Donnerstag, 08. Dezember 2022

Kommentar zum COSCO-Streit
Kritik an geplantem Deal mit chinesischer Staatsrederei ist überzogen

Die tatsächliche Bedeutung der COSCO-Beteiligung im Hamburger Hafen ist sehr viel kleiner als der parteipolitische Streit darüber in Berlin, kommentiert Axel Schröder. Ein Aus für das chinesische Engagement berge größere Gefahren für den Standort.

Ein Kommentar von Axel Schröder | 25.10.2022

Spaziergänger sind am Strand von Ãvelgönne an der Elbe vor der Silhouette des Hafens unterwegs.
OSCO kauft nicht den Hafen, noch nicht mal einen ganzen Containerterminal, betont Axel Schröder (picture alliance / dpa / Christian Charisius)
Auf gar keinen Fall dürfen die Chinesen den Hamburger Hafen kaufen! Kein Ausverkauf der deutschen kritischen Infrastruktur! So in etwa, nicht mal besonders überspitzt formuliert, klingt die Kritik am geplanten Engagement der chinesischen Staatsreederei COSCO im Hamburger Hafen.

Keine überzeugende Kritik

Nur ist diese Kritik nicht überzeugend, sondern überzogen. COSCO kauft nicht den Hafen, kauft nicht den Terminalbetreiber HHLA, also die Hamburger Hafen und Logistik AG, noch nicht mal einen ganzen Containerterminal dieser HHLA.
Es ging von Anfang an darum, COSCO als Anteilseignerin an der kleinsten von vier Hamburger Umschlaganlagen, am Containerterminal Tollerort ins Boot zu holen. Dort werden jährlich 1,1 Millionen Container umgeschlagen, von insgesamt 8,7 Millionen Containern in ganz Hamburg. Natürlich muss genau hingeschaut werden, in welche Zweige der deutschen Wirtschaft sich ausländische Firmen einkaufen. Und natürlich würde eine Beteiligung anderer Reedereien an deutschen Hafenanlagen weniger Argwohn hervorrufen.

COSCO-Einstieg sichert Landungsaufkommen

Der Kompromiss unter den Ampelkoalitionären, der sich jetzt andeutet - statt einer 35- bekommt COSCO nur eine 24,9-Prozent-Beteiligung am Terminal - hilft aber hoffentlich, den Streit um die Beteiligung der Chinesen an einer einzigen Hamburger Hafenanlage beizulegen. In Hamburgs Konkurrenzhäfen Rotterdam und Antwerpen hält COSCO schon seit Jahren Anteile an den Terminals. Beide Häfen können also sicher sein, dass die Reederei einen Teil ihrer Fracht auch dort umschlägt.
Die Grafik zeit die größten Häfen in der EU nach Containerumschlag 2021
Sollte es zur Beteiligung von Cosco am Containerterminal Tollerort kommen, hätte das chinesische Staatsunternehmen in allen fünf Top-Containerhäfen der EU einen Fuß in der Tür. (Statista)
Würde die Bundesregierung nun den COSCO-Deal im Hamburger Hafen stoppen, bestünde zumindest die Gefahr, dass die Reederei Ladungsaufkommen aus Hamburg abzieht. Und das in Zeiten, in denen die Hafenkonkurrenz größer denn je ist und die gerade erst durchgeführte Elbvertiefung durch immer neue Schlickmassen fast zunichtegemacht wird.
Wer trotzdem befürchtet, dass COSCO durch eine Beteiligung missbräuchlich Macht auf Hamburger Hafenbetriebe ausüben könnte, vergisst dabei, wie viel Marktmacht die Reedereien, also CMA CGM, Hapag-Lloyd, Maersk oder COSCO heute schon haben. Der jetzt so heiß diskutierte, sehr überschaubare Deal im Hamburger Hafen würde an diesem Kräfteverhältnis so gut wie gar nichts ändern. Von Hamburg aus betrachtet liegt der Schluss nahe: Die tatsächliche Bedeutung der COSCO-Beteiligung im Hafen ist sehr viel kleiner als der parteipolitische Streit darüber im fernen Berlin.
Porträt: Axel Schröder
Porträt: Axel Schröder
Axel Schröder, geboren 1971 in Uelzen / Niedersachsen, hat in Göttingen und Berlin Soziologie, Politik, Jura und Publizistik studiert. Nach Stationen bei der „taz“ und dem „Freitag“ arbeitet er seit 2003 als freier Hörfunkjournalist. Seit vier Jahren berichtet er als Landeskorrespondent von Deutschlandradio aus Hamburg.