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StartseiteEssay und DiskursDas große Missverständnis 06.10.2019

Heimatbegriff in der KulturgeschichteDas große Missverständnis

Teil 2/2

Obwohl sich viele Menschen in aktuellen Debatten am Wort Heimat sehr stark gestoßen hätten, sei es "im Grunde ein sehr menschenfreundlicher Begriff", sagt Susanne Scharnowski im Dlf. In ihrem neuem Buch möchte die Autorin mit Missverständnissen in der historischen Verwendung des Begriffes aufräumen.

Susanne Scharnowski im Gespräch mit Barbara Schäfer

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"Wanderer über dem Nebelmeer" des Künstlers Caspar David Friedrich (picture alliance/dpa/Foto: Britta Pedersen)
Caspar David Friedrichs Gemälde "Wanderer über dem Nebelmeer" ist ein Sinnbild der Romantik. (picture alliance/dpa/Foto: Britta Pedersen)
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Schlüsselwort, Reizwort, Kampfbegriff, das alles trifft auf "Heimat" zu. Trefflich, dass 90 Prozent aller Deutschen laut Umfragen Heimat wichtig finden. Und die deutsche Sprache tut uns den Gefallen, dieses einzigartige Wort zu besitzen, welches sogar als Exportschlager taugt. Denn die vermeintliche Unübersetzbarkeit gilt als Beleg dafür, dass Heimat ein urdeutsches Wort sei.

Susanne Scharnowski hat den Begriff Heimat untersucht und gewendet. Sie fand eine Geschichte der Missverständnisse und hat ein Buch geschrieben, das mit diesen Missverständnissen aufräumen möchte. Aus der Sicht der Literaturwissenschaftlerin hat sie zahlreiche Texte, Filme, Studien und andere Materialien in Zusammenhang mit dem Heimatbegriff gesichtet, vor allem deutsche Quellen. Das wichtigste Ergebnis ihres Buches sei, sagt sie, die "Erkenntnis, dass auch die deutsche Heimat sehr viel weniger mit Nation und Staat zu tun hat, als immer wieder unterstellt wird".

Die Literaturwissenschaftlerin Susanne Scharnowski ist wissenschaftliche Mitarbeiterin an der FU Berlin und war DAAD-Lektorin für deutsche Sprache an Universitäten in Cambridge, Melbourne und Taipeh.


Barbara Schäfer: Susanne Scharnowski ist heute Gast im Studio, Literaturwissenschaftlerin für deutsche und englische Literatur, an der FU Berlin promoviert mit einer Arbeit über Clemens Brentano. Sie war DAAD-Lektorin an Universitäten in Cambridge, Melbourne, Taipeh und sie ist wissenschaftliche Mitarbeiterin an der FU Berlin mit eigenen Lehrveranstaltungen zur deutschen Kulturgeschichte. Frau Scharnowski, Ihr Buch "Heimat – Geschichte eines Missverständnisses", über das wir heute reden wollen, erschien in diesem Jahr. Heimat ist vieldeutiges Wort, ein viel bearbeitetes Thema und ein immer wieder Debatten auslösender Begriff in Deutschland. Was hat Sie interessiert und dazu bewegt, zu diesem Thema neu und weiter zu forschen?

Susanne Scharnowski: Sie haben recht, es ist in der Tat schon sehr umfassend erforscht, aber gerade in den letzten Jahren gab es ja nicht nur akademische, sondern auch politische Debatten, bei denen sich sehr viele an dem Begriff Heimat sehr stark gestoßen haben. Nicht erst oder besonders seit Horst Seehofer sein Ministerium so getauft hat. Es gibt so bestimmte, sagen wir mal, Schlagworte, die immer wieder die Runde machen. Also in allen möglichen Debatten, in akademischen und politischen Debatten, tauchen mehrere Aussagen auf wie zum Beispiel: Die Heimat ist ein Wort, das erst in der Romantik emotional aufgeladen wurde. Oder: Heimat ist ein Begriff, der durch den Nationalsozialismus kontaminiert ist.

