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StartseiteEine WeltAustralien will Pekings Einfluss weiter trotzen06.03.2021

Handelsstreit mit ChinaAustralien will Pekings Einfluss weiter trotzen

Australien weiß, was es bedeutet, sich mit einem seiner wichtigsten Handelspartner anzulegen - spätestens seit der Forderung nach einer unabhängigen Untersuchung über den Ursprung des Corona-Virus. Doch Canberra will trotz Strafzöllen und einbrechenden Investitionen nicht einlenken. Im Gegenteil.

Von Andreas Stummer

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Flagge des australischen Parlament hinter dem Dachstuhl der chinesischen Botschaft in Canbera (imago / Lukas Coch)
China hat Australien weiter fest im Visier, das jedoch möchte neue Absatzmärkte erschließen (imago / Lukas Coch)
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"Join us against Xi‘s authoritarian bullying." – "By drinking a bottle or two of Australian wine and letting the Chinese Communist party know that we will not be bullied." – "Cheers and no bullying from China."

Hoch die Tassen und nieder mit Pekings "Mobbingtaktik". Per Internetvideo hoben 200 Politiker aus 19 Ländern symbolisch ein Glas australischen Weins: aus Solidarität mit den australischen Winzern. Deren gesamte Exporte nach China waren wegen eines 212 Prozent hohen Einfuhrzolls eingebrochen. Nur weil Canberra Peking die Stirn bietet, weil Australien es sich weiter verbittet, dass China sich in inneraustralische Angelegenheiten einmischt. Politisch und wirtschaftlich:

"Beide Seiten bewegen sich außerhalb internationaler Normen, aber beide glauben sie hätten recht ", sagt Yun Jiang vom australisch-chinesischen Handelsforum.

"Das ist eine Pattsituation. Ich fürchte die Beziehungen beider Länder werden sich weiter zu ihrem wirtschaftlichen Nachteil, verschlechtern."

Chinesische Investitionen in Australien auf Tiefstand

13 australische Industriezweige sind bisher von Importzöllen, Einfuhrboykotts oder Negativkampagnen der chinesischen Regierung betroffen. Von Wein, Getreide, Hummer und Fleisch über den Tourismus- und Universitätssektor bis hin zur Kohle. Gleichzeitig sind Chinas Investitionen in Australien um 61 Prozent zurückgegangen, auf den tiefsten Stand seit 15 Jahren. Auch wegen verschärfter Kontrollen der australischen Regierung. Die Wirtschaft schwächelt durch die Folgen der Coronakrise.

Um einen Ausverkauf angeschlagener einheimischer Großunternehmen zu verhindern, muss jede geplante Übernahme aus dem Ausland erst von der Finanzaufsichtsbehörde genehmigt werden. Anfragen aus China werden kategorisch aus Gründen nationaler Sicherheit abgelehnt.

"Es ist erstaunlich, aber auch ein gutes Zeichen, dass die großen Industrieverbände weiter hinter unserer Regierung stehen" sagt der Journalist und China-Kenner Peter Hartcher. "Die Chinesen haben Australien eine Pandemie und die erste Rezession in 30 Jahren beschert. Was sollten sie uns noch antun?"

Australien richtet seine Exportwirtschaft neu aus

Während China Australien weiter fest im Visier hat, orientiert sich die australische Exportwirtschaft um. Neue Absatzmärkte wurden erschlossen. Australische Gerste geht jetzt vor allem nach England, Schaf- und Rindfleisch vermehrt in die USA, Kohle nach Indien. Nur Eisenerz wird weiter ungehindert nach China geliefert und deckt dort 60 Prozent des chinesischen Bedarfs.

"Engpässe kann sich Peking im angekündigten Bauboom nach Corona nicht leisten", glaubt der Ökonom David Bassanese in Sydney. Die PR-Schlacht im Handelskrieg beider Länder habe Australien ohnehin längst gewonnen:

"Letztendlich liegt es an China, die Lage zwischen beiden Ländern zu entspannen. Die australische Regierung denkt nicht daran, klein beizugeben, denn die übrige Welt steht an ihrer Seite. Was immer China mit den Sanktionen gegen Australien erreichen wollte, dieser Schuss ist nach hinten losgegangen."

Flaschen mit australischem Wein in einem Regal (imago/James Ross)Der Handelsstreit zwischen Australien und China sei kein „Kulturkampf“, meint der Journalist Peter Hartcher. (imago/James Ross)

Chinesisch-stämmige Australier zwischen den Fronten

Forderungen und Sanktionen aus Peking, Misstrauen und Trotz in Canberra: in der diplomatischen Eiszeit zwischen China und Australien ist kein Tauwetter in Sicht. Die Leidtragenden des Konflikts sind über eine Million Australier chinesischer Abstammung. Nach einer Studie des Lowy-Instituts, einer unabhängigen Denkfabrik, würden sie immer öfter in ihrer neuen Heimat angefeindet und beleidigt. Restaurantbesitzerin Wan Lin lebt seit 25 Jahren in Sydney. Sie hat es satt, dass andere Australier zunehmend ihre Loyalität infrage stellten:

"Wir Einwanderer haben die Australier verteidigt, als die chinesische Führung sie als ‚Rassisten‘ beschimpft hat und Reisewarnungen für Touristen und Studenten ausgesprochen hat. Wir haben das getan, obwohl wir chinesisch-stämmige Australier selbst rassistisch angefeindet wurden."

Australien sucht sich neue Verbündete in Asien

China ist mit Abstand Australiens wichtigster Handelspartner. Chinas Erzfeind, die USA, sind Australiens wichtigster strategischer Partner:

"Beide unter einen Hut zu bekommen, ist eine politische Gratwanderung", meint Journalist Peter Hartcher. Weshalb Australien mit Indien, Japan und Indonesien starke Verbündete in Asien suche. Der Handelsstreit Australien gegen China sei zwar David gegen Goliath, so Hartcher, aber kein Kulturkampf "West gegen Fernost".

"Dies ist kein ethnisch motivierter Konflikt. Es stehen nicht Milliarden Chinesen gegen 25 Millionen Australier. Hier geht es darum, für Werte wie Freiheit, Unabhängigkeit und Demokratie einzutreten. Unser Ziel muss es sein, Australiens Souveränität zu schützen."

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