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StartseiteKommentare und Themen der WocheWährung als Waffe07.08.2019

Handelsstreit zwischen USA und ChinaWährung als Waffe

US-Präsident Donald Trump solle es mit den Strafzöllen nicht übertreiben, heißt es aus Peking. Denn sonst würde China seine Währung gegenüber dem US-Dollar abwerten. Trump hat sich in eine Sackgasse manövriert, meint Brigitte Scholtes, denn er hat nur die Hardliner in China gestärkt.

Von Brigitte Scholtes

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US-Präsident Donald Trump bei einer Stellungnahme im Weißen Haus. (dpa / picture alliance / CNP / Chris Kleponis)
Was die aktuelle Auseinandersetzung so schwierig macht, ist die Methode, mit der Trump vorgeht, meint Brigitte Scholtes. (dpa / picture alliance / CNP / Chris Kleponis)
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Es war ein deutliches Signal, das die Chinesen zu Wochenbeginn an die USA gesendet haben. "Übertreibt es nicht mit den Strafzöllen, denn sonst haben wir auch noch andere Mittel", so darf man die Abwertung der chinesischen Währung gegenüber dem Dollar wohl interpretieren.

Inzwischen hat China zwar versichert, man wolle die Währung nicht als Instrument im Handelskonflikt einsetzen. Und auch in Washington sind wieder moderatere Töne zu hören.

Einen Handelskrieg, erst recht einen, der über die Währungen ausgetragen wird, kann man nicht gewinnen. Das wissen eigentlich beide Seiten. Denn wenn eine Seite die Währung abwertet, dann schadet das allen.

Dann nämlich werden zwar zunächst jeweils die Exporte des Landes mit der schwächeren Währung billiger, aber nur solange, bis die andere Seite reagiert, etwa die Zinsen senkt.

Währung als Politikum

Die Währung ist wieder stärker zum Politikum geworden, seit die USA sich nicht nur gegenüber China, sondern auch gegenüber Europa über angeblich unfaire Wechselkurse beklagt. Das gesamte, lange Jahre gut eingespielte Weltwährungsgefüge droht durcheinander zu geraten.

Allein schon die Sorge, dass es so kommen könnte, lässt die Märkte weltweit erzittern. Gepaart mit den anderen Belastungen, etwa durch den Brexit oder die geopolitischen Spannungen am Golf wird daraus ein toxischer Cocktail.

Jetzt schon zeigt sich schließlich, wie zurückhaltend die Investoren agieren. Nicht nur die Stimmungsindikatoren sinken, auch die fundamentalen Daten schwächen sich ab – wie etwa heute die Industrieproduktion in Deutschland. Zu einer Rezession ist der Weg da nicht mehr weit. 

Dass China sich im weltweiten Handel Vorteile verschafft hat und nicht immer "fair" agiert, das ist Tatsache. Das sehen auch die Europäer so.

Denn die Chinesen wollen ihre Stellung in der Welt ausbauen. Im Grunde also ist der Handelskonflikt ein Kampf um die politische und technologische Führung in der Welt.

Ungeschickt und mit der Brechstange

Diesen Kampf haben auch andere Präsidenten vor Donald Trump schon aufgenommen. Auch der Kongress steht da grundsätzlich hinter ihm. Was aber die aktuelle Auseinandersetzung so schwierig macht, ist die Methode, mit der Trump vorgeht.

Er agiert mehr als ungeschickt, versucht mit der Brechstange die Interessen der USA durchzusetzen, indem er, wie dies leider sein Politikstil ist, mit Drohungen agiert und etwa Strafzölle verhängt. Das lässt China sich nicht bieten.

Es weiß, dass es mit der Währung notfalls ein machtvolles Instrument einsetzen könnte. Mit seinen Brachialmethoden hat Trump es nun geschafft, die Hardliner in China zu stärken, die einen Konflikt mit den USA erst einmal aussitzen wollen.

Sie wissen, dass er einen Erfolg braucht – spätestens bis zum kommenden Frühjahr. Denn im Herbst stehen die Präsidentschaftswahlen an. Und da muss Trump seinen Wählern etwas bieten.

So aber hat er sich in eine Sackgasse manövriert. Denn China mit seinem autoritären Regime steht nicht unter diesem Druck. 

 

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