Der Philosoph und Schriftsteller ("Das Prinzip Hoffnung" 1954-59) Ernst Bloch am 30. März 1967.  (picture alliance / dpa) (picture alliance / dpa)Teil 1: Heimat als Utopie - Der offene Begriff 
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Gerade bei diesen beiden – man könnte noch hinzufügen, Heimat ist ein Gefühl oder Heimat ist für jeden etwas anderes –, das sind so Sätze, wenn Sie das bei Google eingeben, finden Sie Hunderttausende von Fundstellen. Da ich mich schon länger mit Heimatliteratur, Heimatfilm und Heimat als Begriff in meinen Seminaren beschäftigt habe, hat es mich interessiert zu überprüfen, ob das eigentlich stimmt, also was an diesen Aussagen überhaupt dran ist, und um das zu tun, habe ich dann angefangen eben – Sie sagten ja, ich bin eigentlich von Hause aus Literaturwissenschaftlerin –, aber ich habe halt versucht zu schauen, in welchen Diskursen, in welchen Debatten, auch in welchen populärkulturellen Erzeugnissen hat Heimat im Laufe der letzten, sagen wir mal 200 Jahre eine Rolle gespielt, um diese immer wieder relativ kritiklos wiederholten Aussagen zu überprüfen.

Heimat als politisches Schlagwort

Schäfer: Heimat wurde im Laufe der Jahrhunderte verteufelt, verklärt, geschmäht, vergessen, wiederentdeckt, aber für 90 Prozent der Deutschen ist Heimat wichtig. Was ist dabei Ihren Erkenntnissen nach die genaue Begründung, dass Deutsche das so wichtig finden?

Scharnowski: Da muss ich kurz einen kleinen Schlenker machen, weil Heimat ist natürlich ein deutsches Wort, und zu den vielen Missverständnissen, mit denen ich mich beschäftigt habe, gehört eben auch dieses, dass Heimat erstens etwas sei, was es so nur auf Deutsch gebe, weil es eben ein deutsches Wort ist, das man schwer übersetzen kann, und dann sind wir auch gleich bei dieser Frage, warum ist es für die Deutschen so wichtig? Das ist natürlich schon eine gelenkte Frage. Das Wort ist natürlich emotional aufgeladen, Heimat ruft bei, ich glaube, zehn Prozent oder in manchen Umfragen auch 20 Prozent sehr negative Gefühle hervor – das kann man auch verfolgen, die schreiben dann Bücher, die heißen: Eure Heimat ist unser Alptraum –, aber bei den meisten, wie Sie sagen, eben sehr positive. Warum das so ist?

Meine These ist, das ist nicht immer so, das ist vor allen Dingen in Umbruchzeiten so. Es ist also immer dann, wenn man kann es historisch relativ genau positionieren, man kann sagen industrielle Revolution, nach dem Zweiten Weltkrieg, wenn die Heimat vollkommen kaputt ist, immer dann wird Heimat wichtig. Aktuell, das war ja der Auslöser für all diese Umfragen, die in den letzten zwei Jahren veröffentlicht wurden, haben wir es eben mit Globalisierung zu tun und mit anderen Umbrüchen. Ich glaube, das ist also nicht so, dass man sagen kann, das ist nur für die Deutschen und immer nur für die so wichtig, sondern es ist zu bestimmten Zeiten wichtig – immer dann, wenn die Befürchtung im Raum steht, etwas verändert sich zu schnell oder man hat Angst, dass es verlorengeht oder etwas in dieser Richtung.

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Heimat als Gefühlsbewirtschaftung

Schäfer: Schauen wir in die politische Landschaft: Da sieht es ja tatsächlich so aus, dass der Rechtsaußen-Flügel das Wort Heimat eigentlich so weiternutzt, wie die Nationalsozialisten es getan haben, immer als irgendwie Propaganda. Die AfD wirbt ganz schlicht mit "Dein Land, deine Heimat", es gibt Neonazigruppen aus Thüringen, die nennen sich "Thüringer Heimatschutz". Diese Zusammenhänge kennen wir und haben wir eigentlich hinter uns lassen wollen in der Bundesrepublik. Sie sind wieder da. Das Heimatministerium haben Sie eben schon erwähnt, nicht nur das Bundesministerium des Inneren von Horst Seehofer, sondern auch die CSU hat ja eines in Bayern gegründet, auch NRW hat so etwas. Links fremdelt man nach wie vor mit dem Heimatbegriff, weil es eben zu oft für politische Propaganda schon missbraucht worden ist dieses Wort, aber jetzt stehen SPD und Grüne auf und wollen den Begriff eben nicht der AfD überlassen. So haben wir plötzlich wieder ein ganz breites politisches Spektrum, das irgendwie Heimat umkämpft. Ist das auch wiederzufinden in diesen Umfragen, dass die Deutschen das so sehen wie die Politiker – oder gibt es da ein ganz anderes Spektrum an Heimatbestimmung?

