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StartseiteVerbrauchertippWenn die Reparatur teurer ausfällt13.06.2019

Handwerker-KostenWenn die Reparatur teurer ausfällt

Fahrtkosten, Materialkosten, zusätzliche Arbeitszeit: War ein Handwerker im Haus, kommt die Rechnung bestimmt – und fällt oft höher aus als erwartet. Damit das nicht passiert, muss man genaue Absprachen treffen. Und auch die Handwerker sind verpflichtet, über Mehrkosten aufzuklären.

Von Klaus Deuse

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Ein Maler spachtelt die Wände eines Zimmers glatt. (picture alliance / dpa-Zentralbild/ZB / Patrick Pleul)
Bevor die Handwerker kommen, sollte man genau beschreiben, was gemacht werden muss – damit sie richtig kalkulieren. (picture alliance / dpa-Zentralbild/ZB / Patrick Pleul)
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Mit dem Installationsbetrieb hatte Andrea Heib schon gute Erfahrungen gemacht, war mit Leistung und Preis zufrieden. Nun wollte sie im Bad ein neues Waschbecken mit Unterschrank installieren lassen und erteilte dazu per Telefon den Auftrag. Bei der Rechnung erlebte sie allerdings eine Überraschung. 

"Nach dem Telefonat war ich der Überzeugung, dass das für einen Fachmann kein großes Ding ist und habe mit höchstens so um die 200 Euro gerechnet. Gebraucht hat er dann über drei Stunden, und zu bezahlen hatte ich dann über 400."

Die Überraschung hätte sich vermeiden lassen können, sagt dazu Carolin Semmler von der Verbraucherzentrale NRW. Sie rät, sich immer vorher über den Umfang der Arbeiten und die damit verbundenen Kosten zu informieren.

"Das Wichtigste ist, bevor Sie einen Auftrag vergeben, dass Sie sich Kostenvoranschläge einholen. Wir empfehlen immer zwei bis drei Kostenvoranschläge von verschiedenen Unternehmen, die Sie dann ganz genau vergleichen und erst dann schriftlich einen Auftrag vergeben."

Ein Kostenvoranschlag ist noch kein verbindliches Angebot

Beschreiben sollte man genau, was gemacht werden soll, damit der Handwerker kalkulieren kann. Ein Kostenvoranschlag ist allerdings noch kein verbindliches Vertragsangebot oder eine Festpreisvereinbarung. In diesem Stadium kann man mit dem Handwerker über die aufgeführten Leistungspositionen noch verhandeln, betont Carolin Semmler.

"Wichtig ist zu wissen: Wenn man hier auf der Grundlage dieses Kostenvoranschlags dann den Auftrag vergibt, und es tatsächlich am Ende teurer wird, ist das in Ordnung. Das heißt, man müsste auch zahlen."

Wann können Verbraucher frühzeitig kündigen?

Einen Auftrag sollte man darum erst nach einem detaillierten schriftlichen Angebot erteilen. Für das Verhältnis zwischen Unternehmen und Kunden gelten außerdem sogenannte verbraucherrechtliche Informationspflichten. Stellt sich während der Arbeiten nämlich heraus, dass die im Vertragsangebot veranschlagten Kosten höher ausfallen, dann hat der Handwerker die Pflicht, dies dem Kunden mitzuteilen. Auf jeden Fall ab einer Steigerung von 15 bis 20 Prozent.

"Dann kann der Verbraucher den Vertrag kündigen. Das heißt, dann kann er sagen, ok, jetzt möchte ich nicht mehr. Heißt aber auch, dass die Arbeiten, die bis dahin geleistet worden sind, natürlich auch bezahlt werden müssen."

Vorsicht bei der Abnahme von Arbeiten

Falls der Handwerker auf diese erhebliche Steigerung nicht hingewiesen hat, können Kunden gegebenenfalls auch einen Schadensersatzanspruch geltend machen. Immer wieder für Auseinandersetzungen sorgen auch die berechneten Fahrtkosten. Feste Regeln dafür gibt es jedoch nicht. Nach der bisherigen Rechtsprechung können Unternehmen durchaus den gleichen Stundenlohn wie für die Arbeitszeit ihrer Mitarbeiter ansetzen. Bevor eine Rechnung nach dem mit dem Unternehmen abgeschlossenen Werkvertrag fällig wird, muss der Kunde die Arbeiten abnehmen. Entweder mündlich, besser aber schriftlich, sagt Carolin Semmler.

Denn: "Zu dem Zeitpunkt dann muss die Rechnung auch bezahlt werden. Das bedeutet im Umkehrschluss: bei der Abnahme vorsichtig sein. Bevor ich also sage, ist in Ordnung, alles ok – genau prüfen, ist alles wirklich so, wie ich es haben wollte."

Im Zweifelsfall rät die Verbraucherberaterin, die Arbeiten und die Schlussrechnung von einem Fachmann überprüfen zu lassen und erst einmal nur eine Anzahlung zu leisten.

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