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HardwarenachrüstungKritik am Diesel-Kompromiss

Abendlicher Berufsverkehr auf dem Kaiserdamm im Zentrum von Berlin. Foto: Michael Kappeler/dpa | Verwendung weltweit (Michael Kappeler / dpa)
Der Verkehrsforscher Knie fordert weniger Privatautos in den Innenstädten. (Michael Kappeler / dpa)

Der neue Kompromiss zwischen Verkehrsminister Scheuer und den Automobilherstellern in der Diesel-Krise stößt auf breite Kritik - sogar innerhalb der Bundesregierung selbst: Umweltministerin Schulze bemängelt, dass die Nachrüstungen erst nach 2020 möglich sein sollen. Auch die Opposition und Experten äußern sich unzufrieden.

Die SPD-Politikerin Schulze erklärte, man begrüße zwar grundsätzlich, dass Daimler und VW bereit seien, Hardware-Nachrüstungen in 15 Städten mit besonders hoher Luftverschmutzung zu finanzieren. Dass die technischen Nachrüstungen aber erst nach 2020 möglich sein sollten, sei nicht nachzuvollziehen. Nach Angaben von Bundesverkehrsminister Scheuer haben VW und Daimler zugesagt, Besitzer älterer Diesel-Fahrzeuge mit bis zu 3.000 Euro zu unterstützen. BMW lehnt eine Hardware-Nachrüstung weiter ab.

Grünen-Fraktionschef Hofreiter erklärte, Verkehrsminister Scheuer und die Autokonzerne wollten den betrogenen Dieselbesitzern Neuwagen andrehen und verweigerten ihnen die Nachrüstung um weitere Jahre. Damit seien viele weitere Fahrverbote in Städten mit dreckiger Luft programmiert. Der Chef des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen, Müller sagte, die Zusagen einiger Hersteller, die Kosten für Hardware-Nachrüstung zu übernehmen, seien längst überfällig gewesen. Dass einige betroffene Dieselbesitzer aber ganz leer ausgingen, sei nicht vermittelbar.

Der Berliner Verkehrsforscher Knie kritisierte die aktuelle Diskussion um Nachrüstungen als zu kurzsichtig. Knie sagte im Deutschlandfunk, die Diskussion konzentriere sich auf Kleinigkeiten. Auch nach einer Hardwarenachrüstung bleibe das Diesel-Auto dreckig. Dies nütze weder der Umwelt noch der Qualität in den Städten. Knie sprach sich für eine tiefgreifende Verkehrswende mit deutlich weniger Privatfahrzeugen auf den Straßen aus. Die Menschen sollten auf das eigene Fahrzeug verzichten, sagte er. Dagegen sollte Carsharing quasi nichts kosten. Ferner müsse der Öffentliche Nahverkehr attraktiver werden. Auch der Bahnverkehr solle reformiert und mit mehr Geld ausgebaut werden.

Der Dieselskandal wurde ausgelöst durch eine Software-gesteuerte Manipulation der Abgasreinigung. VW hatte 2015 die Manipulation eingeräumt und damit den Diesel-Skandal in der gesamten Autobranche ins Rollen gebracht. In den Autos arbeitet ein Steuerprogramm, das die zusätzliche Stickoxid-Reinigung der Abgase etwa bei hohen Drehzahlen und in einem breiten Bereich von Außentemperaturen herunterregelt. Wenn die Abgasreinigung nicht richtig arbeitet, stoßen Diesel mehr gesundheitsschädliche Stickoxide aus. Da Luft-Grenzwerte in vielen Städten überschritten sind, werden inzwischen in mehreren Städten Fahrverbote für Dieselwagen angeordnet.