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StartseiteVerbrauchertippSchnelle Hilfe auf Knopfdruck06.08.2018

HausnotrufdiensteSchnelle Hilfe auf Knopfdruck

Mit einem Hausnotrufdienst kann schnell und einfach Hilfe in die eigenen vier Wände geholt werden. Gemeinnützige Verbände und private Unternehmen bieten den Service an. Laut Stiftung Warentest zeigen sich bei einigen Diensten allerdings Schwächen - vor allem beim Thema Einfühlungsvermögen.

Von Dieter Nürnberger

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Eine Frau benutzt einen Notrufknopf den sie am Handgelenk trägt. (dpa /  Frank May)
In Deutschland nutzen inzwischen knapp eine Million Menschen einen Hausnotrufdienst (dpa / Frank May)
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Vor allem für Alleinstehende oder gesundheitlich eingeschränkte Personen kann ein Hausnotrufdienst sinnvoll sein. Denn oft ist niemand vorhanden, der sich bei Problemen zuverlässig und schnell kümmern kann. Hausnotrufdienste werden von gemeinnützigen Verbänden wie dem Deutschen Roten Kreuz oder dem Malteser Hilfsdienst - aber auch von privaten, gewinnorientierten Unternehmen angeboten. Die meisten Anbieter arbeiten dabei mit ganz ähnlicher Technik, sagt Warentesterin Swantje Waterstraat.

"In der Regel ist es so, dass die gemeinnützigen Verbände und auch einige private Anbieter mit einem Basisgerät arbeiten, was in der Wohnung steht. Zudem auch mit einem sogenannten Funkfinger, den der Kunde entweder am Arm oder um den Hals trägt. Es gibt aber auch mobile Systeme, da kann man eben den Notruf auch von unterwegs auslösen - wenn man gerade spazieren oder einkaufen geht."

Die Mitarbeiter in den Notrufzentralen können bei einem Hilferuf sofort Namen und Adresse, sowie auch wichtige Gesundheitsinformationen und angegebene Kontaktpersonen, beispielsweise Angehörige, einsehen. Anschließend wird in der Zentrale über das weitere Vorgehen entschieden.

Neun Hausnotrufdienste geprüft

"Positiv fiel auf, dass die Zentralen die Notrufe meist schnell entgegennahmen - innerhalb weniger Sekunden bis zu einer Minute. Und sie informierten relativ schnell die Angehörigen. Dennoch hat ein Anbieter bei der Bearbeitung des Notrufs nur mit "mangelhaft" abgeschnitten. Hier war es so, dass sich die Zentrale einmal gar nicht gemeldet hat, sondern nur Angehörige über eine Smartphone-App benachrichtigt wurden. Und in einem anderen Fall reagierte die Notrufzentrale erst nach zwei Minuten."

Irritierend für den Hilferufenden: Nicht immer war auf dem Hausnotrufgerät ersichtlich, ob tatsächlich ein Notruf ausgelöst wurde.

Untersucht wurden neun Hausnotrufdienste. Keiner erhielt eine gute Bewertung. Kritisch wurden oft die Gesprächsverläufe bewertet. Obwohl die Anbieter angeben, geschultes Personal einzusetzen, verliefen viele Gespräche zur Klärung einer Notrufsituation eher oberflächlich. Warentesterin Swantje Waterstraat sagt, dass generell zu wenig nachgefragt werde.

"Das Thema Einfühlungsvermögen: Und hier haben wir festgestellt, dass viele Anbieter zu wenig auf die Bedürfnisse der meist älteren Kunden eingehen. Wie sie eben erkennen, ob ein medizinischer Notfall vorliegt, oder ob es sich um eine pflegerische Notlage handelt, bei der auch Angehörige schnell einspringen können. Das könnte besser sein."

"Haftungsausschluss-Klauseln halten wir für unzulässig"

Besonders ärgerlich in der Untersuchung: Viele Anbieter schließen in ihren Verträgen die Haftung für bestimmte Fälle aus. Die Klauseln von sechs Anbietern waren unwirksam. Weshalb vor allem die gemeinnützigen Anbieter keine gute Gesamtbewertung bekamen.

"Beispiel: Wenn man Schäden infolge von Missverständnissen ausschließen möchte. Oder auch Schäden, die durch Schwerhörigkeit oder Demenz des Kunden entstehen. Das sind aber jene Fälle, die gerade bei dieser Kundengruppe vielleicht häufiger vorkommen. Solche Haftungsausschluss-Klauseln halten wir für unzulässig. Außerdem fanden wir Preisänderungsklauseln, die unwirksam waren oder auch nicht ausreichende oder falsche Informationen zum Widerruf."

Die Grundleistung der Hausnotrufdienste kostet in der Regel bis zu 30 Euro monatlich. Hinzu kommen noch einmalige Anschlusskosten für das Gerät von rund 60 Euro. Hat ein Nutzer einen Pflegegrad, übernimmt meist die Pflegekasse die Kosten. Allerdings müssen die Hausnotrufdienste von den Kassen anerkannt sein.

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