt – was vermutlich noch viel länger genießbar ist. Oder aber auch Joghurt aus der Kühlabteilung, der ist Mindesthaltbarkeitsdatum von übermorgen. Und den würde ich auch mit Sicherheit noch ein halbes Jahr länger einfach mal probieren und gucken, was da passiert."

Aus lebensmittelhygienischer Sicht ist das kein Problem, bestätigt Silke Schwartau, Ökotrophologin bei der Verbraucherzentrale Hamburg:

"Joghurts halten oft noch sehr, sehr lange. Die sind durch den Gehalt an Milchsäurebakterien vor Verderb geschützt. Und auch Milch kann noch mehrere Tage haltbar sein – und da sollte man dann einfach mal gucken: Ist vielleicht das Tetrapak irgendwie ausgebeult – sodass eine Gasbildung stattgefunden hat. Augen, Nase, Mund – das ist häufig ein besserer Indikator als das Mindesthaltbarkeitsdatum."

Bei Trockenprodukten auf Schädlingsbefall achten

Denn das beschreibt vor allem, wie lange ein Lebensmittel bei richtiger Lagerung ohne wesentliche Geschmacks- und Qualitätseinbußen bleibt. Genießbar seien die meisten Lebensmittel aber noch weit über das MHD hinaus, betont Silke Schwartau.

Sichtbarer Schimmel schreckt besonders ab – zurecht, denn schließlich enthalten die Pilzsporen Gifte. Aber: Wenn das Produkt wenig Wasser enthält, ist die Chance groß, dass der Schimmel nur punktuell ist. Silke Schwartau nennt Beispiele:

"Wenn zum Beispiel Toastbrot befallen ist, ein, zwei Scheiben, dann muss man nicht das ganze wegwerfen, sondern vielleicht das halbe – und hat dann noch die unbelasteten Scheiben. Bei Käse ist das Wasser ja auch gebunden, das ist ja eine feste Masse. Und von daher kann man auch bei Käse den Schimmel großzügig wegschneiden – gerade wenn es sich um Hartkäse handelt. Wenn man jetzt einen Quark hat, wo sich der Schimmel schon auf der Oberfläche verteilt ist, das würde ich dann auf gar keinen Fall mehr essen."

Frisches Obst und Gemüse hat zwar in der Regel kein MHD, hier können weniger wasserhaltige Sorten wie Äpfel nach dem Wegschneiden von fauligen Stellen aber ebenso bedenkenlos gegessen werden. Und auch Eier sind über das MHD hinaus haltbar. Allerdings sollten sie dann nur noch in komplett gegarter Form verwertet werden – dadurch werden möglicherweise vorhandene Bakterien abgetötet. Trockenware wie Nudeln, Reis, Müsli oder Süßigkeiten kann man sogar oft noch Jahre über das MHD hinaus verwenden. Hier ist es aber ratsam, auf Schädlingsbefall zu achten, sagt Silke Schwartau:

"Wenn man da irgendwelche Gespinste sieht oder Schädlinge wie die Mehlmotte oder Mehlmilbe – das ist sehr unangenehm. Ich würde raten, die Vorräte immer mal zu kontrollieren. Und wenn man Reis und Nudeln in verschließbare Behälter tut, zum Beispiel in Vorratsdosen, dann kann man auch vermeiden, dass Schädlinge sich ausbreiten."

Das Verbrauchsdatum sollte unbedingt eingehalten werden

Größte Vorsicht ist allerdings bei Frischfleisch geboten – hier gibt es aber auch eine andere Kennzeichnung. Noch einmal Silke Schwartau:

"Es gibt auf bestimmten Produkten ein Verbrauchsdatum, und das muss unbedingt eingehalten werden – zum Beispiel unbedingt bei Hackfleisch, aber auch bei anderen Fleischsorten und bei Fisch. Weil sich hier Bakterien bilden können, und dann kann man sich eine Lebensmittelinfektion holen. Also aufs Verbrauchsdatum unbedingt achten!"

Und sich ansonsten auch einfach mal für ein abgelaufenes Produkte entscheiden - die gibt es per Foodsharing sogar kostenlos, in vielen Supermärkten in der Ecke mit preisreduzierter Ware.

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