Scharnowski: Also, wie die Politiker das sehen, weiß man ja im Einzelnen nicht. Sie benutzen es ja zunächst mal. Ich würde sagen, die Logik ist umgekehrt: Weil so viele Deutsche es so positiv sehen, benutzen es die Politiker, und das ist ja auch klug in gewisser Weise. Man sagt, das ist den Menschen wichtig, und dann signalisieren wir Ihnen, wir kümmern uns um die Heimat. Was die dann jeweils darunter verstehen, ist ja sehr unterschiedlich. Steinmeier hat, glaube ich, letztes Jahr eine Rede gehalten, in der er Heimat als Projekt beschrieb, da geht es dann darum, die Sozialdemokratie – okay, er ist Bundespräsident, aber er kommt natürlich aus der Sozialdemokratie –, die immer sehr zukunftsversessen gewesen ist seit ihrer Gründung, schaut eben nicht so gerne auf das, was zu bewahren ist, das klingt zu konservativ, sondern sieht dann Heimat als Projekt. Kathrin Göring-Eckhart hat im Winter in Bayreuth einen Vortrag gehalten – oder war es Bamberg, ich habe es vergessen –, jedenfalls sagte sie dort, es ist genug Heimat für alle da.

Das sind, wenn man so will, Beschwichtigungsformeln, und ich finde den Begriff Propaganda in diesem Kontext falsch, weil Propaganda klingt immer so fürchterlich staatlich gelenkt, aber es ist eine Form politischer Kommunikation, in der Heimat genutzt wird. Wie gesagt, ich finde das nicht illegitim, ich finde es auch per se gefährlich. Die Frage ist halt immer: Ist das, wie Sie fragen, trifft das das Bedürfnis der Bürger? Ich zitiere auch in meinem Buch am Ende, eine Studie, die im Auftrag der Adenauer-Stiftung entstanden ist, da wird geschaut, was wir mit dem Begriff Heimat anfangen können, das ist so eine Art Politikberatung. Da wird dann sinngemäß gesagt, ja, man muss den Bürgern Räume zur Verfügung stellen, in denen sie irgendwie ihre Gefühle äußern können. Das ist natürlich sehr unpolitisch, das ist wirklich so eine Gefühlsbewirtschaftung, und man könnte, wenn man das politisch wendet, vielleicht eher darüber sprechen, in welcher Form können Bürger in Form von Mitbestimmung oder Mitbeteiligung an politischer Gestaltung eben auch ihre Heimat mitgestalten. Ich halte es immer für schwierig, wenn man das nur so als neoidealistische Gefühlsblase bewirtschaftet, und da kann ich vielleicht gleich noch drauf kommen, dass mir die Materie dabei wichtiger ist.

Heimat ist unübersetzbar

Schäfer: Heimat, das deutsche Schlüsselwort, um das wir uns hier heute im Gespräch bewegen. Sie haben sich aufs Neue, muss man sagen, weil natürlich nicht als Erste, durch die kulturelle Geschichte dieses Begriffs Heimat gearbeitet und damit auch durch das kulturelle Gedächtnis der deutschen Gesellschaft – und Sie räumen mit sehr vielen Annahmen auf, zum Beispiel damit, dass Heimat ein urdeutscher Begriff ist, das ist ja auch so ein stehender Satz, und in andere Sprachen eigentlich gar nicht übersetzbar sei. Ich glaube, das ist immer noch so der übliche Jargon, davon geht man aus. Sie haben eine umfassende Literaturrecherche dem Buch zu Grunde gelegt und auch neben Texten und Studien eben zahlreiche Filme geschaut. Gibt es Heimat nur so auf Deutsch? Was ist Ihre Schlussfolgerung?

