Dienstag, 02.06.2020
 
Seit 05:05 Uhr Informationen am Morgen
StartseiteVerbrauchertippSparen und Gutes tun zugleich03.04.2020

HaushaltsauflösungenSparen und Gutes tun zugleich

Haushaltsauflösungen nach dem Tod oder dem Umzug in ein Altersheim nehmen zu. Hinterbliebene stehen dabei vor viel Arbeit und etlichen Kosten. Wer sich die Mühe macht, Brauchbares auszusortieren, findet dafür oft gemeinnützige Abnehmer, die kostenfrei vieles mitnehmen.

Von Detlev Karg

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
Stühle stehen vor einem Second-Hand-Laden in der Bornholmer Strasse in Berlin-Prenzlauer Berg zum Wiederverkauf Secondhand-Laden *** Chairs stand in front of a second hand shop in the Bornholmer Strasse in Berlin Prenzlauer Berg for resale secondhand shop  (imago stock&people)
Was muss weg, was ist noch zu gebrauchen, was können andere noch gebrauchen? (imago stock&people)

Diese Schrankwand aus den 1970er-Jahren hat es nicht mehr in die Lagerhallen der Emmaus-Gemeinschaft im Kölner Norden geschafft. Dort findet sich, was etwa nach Haushaltsauflösungen übrigbleibt, zu einem günstigen Preis wieder. Von diesem Verkauf erwirtschaften die 30 Mitglieder der katholischen Gemeinschaft ihren bescheidenen Lebensunterhalt. Gut 40.000 Euro im Monat muss Willi Does, der Leiter der Kölner Emmaus-Gemeinschaft erwirtschaften. Das funktioniert, mit brauchbarem Gebrauchten: 

"Gute Möbel. Also nicht mehr so Riesendinger. Der Gelsenkirchener Barock ist out. Oder auch der sechstürige Kleiderschrank ist mega-out, geht gar nicht mehr. Kleinere Möbel, Hausrat, Kleidung, Bücher."

In einem wohlhabenden Land wie Deutschland bleibt, etwa nach dem Tod eines Menschen, mehr übrig als dessen Angehörige gebrauchen können, die im Zweifel natürlich selber alles besitzen, was man im Alltag benötigt. Die kostenlose Abholung, wie sie Emmaus und zahlreiche andere Initiativen in Deutschland anbieten, hilft also beiden Seiten. Die Nachfrage ist größer als das, was Willi Does und seine Mitarbeiter schaffen: 

"Wir könnten in Köln mühelos zehn Emmaus-Gemeinschaften mit zehn Hallen bestücken. Unsere Hallen sind immer voll. Wir müssen eher reduzieren, wir müssen eher absagen, wir haben bis zu 50 Anrufe am Tag."

Nichts für Initiativen: mit Unrat vollgestopfte Wohnungen

Echte Entrümpelungen müssen die Emmaus-Mitarbeiter allerdings ablehnen, allein schon aus Umweltgründen, wenn es etwa um die fachgerechte Entsorgung von Sondermüll wie etwa furnierten Sperrholzmöbeln, Farben, Medikamenten und Kühlschränken geht. Auch mit Unrat vollgestopfte Wohnungen sind natürlich nichts für Initiativen, die mit Brauchbarem ihr Geld verdienen. Hier müssen dann doch professionelle Haushaltsauflöser wie etwa Uwe Wallner aus Niederkassel bei Köln tätig werden, denen oft so manche böse Überraschung begegnet: 

"Das Schlimmste, was ich erleben musste, war eine Messi-Wohnung, die schlimmer war als alles, was wir bis dahin etwa im Fernsehen gesehen haben. Da waren die Räume voll von den Fenstern bis zu den Türen, von Wand zu Wand, vom Boden bis unter die Decken. Man kam nicht in die Räume. Da haben wir statt einem veranschlagten Tag drei volle Tage gebraucht und ich musste sehr jonglieren, um andere Aufträge nicht stornieren zu müssen." 

Immerhin lassen sich so die Kosten reduzieren, wenn ein Haushalt aufgelöst werden muss: Das was brauchbar ist, lässt man kostenlos abholen und hilft so Menschen, die vom Verkauf dieser Dinge leben. Die Lagerhalle von Emmaus unweit der Kölner Ford-Werke ist jedenfalls täglich gut besucht. Hausrat und Elektrogeräte zu einem günstigen Preis finden ebenso ihre Abnehmer wie Kleider. Vor allem junge Leute schätzten oft den Retro-Look vergangener Zeiten als Alternative, denn, so Willi Does: 

"Bei der Kleidung hat sich in den vergangenen zehn Jahren doch einiges getan. Die Qualität der Kleidung ist durchweg schlechter geworden. Kleider kann man nicht einmal mehr als Lumpen verwenden, das Recycling ist schwierig, der Markt überschwemmt." 

In ganz Deutschland gibt es Selbsthilfeinitiativen, die bei der Auflösung von Haushalten helfen. Aufgrund der vielen Anfragen und oft begrenzten Kapazitäten sollte man mit einem Vorlauf von vier Wochen bis zur Abholung rechnen.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk