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StartseiteInformationen am MorgenMerkel-Rede gegen Trump31.05.2019

Harvard Merkel-Rede gegen Trump

Ein Appell für Multilateralismus, Wahrhaftigkeit, wertorientierte und besonnene Politik: Angela Merkels Auftritt an der US-Eliteuniversität Harvard wirkte wie ein direkter Angriff auf Präsident Donald Trump - ohne dass die Kanzlerin diesen namentlich erwähnte. Dafür erntete sie stehende Ovationen.

Von Thilo Kößler

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30.05.2019, USA, Cambridge: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) steht am Rednerpult und spricht an Harvard Universität.  (dpa / Omar Rawlings)
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bei ihrer Rede an der Harvard Universität (dpa / Omar Rawlings)
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Es war der Slogan der Bundeskanzlerin in der Flüchtlingskrise, der ihr diese Ehrendoktorwürde der US-Eliteuniversität Harvard eingebracht hat. Es war Merkels "Wir schaffen das", was den Präsidenten der Universität, Larry Bacow, zu der Würdigung veranlasste, hier habe die Kanzlerin für das eingestanden, was sie für richtig gehalten habe.

Und diese Haltung nahm auch Margret Wang, die  Präsidentin der Harvard Alumni Association zum Anlass, Angela Merkel eine der respektiertesten globalen Führungspersönlichkeiten zu nennen.

Persönlichen Anmerkungen

Angela Merkel hat in den USA den Ruf, eine derjenigen Politikerinnen auf der internationalen Bühne zu sein, die für die multilaterale Weltordnung der Institutionen, Verträge und Konferenzen einstehen und für die westlichen Werte der Humanität. Damit gilt sie vielen liberalen Amerikanern als das Gegenbild und geradezu als Antithese zu US-Präsident Donald Trump.

Auch deshalb war ihre Rede an die Absolventen dieses Studienjahres in Harvard mit großer Spannung erwartet worden. Die Kanzlerin begann sie mit sehr persönlichen Anmerkungen zu ihrer Vergangenheit in der DDR im Angesicht der Mauer in Ostberlin, die ihr unüberwindlich schien: "Jeden Tag musste ich kurz vor der Freiheit abbiegen."

Aus der Geschichte des Mauerfalls, aus dem Zusammenwachsen Europas nach dem Krieg an der Seite der Vereinigten Staaten habe sie diese Lehre gezogen: "Was fest gefügt und unveränderlich scheint, dass kann sich ändern."

Indirekter Angriff auf Trump

In ihrer Rede an die junge Elite der USA wies Merkel auf die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts hin – und irgendwie wirkte alles so, als sei es auf den US-Präsidenten zugeschnitten, dessen Namen Merkel kein einziges Mal erwähnte.

"Protektionismus und Handelskonflike gefährden den freien Welthandel und damit die Grundlagen unseres Wohlstandes." Da gab stehende Ovationen für die Kanzlerin. "Der Klimawandel bedrohlt die natürlichen Lebensgrundlagen."

Deshalb, sagte die Kanzlerin, müssten die Politiker, die heute in der Verantwortung sind, und die Politiker, die morgen die Verantwortung tragen, alles Menschenmögliche tun, um diese Menschheitsherausforderungen zu bestehen.

"Ich werde mich deshalb mit ganzer Kraft dafür einsetzen, dass Deutschland, mein Land, im Jahr 2050 das Ziel der Klimaneutralität erreichen wird."

Appell gegen Protektionismus

Angela Merkel umriss in ihrer Rede ihr politisches Credo – und gab ihr damit den Charakter eines eindringlichen Appells: "Mehr denn je müssen wir multilateral statt unilateral denken und handeln. Global statt national. Weltoffen statt isolationistisch. Kurzum: gemeinsam statt allein."

Angela Merkel appellierte an Toleranz, Empathie und Respekt vor Religion, Geschichte, Tradition und Identitäten, wie sie sagte. Sie appellierte, zu den unveräußerlichen Werten zu stehen und sie als Leitbild für politisches Handeln zu nehmen. Dann werde vieles gelingen, sagte sie.

"Und wenn wir bei allem Entscheidungsdruck nicht immer unserern ersten Impulsen folgen, sondern zwischendurch einen moment innehalten, schweigen, innehalten, Pause machen."

Und Angela Merkel mahnte Wahrhaftigkeit und Ehrlichkeit in der Politik an: "Dazu gehört, dass wir Lügen nicht Wahrheiten nennen und Wahrheiten nicht Lügen." Mit dieser direkten Anspielung hatte die Kanzlerin endgültig den Ton getroffen - in einer Zeit, in der sich die Vereinigten Staaten in einer tiefen politischen Krise befinden, ausgelöst von einem Präsidenten, der auch mit der Wahrheit so seine Probleme hat. 

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