Scharnowski: Also, das Wort – vielleicht mal eine ganz grundsätzliche Anmerkung –, das Wort, jedes Wort ist, wenn ich es übersetze, verliert etwas. Das weiß jeder, der in mehreren Sprachen lebt. Ich kann kein Wort, wenn man mal absieht von irgendwelchen Präpositionen, mit dem vollen Assoziations- und Konnotationsspektrum übersetzen, das geht sowieso nicht. In dieser Hinsicht ist Heimat wie auch viele andere Wörter unübersetzbar. Aber meine Kenntnis anderer Kulturen ist vor allen Dingen, sagen wir mal, solide, wenn es um die angelsächsischen Kulturen geht, weil ich die Sprache kann, da gibt es natürlich ähnliche Phänomene, die anders genannt werden. Wenn wir jetzt Heimat begreifen als eine Vorstellung, die – das wird ja auch oft gesagt – etwas mit Land zu tun hat und mit Idylle und mit einer unberührten Natur oder so, dann gibt es natürlich in anderen Kulturen … Also, im Englischen spricht man dann von the English countryside, die besonders emotional besetzt ist. Also, es gibt in vielen Kulturen Vorstellungen von einer verklärten oder emotional affektiv besetzten Landschaft, gerade im 19. Jahrhundert findet man das eigentlich in ganz Europa.

Im Buch gebe ich das Beispiel sense of place, also der Sinn für den Ort, oder auch was ganz Emotionales, das können Sie überhaupt nicht übersetzen, Ortssinn ist etwas total anderes, das ist eine Orientierung. Also, ich finde halt die Argumentation schräg: Wenn ich sage, es gibt das nur in der deutschen Sprache, dann wird daraus ja auch oft geschlossen – und das tat man auch, übrigens auch zu Zeiten, als politische Propaganda wirklich rabiat war, in Zeiten des Ersten Weltkriegs –, da hieß es dann … Houston Stewart Chamberlain, der war gerade Deutscher geworden, hatte die deutsche Staatsbürgerschaft angenommen und hat in einem Brief geschrieben: Ja, nur die Deutschen lieben ihre Heimat und die Engländer sehen das Fremde überhaupt nicht, und die Franzosen kleben an der Erde wie eine Katze, aber die Deutschen ziehen in die Welt hinaus und wissen umso mehr, was sie an ihrer Heimat zu schätzen haben. Das ist wirklich astreine nationalistische Propaganda. Insofern ist das Argument etwas prekär, würde ich sagen.

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"Eure Heimat ist unser Albtraum" – dieser Titel versammelt Essays von 14 Autorinnen und Autoren über Alltagsrassismus, Diskriminierung und Nationalismus, aber auch Ideen für die Zukunft, wie ein besseres Zusammenleben möglich werden könnte. 

Schäfer: Erstes Aufräumen. Ein weiteres Aufräumen findet statt bei Ihnen zum Beispiel, dass der Begriff Heimat in der Romantik politisiert wurde. Das ist etwas, Sie haben es auch eingangs schon erwähnt, das ist etwas, da starten Sie, da werfen Sie Ihre Angel aus, das ist nicht so. Angeblich soll der Begriff Heimat in der Romantik politisiert worden sein und die vermeintliche Naturverbundenheit der Romantik gilt als Wegbereiterin für die Heimatschutzbewegung, das wiederum fließt dann in die nationalsozialistische Blut-und-Boden-Ideologie. Warum hält sich diese Fehlinterpretation, und warum lag Ihnen daran, damit aufzuräumen?

Wanderer über dem Nebelmeer: literarische Romantik und Heimat

Scharnowski: Also zum einen, Sie haben es eingangs gesagt, ich habe mal über die Romantik promoviert, ich habe auch schon meine Magisterarbeit über Novalis geschrieben, und immer wenn ich diesen Satz gehört habe – und man hört ihn ja wirklich oft –, dann habe ich mich gefragt, komisch, wieso habe ich davon eigentlich nichts mitbekommen, ich kenne mich doch in der Romantik aus. Also das war das eine, das war zum einen die akademische Sicht, die sagte, da ist irgendwas dran faul. Das Zweite ist, nach dem Zweiten Weltkrieg hat sich vor allen Dingen eine Deutung durchgesetzt, die in Deutschland wahnsinnig wirkungsmächtig war bei der Frage, wie konnte es zum Nationalsozialismus kommen, hat sich durchgesetzt, was Thomas Mann unmittelbar nach dem Krieg sagte, die Deutung, dass der Nationalsozialismus quasi ein Rückfall in die Barbarei, in den Irrationalismus gewesen sei, eine Abkehr von der Aufklärung. Das ist ja ein relativ schlichtes Denkmodell: Aufklärung, moderne Zivilisation, gut, Romantik, irrational, schlecht, und deshalb muss der Nationalsozialismus da einsortiert werden. Da steckt also sehr viel drin, da steckt nicht nur drin, die Romantik hat den Begriff geprägt, sondern auch: Was ist der Nationalsozialismus gewesen. Insofern, das kann man nicht getrennt voneinander behandeln.

