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StartseiteKultur heuteNorwegische Nächte12.07.2019

Harald Sohlberg im Museum WiesbadenNorwegische Nächte

Der Maler Harald Sohlberg ist noch zu entdecken. Dabei ist er neben seinem norwegischen Landsmann Edvard Munch ein Wegbereiter der Moderne. Das Museum Wiesbaden zeigt menschenleere Gemälde und Naturstudien des nordischen Malers. Ein Glücksfall, meint Rezensentin Anja Reinhardt.

Anja Reinhardt im Gespräch mit Stefan Koldehoff

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Harald Sohlbergs "Straße in Røros im Winter" von 1903 (Nasjonalmuseet / Borre Hostland, Jacques Lathion)
Harald Sohlbergs "Straße in Røros im Winter" von 1903 (Nasjonalmuseet / Borre Hostland, Jacques Lathion)
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Im Gegensatz zu seinem Freund Edvard Munch, der als einer der Wegbereiter der Moderne gilt, ist Harald Sohlberg (1869-1935) außerhalb von Skandinavien kaum bekannt. Sohlbergs Bilder entziehen sich den üblichen Kategorisierungen. Der Maler spielt mit Elementen des Symbolismus, Realismus und der Neuen Sachlichkeit – ohne ein Vertreter dieser Stilrichtungen zu sein. Das Museum Wiesbaden zeigt nun anlässlich des 150. Geburtstages des Künstlers in Zusammenarbeit mit dem Nationalmuseum Oslo die erste kontinentalauropäische Retrospektive.

Naiv und leuchtend, symbolisch und menschenleer 

Auch wenn Harald Sohlberg stilistisch schwer einzuordnen ist, zwei Merkmale ziehen sich durch sein gesamtes Werk: Die intensive Farbigkeit und das Thema Existentialismus. Das Licht der Sommerabende und –nächte ist ein wiederkehrendes Motiv, in leuchtenden Gelb- und Orangetönen fängt der Künstler die Stimmung des Nordens ein. Seine Winterbilder, vor allem die des Rodane Gebirges, sind in tiefe Blauschattierungen getaucht. Sohlbergs Naturlandschaften sind meist menschenleer, selbst seine Stadtansichten kommen ohne Menschen aus. Und oft ist auch dem Betrachter der Weg ins Bild versperrt: Bäume, Gatter oder Bauernwagen verstellen den Weg.

Erhabene Naturstudien 

Harald Sohlberg besuchte auf Studienreisen neben Paris auch Weimar und wahrscheinlich auch Dresden. Es ist anzunehmen, dass er die Werke Caspar David Friedrichs und Arnold Böcklins studierte und sich mit deren Naturphilosophie auseinandersetzte. Wie bei Friedrich ist Sohlbergs Natur erhaben über den Menschen – in der Natur kommt er zu sich selbst. Obwohl der Norweger offenbar tiefreligiös war, setzte er sich mit den gegen das Christentum gerichteten Schriften Friedrich Nietzsches auseinander.

Eher unbekannt ist der Künstler, weil er sich der Moderne nicht unmittelbar anschloss. Hinzu kommt, dass er an Bildern jahrelang feilte. Sohlberg war ein akribischer Maler und fertigte viele Skizzen an, bevor er ein Bild vollendete. Dass er nun anlässlich seines 150. Geburtstages wieder entdeckt wird, ist ein Glücksfall.

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