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StartseiteVerbrauchertippWann die Mehrwertsteuersenkung greift02.07.2020

Haus-, Möbel- und AutokaufWann die Mehrwertsteuersenkung greift

Die Mehrwertsteuersenkung gilt für sechs Monate. Sie betrifft nicht nur Käse, Auto und Strom, sondern auch Dienstleitungen und Hausbau. Doch bei manchen Anschaffungen muss man besonders auf das Lieferdatum achten. Lohnt es sich also, bestimmte Einkäufe oder Vertragsabschlüsse vorzuziehen?

Von Tamara Hölscher

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Die Mehrwertsteuer soll zum 1. Juli 2020 gesenkt werden. Auf einem elektronischen Gerät ist die Aufstellung von Speisen inklusive Mehrwertsteuer zu sehen. (dpa/Robert Michael)
Die Mehrwertsteuersenkung, die am 1. Juli 2020 in Kraft getreten ist, gilt bis Ende des Jahres. (dpa/Robert Michael)
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Die Lebensmittelbranche hat früh angekündigt, dass sie die Senkung der Umsatzsteuer an ihre Kunden weitergeben wird. Ein einheitliches Konzept gibt es allerdings nicht. Während der eine Discounter drei Prozent auf das gesamte Warensortiment an der Kasse rabattiert, zeichnet eine andere Handelskette 40.000 Waren neu aus. Und das alles für ein halbes Jahr. Bis zum 31. Dezember 2020 soll die Umsatzsteuer verringert bleiben.

Doch lohnt sich die Senkung der Umsatzsteuer für den Endverbraucher überhaupt? Antworten auf der Straße: "Ob sich das jetzt so im Kleinen bemerkbar macht, bin ich mir nicht so sicher."

Ein Mann mit Mundschutz steht vor einem geöffneten Blumenladen in Regensburg.  (dpa) (dpa)Coronakrise - Kaufanreize durch Senkung der Mehrwertsteuer?
Das Bundeskabinett hat Teile des Konjunkturpakets auf den Weg gebracht, um die Wirtschaft nach der Coronakrise anzukurbeln. Eine Maßnahme ist die Senkung der Mehrwertsteuer ab dem 1. Juli. Händler kritisieren die Kurzfristigkeit.

Ausschlaggebend ist der Leistungszeitraum

Bei Großanschaffungen macht sich die Absenkung bemerkbar, und so hat die Passantin den Autokauf dann auch vorgezogen.

"Also wir haben tatsächlich ein neues Auto bestellt, schauen wir mal, ob das dann auch rechtzeitig kommt? Man muss ja die Rechnung zum richtigen Zeitpunkt bekommen."

Und darin liegt schon die erste Fehlannahme: Ausschlaggebend für die Senkung der Umsatzsteuer ist immer der Leistungszeitraum. Wann die Rechnung gestellt wird ist belanglos, so Robert Backes, Steuerberater und Umsatzsteuerexperte bei der Beratung Ebner Stolz:

"Umsatzsteuerlich unterscheiden wir zwischen Lieferungen und Dienstleistungen. Bei Lieferungen ist es so, dass der Tag an dem ich die Ware in Empfang nehme oder bekomme, ist dann der Tag der Lieferung. Bei Dienstleistungen ist es so: da kommt es auf die Beendigung an."

Möglicherweise muss man Steuern nachzahlen

Entscheidet man sich im Oktober also für eine neue Küche und wird diese dann erst im Januar 2021 eingebaut, muss man mit dem alten Steuersatz von 19 Prozent rechnen. Unabhängig davon, ob bereits eine Anzahlung mit dem derzeit geringeren Umsatzsteuersatz geleistet wurde. Dann heißt es sogar: drei Prozent Steuern nachzahlen. Wer also eine größere Anschaffung plant, sollte die längeren Lieferzeiten einberechnen.

Eine weitere Besonderheit der Umsatzsteuersenkung findet sich bei Bauprojekten: "Immer dann, wenn es an Privatpersonen geht oder auch an Unternehmen, die jetzt nicht zum Vorsteuerabzug berechtigt sind, nehmen wir Wohnungsbauunternehmen, wenn jetzt das Bauunternehmen im zweiten Halbjahr die Rechnung stellt und die Leistungen erbringt, dann profitiere ich eben auch enorm von dem niedrigeren Umsatzsteuersatz"

Bei Stromverträgen kommt es auf den Ablesezeitraum an

Findet die Abnahme des Bauprojekts also zwischen dem 1. Juli und dem 31. Dezember 2020 statt, müssen nur 16 Prozent Umsatzsteuer gezahlt werden – und zwar auf die gesamte Bausumme. Wird das Bauprojekt in diesem Jahr nicht abgenommen, kann man immerhin Verträge über Teilleistungen schließen, die dann gesondert vor dem 31. Dezember beendet und abgenommen werden müssen.

So ließe sich zum Beispiel bei Einbau einer Heizungsanlage oder einer sanitären Einrichtung Steuer sparen. Hierbei müssen jedoch auch die weiteren Konsequenzen der Abnahme wie zum Beispiel der frühere Beginn der Gewährleistungsfrist für die Teilleistung berücksichtigt werden.

Wenn nun kein Hausbau, kein Autokauf oder keine Gartenumgestaltung ansteht, so kann man immerhin einen Blick auf seine Stromabrechnung werfen, sagt Steuerberater Robert Backes. Dort kann es zu einem Mitnahmeeffekt für das ganze Jahr kommen:

"Es kommt bei diesen Stromverträgen immer auf den Ablesezeitraum an. Das heißt, es ist in dem Fall der Steuersatz relevant, der im Zeitpunkt des Ablesens gültig ist. Das heißt, wenn ich im Dezember ablesen lasse, wäre das für das komplette Jahr 16 Prozent, wenn jetzt aber erst im Januar abgelesen wird, würde wieder der 19prozentige Steuersatz auf die komplette Stromlieferung gelten."

Ein Foto der Zählerstände und die Rücksprache mit dem Energielieferanten können also dieses Halbjahr sinnvoll sein.

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