Ich habe ja vorhin schon gesagt, die Vorstellung, dass Heimat eine Art Harmonie mit der Natur oder ein idyllisches Landleben oder dergleichen bedeutet, das findet man in der Romantik in der Tat überhaupt nicht. Also die erste Frage war, was ist überhaupt Romantik. Politische Romantik, da gibt es ein wichtiges Buch von einem sehr umstrittenen Denker zu, aber es gibt vor allen Dingen literarische Romantik, Frühromantik, Spätromantik und so weiter. Ich habe mich durch die literarischen Texte, aber auch durch viele Texte der politischen Romantik hindurchgelesen und habe festgestellt, natürlich gibt es in der Romantik Nationalismus, Patriotismus und viele Gedanken zum Thema Volk, Gemeinschaft und so weiter, aber ohne das Wort Heimat. Da kommt das Wort Heimat überhaupt nicht vor. Es kommt vor in der Literatur, in Gedichten, in Novellen, in Märchen, in Romanen. Also gerade bei Eichendorff, der ja nach dem Krieg sowohl von Adenauer als auch von der DDR vereinnahmt wurde als großer Dichter der deutschen Heimat, findet man das Wort häufig, aber es ist so ganz und gar unpolitisch. Es knüpft eigentlich eher an an eine alte Verwendung des Wortes Heimat, die aus dem religiösen Kontext kommt, also diese Vorstellung, unsere Heimat ist im Himmel. Gerade nach dem Dreißigjährigen Krieg findet man das auch in den Kirchenliedern Paul Gerhardts zum Beispiel. Die nimmt die Romantik auf, diese Vorstellung, dass unsere Heimat im Himmel ist, und diese Wendung, die die Romantiker vollziehen, das ist jetzt so eine Art Kunstreligion. Die Dichter und Künstler, die streben aber gerade fort von dem Landleben, von den arbeitenden Bauern. Also Eichendorffs Taugenichts, der freut sich, als sein Vater ihn rausschmeißt. Der Vater ist Müller, und der Sohn will in die Welt hinaus und will Abenteuer erleben.

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"Angst davor, zu Hause bleiben zu müssen"

Schäfer: Also auf keinen Fall in der Heimat als festen Ort.

Scharnowski: Im Gegenteil. Also alle Helden der romantischen Romane wollen immer nur eins: weg.

Schäfer: Aber das ist es, es ist, so wie Sie es beschreiben, eine Art virtueller Ort und Sie schlagen ja auch den Bogen – ich greife jetzt mal vor – von der Romantik, von Caspar David Friedrichs Bild "Der Wanderer über dem Nebelmeer" – ein Sinnbild der Romantik – zu den digitalen Nomaden, Wanderern, Nomaden von heute, die mit ihren Laptops und digitalen Geräten überall eine Heimat finden. Ein großer Zusammenhang, den Sie da herstellen. Ist denn der Heimatbegriff oder das Selbstbildnis von Heimat, progressiv?

Scharnowski: Ich würde sagen, es ist romantisch. Also das mit dem Wort progressiv. Also über das Thema Fortschritt könnte man vielleicht auch noch einiges sagen in dem Kontext, aber das Entscheidende ist der Impuls sowohl der Digitalnomaden als auch der Romantiker als auch schon der Hippies, die nach Kathmandu gezogen sind, ist: weg aus der verwalteten Welt, weg auch von diesem ganzen Arbeitenmüssen. Das ist ein wichtiger Punkt, also das haben viele schon bei der Romantik beobachtet: Für das Arbeiten interessieren die sich ja gar nicht. Es ist das Unterwegssein, die Reise. Von da ist es gar nicht so weit zum Hermann Hesse, den man dann mitführt, wenn man auf einem Hippietrail nach Marokko oder Nepal unterwegs ist. Die zeitgemäße Variante ist die des Digitalnomaden oder - ich habe ein tolles Wort gefunden, eine englische Anthropologin hat das Wort Domophobie geprägt, also das ist die Angst davor, zu Hause bleiben zu müssen. Das ist es eigentlich, also dieses Fortgezogenwerden. Insofern – ist es progressiv oder nicht, ich weiß es nicht, es ist romantisch, es ist, was man schon um 1.800 beobachtet, die Idee, sich nicht rechtfertigen zu müssen, sich nicht legitimieren zu müssen, frei zu sein. Das ist aus meiner Sicht eine Fiktion, weil man natürlich, also gerade, wenn wir bei den Digitalnomaden bleiben, ich hänge dann vielleicht nicht mehr an meiner Familie und an meinem Heimatort, aber ohne meine Smartphones und Laptops und Tablets und alle möglichen anderen digitalen Devices kann ich ja gar nicht existieren. Also ich habe eine Website gefunden, auf der junge Digitalnomaden beschreiben, sie hätten schon 30, 40 oder 50 Länder gesehen. Ich frage mich dann natürlich, was heißt das denn. Also wenn ich in andere Länder fahre und die Sprache nicht beherrsche und die Kultur nicht kenne, was sehe ich denn dann außer meiner eigenen digitalen Welt, die ich immer mit mir rumtrage.

