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StartseiteWirtschaft und GesellschaftStill ruhen die Container30.03.2016

HamburgStill ruhen die Container

Am Geschäft mit den Containern lässt sich ablesen, wie es um die Wirtschaft steht. HHLA - das steht für "Hamburger Hafen und Logistik AG", einen der wichtigsten Arbeitgeber in der Region. Unser Hamburg-Korrespondent Axel Schröder hat sich die Jahresbilanz angeschaut und weiß, ob die Container nun gefragt sind - oder herumstehen.

Von Axel Schröder

Sie sehen ein Terminal der HHLA in Hamburg, (picture alliance / dpa / Christian Charisius)
Die neuen Zahlen der HHLA sind nicht besonders gut. (picture alliance / dpa / Christian Charisius)

Das Konzern-Ergebnis von Hamburgs größtem Logistikunternehmen, der HHLA, fiel ernüchternd aus. Darüber konnte auch die beeindruckende Zahl von 6,5 Millionen im letzten Jahr umgeschlagenen Containern nichts ändern. Im Jahr davor waren es rund 12 Prozent mehr. Die Umsatzerlöse fielen um fast fünf Prozent auf 1,1 Milliarden Euro, das Betriebsergebnis schrumpfte auf 156 Millionen Euro. Aber das, so Vorstandschef Klaus-Dieter Peters, liege nicht etwa am Kurs der Firmenleitung, sondern an einem ganzen Bündel von Faktoren, auf die man keinen Einfluss habe.

"Die weltweite Wirtschaft wuchs geringer als jemals seit 2009, seit der Wirtschaftskrise. Chinas Wachstum - auch nicht unbekannt - verlangsamte sich deutlich. Russlands Wirtschaft verharrt weiter in der Rezession. Und die ukrainische Wirtschaft verharrt ebenfalls in der Krise, und warum wir die Ukraine immer separat ansprechen, ist natürlich klar: weil wir dort in Odessa ein uns zu hundert Prozent gehörendes Container-Terminal betreiben."

"Das hat uns gerade noch gefehlt"

Dazu kommt, dass der seit Jahren bekannte Sanierungsstau des Nord-Ostsee-Kanals erst jetzt in Angriff genommen wird und dass auch die Sediment- und Schlickablagerungen in den Hamburger Hafenbecken den Kapitänen das Manövrieren schwermachen:

"Und ich sage mal: 'Das hat uns gerade noch gefehlt!' Nachdem wir unseren Reedern seit vielen, vielen Jahren erklären müssen, dass die Elbvertiefung aus unterschiedlichen Gründen verzögert ist, müssen wir jetzt erklären, warum wir noch nicht mal die Solltiefen im Hamburger Hafen herstellen."

Und als sei das nicht genug, könne die Hamburger Hafen und Logistik AG eben nicht einfach die Nachfrage nach ihren Dienstleistungen beispielsweise durch Sonderangebote erhöhen. Denn der Wettbewerb unter den europäischen Häfen um Container, zwischen Hamburg, Antwerpen und Rotterdam wird schon seit Jahren ohnehin schon hart geführt. Dass der Jahresüberschuss mit einem Plus von 13,2 Prozent positiv ausfällt, liegt vor allem an den Zuwächsen im Intermodal-Geschäft der HHLA, sprich: am Transport von Gütern und Containern auf der Schiene.

20 neue Langstrecken-Lokomotiven hatte das Unternehmen im letzten Jahr angeschafft, zehn sollen in 2016 dazukommen. Angesteuert werden die Ostsee- und Adriahäfen, die Verkehre nach Istanbul werden aufgebaut. Und weil dieses Firmensegment auch in Zukunft wachsen soll, firmiert die HHLA ab sofort nicht mehr nur als "führender Hafenlogistiker in Europa", so Klaus-Dieter Peters:

"Wir werden diesen 'Selbst-Claim', wie man auf 'Neu-Deutsch' so schön sagt, in Zukunft dahingehend ändern, dass wir uns als 'führenden europäischen Hafen- und Transport-Konzern' verstehen!"

Alle Azubis sollen bleiben

Ganz ohne Einfluss bleibt das schwierige Marktumfeld auch für die Beschäftigten des Unternehmens nicht. Die Firmensparte, die bisher Spezialtransporte per Schiff angeboten hat, soll aufgegeben werden, so Firmenvorstand Heinz Brandt.

"Das ist ein Abbau von rund 95 Arbeitsplätzen. Da sind wir in Verhandlungen mit den Arbeitsnehmervertretern. Wir werden die verteilen auf unsere anderen Gesellschaften. Und wir werden dann zwar auch in gewissem Umfang sozusagen Altersteilzeitprogramme anbieten. Das wird aber nicht zwingend, jedenfalls nicht mittelfristig zu einem Arbeitsplatzabbau insgesamt führen."

Denn alle 300 Auszubildenden der HHLA sollen im Unternehmen bleiben dürfen. Schon allein für das Wachstum der Schienentransport-Bereichs der Firma seien diese Arbeitsplätze nötig. Immerhin hat genau dieser Bereich der HHLA in diesem Jahr die Bilanz gerettet.

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