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StartseiteKommentare und Themen der WocheDeutschland darf nicht unter die Räder kommen06.07.2018

HandelsstreitDeutschland darf nicht unter die Räder kommen

Nachdem die USA Sonderzölle auf chinesische Waren eingeführt haben, hat China umgehend mit gleicher Maßnahme geantwortet. In einem drohenden Handelskrieg sei jetzt die Bundesregierung gefragt, kommentiert Clemens Kindermann. Denn Deutschland sei mehr als jedes andere Land auf freien Handel angewiesen.

Von Klemens Kindermann

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Arbeiter verladen im Hafen von Nantong (China) Säcke mit importierten Sojabohnen. (dpa-Bildfunk / AP / CHINATOPIX)
China hat mit Gegenzöllen auf die US-Strafzölle reagiert (dpa-Bildfunk / AP / CHINATOPIX)
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Der deutsche Philosoph Immanuel Kant war es, der das Paradox eines Handelskrieges freilegte: "Es ist der Handelsgeist, der mit dem Kriege nicht zusammen bestehen kann", schrieb Kant. Handel als partizipativer Akt zur Gewinnung allgemein höheren Wohlstands dient dem Frieden und damit allen Menschen.

Mit dieser Grundeinsicht Kants sollte die deutsche Bundesregierung in die Konsultationen mit Chinas Staatsführung am Montag und Dienstag in Berlin gehen. Denn China hat heute auf die US-Strafzölle spiegelbildlich mit Gegenzöllen reagiert und damit die kriegerische Spirale der Vergeltung in Gang gesetzt. Es gibt kaum einen Zweifel, dass US-Präsident Trump schon bald mit neuen Zöllen zurückschießt.

Auge um Auge, Zahn um Zahn

Da aber Trump sich für die deutsche Regierung bisher als weitgehend gesprächsresistent erwiesen hat, sollte Berlin nun dringend auf die angereiste Führung aus Peking Einfluss nehmen. Deren Ohr hat Bundeskanzlerin Merkel. Sie muss China dazu bewegen, das Auge-um-Auge-Prinzip zu durchbrechen. Im allerhöchsten Interesse vor allem deutscher Unternehmen. Denn Deutschland ist als Exportmacht dringender als andere auf ein funktionierendes multilaterales Handelssystem angewiesen.

Die Verunsicherung in den Unternehmen ist bereits deutlich greifbar, in Konjunkturbarometern und Geschäftsprognosen. Viele deutsche Firmen produzieren in China oder in den USA vor Ort und exportieren in das jeweils andere Land. Sie werden sehr betroffen sein. Viele Konzerne entscheiden jetzt im Herbst über ihre Investitionen.

Dabei müssen sie nun die direkten Effekte des Handelskrieges durch Verteuerung der Produkte und Rückgang des Absatzes kalkulieren. Aber auch die indirekten: China kann nur begrenzt mit Zöllen reagieren, weil es weitaus weniger Waren aus den USA einführt als umgekehrt. Daher ist zu erwarten dass China mit verstecktem Protektionismus erwidert: mit bürokratischen Hindernissen oder gezielt veränderten Produkt-, Umwelt- oder Gesundheitsstandards. Das würde auch die mehr als 5.000 deutschen Unternehmen in China massiv treffen. 

Keine Zeit verlieren

Auch wenn sich die Regierungskoalition in den letzten Wochen vor allem mit sich selbst beschäftigt hat: die weitaus wichtigere Herausforderung ist der heute begonnene Handelskrieg zwischen den beiden Elefanten-Volkswirtschaften USA und China. Deutschland darf da nicht unter die Räder kommen. Kant sagt: der Handelsgeist bemächtigt sich früher oder später jedes Volkes. Deutschland muss im eigenen Interesse dafür sorgen, dass das nicht zu spät geschieht.

   

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