Machtkämpfe: Fortschritt und Heimat 

Schäfer: An dieser Stelle können wir vielleicht tatsächlich noch mal vertiefen, weil Sie es auch eben angedeutet haben, Fortschritt, Industrialisierung, Technisierung ziehen sich in Ihrem Buch und so auch in der Geschichte immer durch als ein Antidot, ein Gegenpol zur Heimat, zum Heimatbegriff.

Scharnowski: Oder umgekehrt.

Schäfer: Oder umgekehrt. Es gibt eine große Konkurrenz derer, die Heimat bewahren, wie Sie am Anfang gesagt haben, vielleicht auch genau in den Momenten, wo Unruhe herrscht, wo Technisierung, Digitalisierung heute, früher Industrialisierung kam. Wie lässt sich das erklären, wie müssen wir das sehen? Ist das ein fortgesetzter, immer wieder auftauchender Zusammenhang?

Scharnowski: Auch da würde ich sagen, es gibt so Wellen, und ich sehe viele Zusammenhänge eher immer so dialektisch. Also immer dann, wenn Fortschritt so richtig rabiat oder drastisch oder besonders schnell voranschreitet und auch, wenn es zur Ideologie wird, also das sieht man gerade Ende des 19. Jahrhunderts, kann man auch nachlesen, Stefan Zweigs "Die Welt von gestern". Der beschreibt, dass der Fortschritt zu einer Art neuer Religion geworden ist. Man glaubte, und vor allen Dingen da technischer, ökonomischer Fortschritt, industrieller Fortschritt, man würde längerfristig alle Probleme durch technische Fortschritte lösen können. Das war eine Form von – also die einen sagen Religion, ich würde sagen: Es ist eigentlich eine Art von Ideologie. Wenn etwas so stark wird und so wirkungsmächtig, und wenn andere sich dadurch an die Wand gedrängt fühlen, also ich habe es im Buch versucht, ein wenig dadurch zu erklären, dass gerade im 19. Jahrhundert die zwei Kulturen, also einmal die neue Industriekultur, naturwissenschaftlich bestimmt, die auch eine neue Art von Bildung mit sich brachte, die alte, geisteswissenschaftlich-ästhetische Kultur ablöste, und das sind natürlich auch Deutungshoheiten, um die es geht. Es sind also wirklich Machtkämpfe. Wer entscheidet darüber, wie das Land aussieht. Insofern, das ist ja die Wurzel des Wortes reaktionär. Insofern ist die Heimatbewegung des späten 19. Jahrhunderts tatsächlich eine Reaktion darauf, dass überall Staudämme gebaut wurden und elektrisiert wurde und Straßen und Tourismus und Fabriken und Wasserverschmutzung und wirklich auch die Schattenseiten der Industriemoderne sich überall zeigten.

Heimatfilm und Heimatkitsch

Schäfer: Susanne Scharnowski, heute im Studio bei "Essay und Diskurs", sie hat ein Buch veröffentlicht in diesem Jahr, "Heimat: Geschichte eines Missverständnisses". Frau Scharnowski, Sie gehen darin gegen einige handelsübliche Dinge, die man so über Heimat landläufig sagt, vor. Eines fand ich sehr interessant, möchte ich jetzt drüber sprechen, ist die Geschichte des Heimatfilms. Die betrachten Sie als Anglistin, als Literaturwissenschaftlerin, aber auch als Filmguckerin, -schauerin noch mal ganz neu. Die Dorfgeschichten in der Literatur hatten eine Hochzeit um 1900 …

Scharnowski: 1850.

