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StartseiteVerbrauchertippSchnelle Hilfe auf Knopfdruck16.05.2019

HausnotrufSchnelle Hilfe auf Knopfdruck

Ein Hausnotrufgerät kann Leben retten. Viele Senioren, aber auch Menschen mit Behinderung oder Risikopatienten haben gute Chancen, dass die Pflegekasse die Kosten dafür übernimmt. Verbraucherschützer raten zu einer genauen Prüfung optionaler Leistungen.

Von Margret Bielenberg

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Eine Frau benutzt einen Notrufknopf den sie am Handgelenk trägt. (dpa /  Frank May)
In Deutschland nutzen inzwischen knapp eine Million Menschen einen Hausnotrufdienst (dpa / Frank May)

Wer beispielsweise in seiner Wohnung stürzt, Luftnot bekommt oder Schwindel verspürt, fühlt sich sehr viel sicherer, wenn er einen Hausnotruf hat, sagt Petra Gfell vom Pflegestützpunkt Hamburg Altona.

"Der Hausnotruf ist ein auf Telefontechnik basierendes System über ein oftmals am Telefonanschluss festinstalliertes Empfangsgerät und einen tragbaren Notrufsender, zum Beispiel als Brosche, Kette, als Armband."

In der Wohnung wird ein Basisgerät mit Freisprechanlage installiert. Das wird ans Telefon angeschlossen. Und mit dem Notrufsender kann man sich etwa 30 bis 50 Meter von der Basisstation entfernen. Wird der Knopf auf dem Sender gedrückt, nimmt die Notrufzentrale Sprachkontakt auf und weiß durch die individuelle Kennung, wer den Notruf ausgelöst hat. Viele Senioren, aber auch Menschen mit Behinderung oder Risikopatienten mit Herzkreislaufschwäche oder Diabetes beispielsweise, haben gute Chancen, dass die Pflegekasse Kosten für den Hausnotruf übernimmt.

Pflegekasse übernimmt oft die Kosten

"Voraussetzung ist überwiegend allein lebend, und ein Pflegegrad muss vorliegen. Von Pflegegrad 1 bis 5 hat der Hilfebedürftige Anspruch auf Kostenübernahme durch die Pflegekasse. Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen hat mit den Hausnotrufanbietern eine Pauschale vereinbart in Höhe von 23 Euro."

Diese Pauschale wird monatlich gezahlt, und das Hausnotrufgerät wird leihweise überlassen. Sind Kunden Privatzahler fallen circa 23 bis 29 Euro für die Basisleistung an. Hinzu kommen einmalige Anschlusskosten von meist bis zu 60 Euro. Im Hausnotruf-Basistarif müssen die Grundleistungen enthalten sein, sagt Christoph Kranich von der Verbraucherzentrale Hamburg.

"Es gibt so ein paar Mindestkriterien. Es muss immer jemand ans Telefon gehen, wenn das Ding benutzt wird, und es muss immer jemand einschätzen, was ist."

Derjenige, der den Notruf entgegen nimmt, hat mindestens eine intensive Schulung erhalten, um einen medizinischen Notfall am Telefon zu erkennen. Oft sind die Mitarbeiter medizinisch oder pflegerisch vorgebildet. Der Hausnotrufdienst kontaktiert, je nachdem, den Rettungsdienst, den Hausarzt oder die Angehörigen. Leistungen darüber hinaus, wie zum Beispiel eine Schlüsselhinterlegung, ein mobiler Hausnotruf für unterwegs oder ein Funksender mit Falldetektor, der bei einem Sturz einen Notruf absetzt, müssen extra bezahlt werden. Wird ein Fehlalarm ausgelöst und der Rettungsdienst rückt umsonst an, kann der Einsatz einige hundert Euro kosten.

Kündigungsfristen vorab klären

Wichtig bei der Auswahl des Notrufdienstes ist die Beratung vor Vertragsabschluss, sagt Christoph Kranich. Da es viele optionale Leistungen gebe, müsse die Situation des Antragstellers genau besprochen werden. Die räumlichen und technischen Voraussetzungen sollten vor Ort geklärt werden. Dazu gehöre auch ein Funktionstest. Und auch die Zahlungsmodalitäten und Kündigungsfristen sind vorab zu besprechen. 

"Wenn ich mir vorstelle, dass ich auf einmal kein Vertrauen mehr zum Notdienst habe, weil er nicht gekommen ist oder so, möchte ich eigentlich die Möglichkeit haben, ihn sehr schnell zu kündigen."

Die Kosten für einen Hausnotruf als haushaltsnahe Dienstleistung können von der Steuer abgesetzt werden. Dabei spielt es keine Rolle, ob der Pflegebedürftige in seiner eigenen Wohnung, einem Seniorenheim oder in einer betreuten Wohnanlage lebt.

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