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StartseiteCorsoNever ending Story 12.10.2018

Harry-Potter-AusstellungNever ending Story

"Das kann ich nicht wirklich sagen, ob und wann es zu Ende geht", meint Andreas Waschk im Dlf über die Harry-Potter-Wanderausstellung. Das Bedürfnis der Fans, sich mit den Sachen aus der Wizarding World persönlich zu beschäftigen, werde nie aufhören. Gerade macht die Ausstellung im Filmpark Babelsberg Station.

Thekla Jahn im Gespräch mit Andreas Waschk

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Der sprechende Hut in der Harry Potter Ausstellung "The Exhibition" im Filmpark Babelsberg. (picture alliance / Manfred Thomas)
Der sprechende Hut in der Harry Potter Ausstellung "The Exhibition" im Filmpark Babelsberg (picture alliance / Manfred Thomas)
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Thekla Jahn: Wie bricht sich das Licht im Kelch des trimagischen Tuniers? Wie fühlt man sich in Hagrids Hütte, wie erst im Verbotenen Wald? Und wie lang ist eigentlich der Hogwarts-Express? Wer Harry Potter gelesen und die Filme gesehen hat, der hat eigene und inszenierte Bilder im Kopf – mancher will sie ergänzen und das sind gar nicht mal so wenige Menschen. Über fünf Millionen Harry Potter Süchtige haben sich bis heute " Harry Potter-The Exhibition" angeschaut – seit 2009 wandert die Ausstellung von Land zu Land: in New York, Sydney, Tokio, Köln, Paris, Shanghai und vielen Orten mehr konnten sich die Besucher die aufwändigen Kostüme von Harry, Lockhart und Co anschauen, Requisiten und Nachbildungen von Filmsets besichtigen – manches auch anfassen. Nun kommt die Schau in den Filmpark Babelsberg in die Caligari-Halle.

Uns zugeschaltet aus Potsdam ist Andreas Waschk – früher im Musikgeschäft - unter anderem für Veranstaltungen von Megastars wie den Stones, Michael Jackson oder Pavarotti zuständig – mittlerweile im sogenannten Family Entertaiment tätig und Geschäftsführer der Projektentwicklungsfirma AWC AG, die die Ausstellung für den deutschen Markt aufbereitet und veranstaltet. Schönen guten Tag!

Andreas Waschk: Guten Tag und schöne Grüße aus Potsdam!

Jahn: Herr Waschk, von den Stones zu Harry Potter ist schon ein Schritt. Haben Sie das nie bereut?

Waschk: Nein, das habe ich nicht bereut. Letztendlich ist das ein Eintauchen in eine komplett eigene Welt, die eine riesengroße Bedeutung mittlerweile bekommen hat und die ja letztendlich als Buch gestartet ist und eigentlich einen schönen Anspruch hat, und das ist eigentlich jeden Tag was Neues.

"Zeit mit den Erinnerungen zu verbringen"

Jahn: Die Ausstellung "Harry Potter", die ab morgen in Babelsberg Halt macht, ist nicht neu. Sie wurde 2009 in Chicago erstmals eröffnet, wandert seither von Land zu Land, von Ausstellungsort zu Ausstellungsort. 2014 war sie auch schon einmal in Deutschland. Da waren Sie auch dafür zuständig in Köln. Die Welt hat sich in den letzten Jahren, in den letzten zehn Jahren vor allem, stark verändert. Die Ausstellung läuft diese zehn Jahre fast schon. Hat sich auch diese Ausstellung verändert?

Waschk: Sie verändert sich in Details sozusagen. Also mittlerweile gibt es auch jetzt zum Schluss schon ein paar Hinweise auf das, was da kommen wird, auch auf den neuen Film, der kommen wird. Die hat sich schon weiterentwickelt, der Kern ist aber der gleiche geblieben, und das ist ja im Grunde die ganzen Kostüme und die Ausstattung aus dem Film. Das werden wir nicht weiter verändern, da passieren kleine Detailanpassungen, aber ich glaube, das ist das, was die Fans wollen: Zeit mit den Erinnerungen zu verbringen, die sie aus den Filmen kennen.

Das Bühnenbild für Hagrids Hütte in der Harry Potter Ausstellung (©Warner Bros. Entertainment Inc. ©2008 Chris Hollo/Hollo Photographics, Inc. ©JKR)Hagrids Hütte in "Harry Potter The Exhibition" (©Warner Bros. Entertainment Inc. ©2008 Chris Hollo/Hollo Photographics, Inc. ©JKR)

Jahn: Sie haben gerade gesagt, es gibt kleine Verweise schon auf den Film, der am 16. November in die Kinos kommt: "Phantastische Tierwesen: Grindelwalds Verbrechen". Was gibt es denn da Neues. Also wer in Köln war 2014, was sieht er jetzt, was er noch nicht gesehen hat?

Waschk: Bestimmte Charaktere, die mit dem neuen Thema zu tun haben. Mehr möchte ich da nicht verraten sozusagen. Die tauchen aber dann zum Schluss auch noch auf.

Jahn: Okay. Sie haben die Ausstellung mitkonzipiert für den deutschen Markt. Frage von mir aus: Wie viel Freiheit hatten Sie? Hat sich diese Ausstellung, die weltweit wandert, verselbstständigt, also ist sie inzwischen unabhängig von der Autorin Rowling oder hat sie weiterhin Kontakt und auch Einfluss auf die Ausstellung?

Waschk: Ja, das hat sie. Also letztendlich entscheidet sie, am Ende entscheidet sie über alle entscheidenden Fragen letztendlich. Also sie hat da immer noch eine enge Bindung dazu, insbesondere zum Standort Potsdam. Das muss man sagen, sie kennt die Studios, kennt das ganze Thema in Deutschland. In Köln war das das erste Mal, dass es überhaupt nach Deutschland gekommen ist. Viele Fans wollten das ja jahrelang haben, und wir haben uns ja auch schon Jahre vorher darum bemüht, die Ausstellung mal nach Deutschland zu holen letztendlich. In Köln haben wir sie veranstaltet in einem Science-Center.

Der Standort Babelsberg

Jahn: Jetzt haben Sie gerade gesagt, die Autorin hat eine spezielle Beziehung zu Babelsberg. Merkt man das in irgendeiner Weise an der Ausstellung?

Waschk: Also wir haben es zum Beispiel daran gemerkt, dass wir den Standort gar nicht großartig erklären mussten. Auf der ganzen Welttournee wird sehr sorgfältig ausgewählt, passt der Standort zum Produkt, passt es zu den Inhalten, und das war in Babelsberg überhaupt gar kein Problem letztendlich. Sie kannte die Studios, und alle waren begeistert, auch der ganze Cast, auch die beiden Phelps-Brüder sind ja hier, die Weasleys im Film, und alle finden das herrlich, dass es eine angemessene Kulisse ist.

Jahn: Es sind sehr, sehr viele fleißige Menschen natürlich jedes Mal im Hintergrund tätig, Menschen-Wizards sozusagen, die die Ausstellung für die Besucher ja zu einer magischen Veranstaltung machen möchten. Ist es in Babelsberg eine Besonderheit, haben Sie da etwas Besonderes gezaubert für die Besucher, angepasst an das Gelände des ältesten Großfilmstudios der Welt?

Waschk: Die Ausstellung ist außergewöhnlich schön, finde ich, auch im Verhältnis zu den Standorten auf der Tournee, weil es eben auch eine Originalkulisse ist, die Caligari-Halle, in der wir das jetzt eingebaut haben, passt hervorragend dazu. Ich glaube, man braucht keine zehn Sekunden, um in der Welt zu verschwinden letztendlich, und ich glaube, viele finden das auch sofort nachvollziehbar, dass wenn es irgendwo hier im Großraum Berlin stattfindet, dann gehört es eigentlich in den Filmpark.

Von einer Generation zur nächsten

Jahn: Fans sind treue Wesen, und sie bleiben auch Harry Potter treu, selbst wenn der letzte Harry-Potter-Band, wenn man das so sagen kann, vor über zehn Jahren erschienen ist, haben über fünf Millionen Menschen bislang die Ausstellung gesehen. Haben sich die Fans in dieser Zeit verändert? Konnten Sie das beobachten, stehen sie häufiger heutzutage im Quidditch-Umhang und mit poliertem Besen davor, oder …?

Waschk: Das grundsätzliche Verhalten, glaube ich, nicht so sehr. Es sind einfach viele neue Fans hinzugekommen. Da ist schon wieder die nächste Generation aufgetaucht. In Köln haben wir sehr viele Mütter mit ihren Töchtern gesehen, die im Grunde genommen die Bücher weitergegeben haben, und es ist eigentlich schon eine neue Generation entstanden.

