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StartseiteKommentare und Themen der WocheBER: Flughafenchef könnte es schaffen29.11.2019

HauptstadtflughafenBER: Flughafenchef könnte es schaffen

Kaum jemand glaubt noch, dass der Berliner Großflughafen wirklich am 31. Oktober 2020 eröffnet wird, kommentiert Claudia van Laak. Zu viele Termine seien bereits verstrichen, zu viele Managementfehler gemacht worden. Dennoch: Wenn einer den neuen Termin einhalten könne, dann der aktuelle Flughafenchef Engelbert Lütke-Daldrup.

Von Claudia van Laak

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Gras wächst zwischen Bodenplatten vor dem Hauptgebäude des Flughafens Berlin Brandenburg "Willy Brandt" BER (picture alliance / Bildagentur-online / Schoening)
Wo heute noch Gras wächst, soll am 31. Oktober 2020 der Flugbetrieb beginnen (picture alliance / Bildagentur-online / Schoening)
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Nun also der 31. Oktober 2020: An diesem Tag soll die peinlichste Baustelle Deutschlands zum Flughafen BER werden -  nach mehr als 14 Jahren Bauzeit. Zum Vergleich: der neue Flughafen Istanbul war in einem Drittel der Zeit fertig - und er ist dreimal so groß wie der BER.

Doch - wie glaubwürdig ist der heute versprochene Termin? Sechsmal bereits verkündeten verschiedene Flughafenchefs die Inbetriebnahme des Hauptstadtairports. Im Oktober 2011 sollte es soweit sein, dann im Juni 2012, März 2013, Oktober 2013, März 2016. Dann hieß es: irgendwann 2018. Heute nun der 31. Oktober 2020.

Entscheidender Fehler im Jahr 2012

Was ist da eigentlich los? Es gibt nicht DIE Ursache für das Chaos am BER, aber eine große Fehlentscheidung im Jahr 2012. Im Mai, nur vier Wochen vor der bereits perfekt geplanten Party, mussten Klaus Wowereit - damals Berlins Regierender Bürgermeister - und Matthias Platzeck - damals Brandenburgs Ministerpräsident - die Eröffnung absagen. Es wäre der ideale Moment gewesen, um innezuhalten. Nicht weiterbauen, sondern zunächst eine Bestandsaufnahme machen. Doch die Politik war hasenfüßig, niemand hatte den Mut zu dieser Entscheidung. Weiterwurschteln hieß die Devise. Die Architekten, die Planer und dann auch der Flughafenchef wurden vor die Tür gesetzt.

Die Personen, die sich auskannten, waren nun nicht mehr da und hatten ihre Pläne gleich mitgenommen. Für die Baufirmen waren diese Jahre ein einträgliches Geschäft. Die Flughafenmanager hatten versäumt, ordentliche Verträge mit ihnen zu schließen. So wurden die Baufirmen nach Tagen bezahlt, jede weitere Verzögerung des Baus spielte Millionen in ihre Kassen. Sie konnten kein Interesse an einer schnellen Inbetriebnahme des BER haben.

Die Wende kam mit Flughafenchef Lütke-Daldrup

Es war der jetzige Flughafenchef Engelbert Lütke-Daldrup, der Ruhe, Sachverstand und Ordnung in das Ganze brachte. Er nahm sich Zeit für eine Bestandsaufnahme, setzte ein ordentliches Projektmanagement auf, verhandelte die Verträge mit den Baufirmen neu. Sein Motto: nie zurückschauen, nur nach vorn. Er ließ sich auch von der Politik nicht unter Druck setzen. Weder von Wahlterminen in Brandenburg oder Berlin, noch von CSU-Bundesverkehrsministern namens Dobrindt oder Scheuer, von denen man den Eindruck gewinnen konnte, sie seien Lobbyisten der Flughäfen München oder Frankfurt. Immer wieder forderten sie eine schnelle Fertigstellung des BER - dabei ist der Bund zu einem guten Viertel Eigentümer der Flughafengesellschaft - also mitverantwortlich für Chaos und Gelingen. 

Am 31. Oktober 2020 sollen die ersten Flugzeuge am Airport BER starten und landen. Es liegt nicht an Flughafenchef Engelbert Lütke-Daldrup, dass nur wenige an dieses Datum glauben. Wenn es jemand schaffen sollte, dann er.

Claudia van Laak  (Deutschlandradio / Bettina Straub) Claudia van Laak (Deutschlandradio / Bettina Straub)Claudia van Laak, Jahrgang 1963, zog nach ihrem Studium von Germanistik, Journalistik und Wirtschaftswissenschaften in die "Noch-DDR". In Thüringen arbeitete sie beim MDR, wechselte dort als Landeskorrespondentin zum Deutschlandradio. Danach Korrespondentin in Brandenburg, jetzt Leiterin des Landesstudios Berlin.

 

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