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StartseiteUmwelt und VerbraucherStreit um Fernwärme13.06.2018

HamburgStreit um Fernwärme

Es geht ums Geld. Und um die Rolle des Kohlekraftwerks Moorburg. In Hamburg streiten sich derzeit Senat und Energiekonzern Vattenfall über den Rückkauf des Fernwärme-Netzes. Eine Lösung wäre, dass Vattenfall der Stadt beim Preis entgegenkommt, doch sieht Vattenfall-Chef Tuomo Hatakka dafür keinen Grund.

von Axel Schröder

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Das Kohlekraftwerk Moorburg im Hamburger Hafen.  (Imago / Strussfoto)
Der Hamburger Senat und der Energiekonzern Vattenfall streiten über die Rolle des Kohlekraftwerks Moorburg. (Imago / Strussfoto)
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Schon in sieben Jahren sollen Hamburger Fernwärmekunden mit nahezu klimaneutraler, CO2-freier Fernwärme versorgt werden. Das über 50 Jahre alte Kohlekraftwerk in Hamburg-Wedel soll abgeschaltet werden. So sieht es der Plan der Behörde für Umwelt und Energie vor. Wie das funktionieren soll, erklärt Behördensprecher Jan Dube:

"Wir haben als Umweltbehörde zum Jahresende 2017 ein Konzept vorgelegt, das zeigt, wie das Kraftwerk Wedel absehbar mit dezentralen Anlagen vor allem erneuerbarer Energien ersetzt werden kann. Dazu zählen industrielle Abwärme, ein Aquifer-Speicher, das ist ein unterirdischer Warmwasserspeicher, eine Wärmepumpe am Klärwerk Dradenau und vor allem Müllwärme aus Müllverbrennung, die dieses alte Kohlekraftwerk in Wedel ab 2022 ersetzen sollen."

Fernwärmepreise steigen

Außerdem soll ein kleines Gaskraftwerk gebaut werden, das in besonders kalten Winterperioden als Notfallreserve zur Verfügung stehen soll. Durch die Umstellung auf nahezu CO2-freie Fernwärme könnten die Energiekosten für die Verbraucher um maximal zehn Prozent steigen, so Jan Dube. Pieter Wasmuth, Vattenfalls Generalbevollmächtigter für Norddeutschland hält diese Rechnung für allzu optimistisch: "Wir kommen zu einem anderen Ergebnis. Irgendjemand muss das am Ende bezahlen. Unsere Kunden sind die Hauseigentümer, die Wohnungswirtschaft, die Verwaltungsgesellschaften. Die geben das an ihre Mieter weiter."

Nicht um zehn, sondern um bis zu 40 Prozent könnten die Fernwärmepreise steigen, wenn das Konzept der Stadt umgesetzt werden würde. Viel klüger und günstiger wäre es hingegen, Vattenfalls 2015 fertiggestelltes Kohlekraftwerk Moorburg ans Fernwärmenetz anzuschließen. Die Wärme sei ohnehin vorhanden. Mehr Kohlendioxid würde dadurch nicht freigesetzt werden. Aber genau das bezweifelt Behördensprecher Jan Dube: "Wenn Wärme aus dem Kraftwerk ausgekoppelt wird, muss zusätzliche Kohle verfeuert werden oder die verkaufte Strommenge muss reduziert werden."

Streit um Preis für Rückkauf

Auch Claudia Kemfert, Professorin am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung und Expertin für Energiewirtschaft, geht davon aus, dass durch eine Fernwärmeauskoppelung aus dem Kraftwerk Moorburg mehr Kohlendioxid ausgestoßen würde – jedenfalls dann, wenn dort zeitgleich so viel Strom wie heute produziert werden sollte. "Grundsätzlich ist es so, dass wenn man Strom und Wärme gleichzeitig produziert, der Wirkungsgrad dieses Kraftwerks sich erhöht, aber man auch gleichzeitig mehr CO2 produziert, weil der Input sich erhöht."

Aber es gibt nicht nur Streit um das bessere Fernwärmekonzept, sondern auch um den Preis für die Leitungen, durch die diese Energie verteilt werden soll. Vor vier Jahren hatten die Stadt und Vattenfall einen Mindestpreis für den geplanten Rückkauf vertraglich vereinbart: 950 Millionen Euro. Noch in diesem Jahr will die Stadt, der schon 25,1 Prozent des Fernwärmenetzes gehören, auch den Rest der Anteile kaufen. Das Problem dabei: nach ersten Zahlen aus dem derzeit noch laufenden Wertgutachten ist das Netz nur noch 651 Millionen Euro wert. Einen Kauf zu deutlich überhöhten Preisen verbietet aber das Hamburger Haushaltsrecht. Eine Lösung wäre, dass Vattenfall der Stadt beim Preis entgegenkommt. Vattenfall-Chef Tuomo Hatakka sieht dafür aber eigentlich keinen Grund: "Das ist vertraglich geregelt. Und wir müssen nicht verkaufen. Die Entscheidung liegt auf der Seite der Stadt."

Jan Dube, Sprecher der Behörde für Umwelt und Energie ist trotzdem zuversichtlich, dass sich der Streit beilegen lässt. "Ein Unternehmen, das langfristig, über Jahrzehnte in dieser Stadt Geschäfte machen möchte, muss sich natürlich überlegen, ob dies im Streit mit der Stadt langfristig gut möglich sein wird. Wir denken, dass diese Erkenntnis da ist und sich auch demnächst in den Verhandlungspositionen abbilden wird."

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