Ein Mann erläutern Kindern die Ausstellungsszenerie mit Kostümen (Warner Broth. Entertainment Inc.Harry Potter)Dunkle Künste im Harry-Potter-Universum - zu sehen in The Exhibition (Warner Broth. Entertainment Inc.Harry Potter)

Jahn: Was ist mit denjenigen, die verkleidet in die Ausstellung kommen? Es gibt ja offenbar so einen Hinweis, dass man nicht mit allem Möglichen rein kann in die Ausstellung. Man muss alles Mögliche abgeben. Muss man denn auch seinen Zauberstab abgeben, seinen Umhang, seine Mütze, seine Zaubermütze?

Waschk: Letzteres nicht, aber wir wollen natürlich nicht, dass Requisiten beschädigt werden können letztendlich. Darauf passen wir auf. Aber ein Zauberstab oder ein Umhang wird nicht dazugehören.

Jahn: Jetzt ist auch immer ein Zeitfenster vorgegeben. Man darf nur in einer Viertelstunde, die festgelegt ist, rein in die Ausstellung, und dann hat man mehr oder weniger eine Stunde Zeit. Kann ich nicht länger drinbleiben, wenn ich mir sage, Mensch, das hat eine Menge Geld gekostet, ich möchte hier einfach noch ein bisschen länger verweilen und mir die Kostüme länger angucken und vielleicht auch die Kulisse noch mal oder den Expresszug sozusagen?

Waschk: Ja, das dürfen Sie. Also die Ausstellung hat nur einen definierten Zeitpunkt, wo sie startet letztendlich. Das ist ja auch einfach ein Versuch, das so fair wie möglich für die Fans zu machen. Natürlich ist an den Wochenenden ein solcher Andrang, dass wir eine Regelung brauchen, dass alle das gleiche Erlebnis auch haben, auch Zeit damit verbringen können, aber niemand wird gebeten oder gezwungen, die Ausstellung zu verlassen. Also es ist nach hinten offen. Es passiert nur, dass man durch die Ausstellung durchgeht und dann auch noch in dem Shop, der ja genauso gestaltet ist wie in den Filmen, auch noch wieder sehr viel Zeit verbringt, aber die Verweildauer ist nicht festgelegt. Wir machen nur einen gemeinsamen Start und wollen eben sicherstellen, dass die Menschen genügend Gelegenheit haben, sich auch mit den Details zu beschäftigen.

Jahn: Sie sagen das richtige Stichwort: der Shop. Das Ganze dieser Ausstellung ist natürlich auch eine gigantische Werbemaschine für die Erfinderin und ihre Bücher, die damit natürlich, wie Sie auch schon gesagt haben, den nachfolgenden Generationen anempfohlen werden. Die Welt der Zauberer zaubert den Machern dieser Ausstellung natürlich auch viel Gold in´s Säckel. Wieviel Einnahmen bringt diese Ausstellung?

Waschk: Es ist auf jeden Fall ein Riesenaufwand letztendlich, der getrieben wird. Wenn man eine solche internationale Blockbuster-Ausstellung baut, das ist auf jeden Fall ein siebenstelliger Aufwand, der passiert, und das Ergebnis steht dann am Ende immer fest.

Ende nicht in Sicht

Jahn: Und ist auch ein sich irgendwie selbsterhaltendes Universum aus Büchern, neuen Büchern, Filmen, Ausstellungen. Wie lange wird denn die Wanderausstellung noch von Land zu Land weiterziehen? Gibt es da ein fixes Datum oder irgendwann ein natürliches Ende, wenn der Besucherstrom allmählich versiegt?

Waschk: Das kann ich nicht wirklich sagen, ob und wann es zu Ende geht. Also ich kann mir nicht vorstellen, dass das Bedürfnis der Fans, sich mit den Sachen da persönlich zu beschäftigen, dass das aufhören wird. Im Gegenteil.

Jahn: Ein Wunsch von Ihnen, Andreas Waschk, Geschäftsführer der Projektentwicklungsfirma AWC AG, die diese Ausstellung für Deutschland veranstaltet. Vielen Dank Ihnen für das Gespräch! Und noch kurz die Frage, die Harry-Potter-Ausstellung, die jetzt ab morgen in Babelsberg zu sehen ist in der Caligari-Halle im Filmpark dort in Potsdam, wie lange wird sie dort bleiben?

Waschk: Also sie wird bis ins nächste Frühjahr bleiben, und irgendwann im März nächsten Jahres wird sie beendet werden und dann weiterziehen.

Jahn: Danke Ihnen, Andreas Waschk!

Waschk: Vielen, vielen Dank!

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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