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StartseiteFirmenporträtDer schwierige Weg zum Aluminium31.01.2020

Heikle RohstoffgewinnungDer schwierige Weg zum Aluminium

Aluminium wird in vielen Zusammenhängen gebraucht - im Autobau genauso wie in Küchen und auf Baustellen. Sein Ausgangsstoff Aluminiumoxid aber ist problematisch: hoher Energieverbrauch, viele Rückstände und heikle Rohstoffgewinnung. Es gibt in Deutschland nur noch eine Firma, die Aluminiumoxid herstellt.

Von Godehard Weyerer

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Firmengeländer der AOS, der Aluminiumoxidwerke in Stade (AOS)
Wichtiges Produkt, heikle Herstellung bei AOS, der Aluminiumoxidwerke in Stade (AOS)
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55 Hektar groß ist das Firmenareal der AOS, der Aluminiumoxidwerke in Stade. Das Werk wurde 1973 gegründet, heute ist es Deutschlands letzter Standort, an dem Aluminiumoxid, der Ausgangsstoff für Aluminium, gewonnen wird. Das AOS-Firmengelände liegt direkt am Ufer der Unterelbe. Mit eigenem Hafen, erklären die Geschäftsführer Volker Richter und Hartmut Borchers.

"Wir haben in Stade einen sehr günstigen Standort, logistisch gesehen, die Seeschiffe kommen direkt bis ans Firmengelände. Das war für die anderen Standorte in der Bundesrepublik nicht gewesen. Zum zweiten haben wir eine Technologie bereits zu Anfang gehabt, die wir immer verfeinert haben, die sehr energieeffizient ist. Das ist wohl auch der zweite Erfolgsfaktor für dieses Standort, dass wir heute noch arbeiten.

Umstrittene Bauxit-Nutzung aus Guinea

Aluminiumoxid zu gewinnen, ist sehr energieintensiv. Pro Tonne wird die die gleiche Menge an Energie benötigt, die ein vierköpfiger Haushalt in einem Jahr verbraucht. Eine Million Tonnen Aluminiumoxid stellt das Werk pro Jahr her. Aluminiumoxid wird aus Bauxit gewonnen. Die Stadener importieren das rote Gestein aus dem westafrikanischen Guinea.

"Bei Aluminium sehen wir am Beispiel Guinea, dass es zumindest zu Protesten vor Ort kommt, dass dort die Wasserquellen verseucht werden, dass die Wertschöpfung, die Aufarbeitung des Bauxit zu Aluminium an anderen Orten stattfindet, zum Beispiel in Stade in Deutschland".

Wo noch bis vor kurzem die Felder der Dorfbewohner lagen, entsteht jetzt eine Zugstrecke für den Abtransport des Bauxits. (Deutschlandradio / Benjamin Moscovici) (Deutschlandradio / Benjamin Moscovici)Guinea: Ein Dorf verklagt die Weltbank
Der Bauxit-Abbau in Guinea wird durch einen Weltbank-Kredit befördert. Die Folge: Menschen müssen ihre Heimat verlassen, um den Baggern Platz zu machen. Zurück bleibt zerstörte, unnutzbare Erde. Ein Dorf in Guinea wehrt sich jetzt gegen die Landenteignung.

Michael Reckorth arbeitet als Rohstoffexperte bei PowerShift, einem Verein, der sich für eine gerechtere Energie- und Weltwirtschaft einsetzt.

"Es gibt in Guinea gerade eine Klage gegen die Weltbank, wo sich 540 Personen aus der Bauxitminen-Region im Nordosten Guineas zusammengeschlossen haben und Klage eingereicht haben aufgrund von Umsiedelungen, es ist ihnen damit sozusagen die Lebensgrundlage entzogen worden. Es gibt eine Wasservergiftung aufgrund des Einsatzes von Chemikalien bei der Bauxitgewinnung, es gibt eine Luftverschmutzung. Diese Beschwerde ist gerade anhängig bei der Weltbank.

Verhandelt wird in Washington, dem Sitz der Weltbank. Im Unterschied zu den Kritikern in den NGOs sieht die Weltbank im Bauxit-Geschäft in Guinea einen Beitrag zur Entwicklung. Daher hat sie vor kurzem dem größten Bergbauunternehmen des Landes einen Kredit in Höhe von 900 Millionen Dollar eingeräumt. Für ein Drittel des Kredites bürgt die Bundesrepublik Deutschland - mit der Bedingung, dass Bauxit auch an die Elbe verschifft wird. Garantierte Laufzeit: zehn Jahre.

Als Arbeitgeber wichtig in der Region

Das Bauxit aus Guinea wird in Stade gemahlen und unter hohem Druck und einer Temperatur von bis zu 270 Grad aufgebrochen. Als Lösungsmittel dient Natronlauge. 100.000 Kubikmeter benötigt das Werk davon pro Jahr.

"Hier kommt der gemahlene Bauxit, richtig dosiert mit Lösungsmittel drin. Die Pumpen fördern das Gemisch in den Reaktor hinein, wo die Stofftrennung stattfindet, wo der Teil, den wir haben wollen, ins Lösungsmittel übergeht, und von dem getrennt wird, der zurückbleiben sollen."

500 Beschäftigte arbeiten in den Aluminiumoxidwerken in Stade. AOS ist der drittgrößte Arbeitgeber in der Region, 50 junge Menschen werden derzeit ausgebildet. Jurik Mendel ist im zweiten Ausbildungsjahr.

"Ich lerne den Beruf des Elektronikers für Automatisierungstechnik. Im letzten Lehrjahr werden wir ausgebildet speziell auf den Betrieb. Regeltechnik, Sensorik."

Einen Stock tiefer üben sich die angehenden Metalltechniker und Industriemechaniker an den Werkbänken.

"Wir wissen ja, dass wir als einzige Oxid-Fabrik in Deutschland diejenigen sind, die dafür sorgen müssen, dass es auch morgen noch weitergeht. Dafür brauchen wir gut ausgebildetes Personal, insofern sind wir gut beraten, die Grundlagen dafür zu schaffen".

Die Konkurrenz sitzt in China

Der AOS sitzt die Konkurrenz im Nacken, vor allem die aus China. Die Hälfte des weltweiten Aluminiumoxids stammt bereits von dort. Für eine Tonne Aluminiumoxid wird die doppelte Menge Bauxit benötigt. Als Produktionsabfall fällt Rotschlamm an. Er wird auf eine Deponie gebracht. Fünf Kilometer vom Werk entfernt erhebt sich inmitten des flachen Moores eine 15 Meter hohe Front: die Dämme, die den roten Schlamm zurückhalten.

"Man hat von vorne herein mit Hilfe von Grundbauingenieuren ein Konzept aufgestellt, das die Dammsicherheit absolut in den Vordergrund stellt".

Größere Gefahr, erklärt Geschäftsführer Hartmut Borchers, droht vielmehr von anderer Seite. Sollten sich hier in Deutschland im Zuge der Energiewende die Strom- und Gaspreise ein weiteres Mal erhöhen, könnte dies das Ende der heimischen Aluminiumherstellung einläuten. Noch ist es nicht soweit. Noch werden in Stade über eine Million Tonnen Aluminiumoxid hergestellt. Die Bundesregierung scheint ein Interesse zu haben, dass das so bleibt. Ohne Aluminiumoxid kein Aluminium. Aluminium ist ein Produkt, von dem wir alle gut leben – in der Küche, am Bau, im Flugzeug. Das meiste Aluminium wird verbaut in Autos. Da will man nicht gänzlich abhängig sein von ausländischen Anbietern.

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