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StartseiteKommentare und Themen der WocheBei Trump muss man auf alles gefasst sein10.05.2019

HandelskonfliktBei Trump muss man auf alles gefasst sein

Der Handelsstreit zwischen den USA und China könnte zu einer weltweiten Rezession führen - das sollte der US-Präsident nicht riskieren, kommentiert Misch Erhardt. Doch die rüpelhafte Art von Donald Trump lässt nichts Gutes erahnen - auch für die Verhandlungen zwischen der EU und den USA.

Von Mischa Erhardt

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US-Präsident Donald Trump (AP)
US-Präsident Donald Trump setzt bei den Verhandlungen mit China auf Zuckerbrot und Peitsche (AP)

Das Prinzip, das der amerikanische Präsident anwendet, ist wohl bekannt: Es heißt Zuckerbrot und Peitsche. Zuckerbrot ist es, wenn er etwa von einem schönen Brief berichtet, den ihm sein chinesischer Amtskollege geschickt habe. Auch seine wiederholte Aussage, man sei auf gutem Weg in den Gesprächen und einem Deal sehr nahe, zählt zur Schokoladenseite seiner Kurznachrichten. Die Peitsche dagegen ist real, denn seit heute gelten wieder die erhöhten Strafzölle von 25 Prozent auf chinesische Waren im Volumen von 200 Milliarden Dollar.

Man muss angesichts dieser Konfrontation der Fairness halber aber auch sagen, dass die chinesische Seite wohl nicht ganz unbeteiligt an der Lage ist. Denn wie es scheint, ist China in bestimmten Fragen zurück gerudert und hat getroffene Zusagen kassiert oder wieder aufgeweicht. Fest steht aber: Handelskonflikt und Strafzölle haben das Potenzial, die Weltwirtschaft in eine Rezession zu stürzen. Und dieser Preis sollte auch einem amerikanischen Präsidenten zu hoch sein, wie berechtigt auch immer sein Ärger und seine Kritik sein mögen. Denn die Folgen des bisherigen Konfliktes lassen sich an verschiedenen Stellen ablesen.

China nicht aus der Verantwortung entlassen

Der konjunkturelle Gegenwind hat zugenommen, die Unsicherheit ist gestiegen, was Investitionen der Unternehmen bremst. Autobauer spüren die Zölle, weil sie in den USA Autos produzieren und sie nach China verkaufen – das gilt übrigens auch für den amerikanischen Elektroautopionier Tesla. US-Konsumenten sind von den Strafzöllen betroffen, denn für sie erhöhen sich schlicht die Preise für bestimmte Produkte. Und schließlich natürlich ist China betroffen, weil das Land seine Waren schwerer in die USA verkaufen kann. Das ist Sinn und Zweck der ganzen Sache. Das chinesische Wachstum hat sich bereits abgeschwächt. Und diese Bremswirkung wirkt sich direkt auch auf die globale Konjunktur aus.

Doch wäre es falsch, nur um des Wachstums Willen China leichtfertig aus seinem Teil der Verantwortung zu entlassen. Denn Kernpunkte der Kritik der USA an China sind berechtigt, etwa der Abbau von Hürden für ausländische Unternehmen im Land oder ein gesicherter Schutz geistigen Eigentums. Doch es wäre ein Gebot der Vernunft, statt der Peitsche den Weg der Diplomatie zu gehen, um eine Lösung zu finden und so Verbesserungen auf diesen Gebieten zu erreichen.

Trumps Verhalten lässt Böses ahnen

Das wäre vor allem Europa im Sinn von Europa und der Wirtschaft hierzulande. Denn in der kommenden Woche kann der amerikanische Präsident entscheiden, ob er europäische Autos als Gefahr für die nationale Sicherheit einstuft. Dann drohen ebenfalls Strafzölle von 25 Prozent. Die rüpelhafte Art des amerikanischen Präsidenten, noch während diplomatischer Verhandlungen mit China Strafmaßnahmen in Gang zu setzen, lässt nichts Gutes erahnen – auch mit Blick auf ein mögliches Handelsabkommen der EU mit den USA.

Spätestens nach dieser Woche mit Zuckerbrot und Peitsche muss man bei Trump wieder auf alles gefasst sein. Immerhin kann diese Erkenntnis helfen, um dann kühlen Kopfes die richtige Antwort parat zu haben, wenn er sich Europa vorknöpft.

Mischa Ehrhardt (©privat)Mischa Ehrhardt (©privat)Mischa Ehrhardt, geboren 1974 in Bayern, studierte Philosophie und Soziologie in Tübingen und Frankfurt. Nach seinem Studium absolvierte er ein Volontariat an der Evangelischen Journalistenschule in Berlin. Es folgten Moderationen und Planung von Wissenschafts- und Mediensendungen beim Hessischen Rundfunk, dort war er lange Jahre dann als Wirtschaftsjournalist tätig. Nach sechs Jahren im ARD-Börsenstudio für das Radio arbeitet er schließlich als Wirtschaftskorrespondent für den Deutschlandfunk in Frankfurt.

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