Schäfer: Sie wissen das besser, 1850, der Heimatfilm in Deutschland entstand schon auch während des Nationalsozialismus in einer von auch Goebbels geförderten Art, aber auch in der Nachkriegszeit gab es eine große Zeit des Naturfilms, des dann später verschrieenen Heimatfilms. Ich erinnere mich an meine Studienzeit in den 80ern, wo wir all diese Filme wirklich verbannt haben, erst niedergeschrieben und dann verbannt. "Der Förster im Silberwald", "Grün ist die Heide", große Filmklassiker des Heimatfilms gelten als absoluter Kitsch, bis zu dem Moment, wo man Ihr Buch liest, denn Sie haben sie neu angeschaut. Von dort schlagen Sie aber auch einen Bogen zum sich dann in den 70ern, frühen 70ern gebildet habenden Heimatfilms, Anti-Heimatfilms zu Peter Fleischmanns Film "Jagdszenen aus Niederbayern" zum Beispiel nach Martin Sperrs Theatertexten oder Volker Schlöndorffs Antiheimatfilm, der auch in einer Dorfgesellschaft spielt, die das Schlechte und Schlimme von Heimat zeigen sollen und vom Dorf. Dorf, Heimat hier ein bisschen gleichgesetzt. Ich habe da wirklich gestaunt. Ich habe mich da auch nicht weitergebildet in diesem Gebiet seit den 80er-Jahren, aber Sie schauen diese Filme der 50er-Jahre, und Sie sehen darin andere Dinge als die, die man in den Filmlexika findet. Was ist Ihre Beobachtung gewesen und was wollten Sie rehabilitieren?

Scharnowski: Also rehabilitieren ist vielleicht auch ein bisschen übertrieben. Natürlich sind das Filme, die jetzt nicht das Prädikat Filmkunst erhalten sollten, das nicht, aber ich habe beide Filme in meinen Seminaren behandelt mit Studierenden, und ich habe ja nur ausländische Studierende, denen macht das ungeheuren Spaß. Die müssen nicht gleich kommen und sagen, das ist ja Heimatkitsch. Die sagen zum Teil, das ist sehr schön, zum Dritten aber ist in diesen Filmen, die sind halt unmittelbar, also, na ja, zehn Jahre nach Kriegsende etwa entstanden, als das Thema Vertreibung in der Populärkultur im Grunde nicht existierte. Es gab zwar viele Millionen Vertriebene in beiden deutschen Staaten, aber über die wurde eigentlich … es gab keine Filme darüber. Das hatte ein bisschen auch den Grund, dass die Alliierten das nicht wünschten, weil sie Furcht davor hatten, dass das Stress gibt. Es war ein großes Problem. Die sollten integriert werden. Das einzige Genre, wo man in einer populären Form über Vertreibung berichtet, ist der Heimatfilm. "Grün ist die Heide" ist ein großer Film über die Integration der Vertriebenen. Das ist für sich genommen schon mal interessant. Es ist aber auch, also wenn immer gesagt wird, das ist also Heimatkitsch im Sinne von rückwärtsgewandt, idealisierend verklärend, ich lese den Film als viel gebrochener. Ich glaube, dass der Film viel also so subkutan Botschaften vermittelt, die viel ambivalenter sind, was die Modernität der jungen Frauen angeht, die die Heldinnen des Films sind, die überhaupt nicht rückwärtsgewandt sind. Was die Integration der Schlesier – also der Film geht zum Teil um die Vertriebenen aus Schlesien – betrifft und auch, was dieses Deutschlandbild zeigt, ich meine, es lohnt sich, hinzugucken, weil wenn etwas so erfolgreich ist, dann erzählt es mir etwas über eine Stimmung in einem Land. Das abzutun und zu sagen, na, die sind halt nicht gebildet oder die haben eben keinen guten Geschmack, damit komme ich nicht sehr viel weiter.

Flüchtlinge warten im Oktober 1945 auf einen Zug in Berlin. (AP Archiv/Henry Burroughs) (AP Archiv/Henry Burroughs)Flüchtlinge und Vertriebene - nach dem Krieg
Das Thema Flüchtlinge gehört zu unserem Land seit 1945. Allein bis 1950 waren schätzungsweise 12 Millionen Deutsche auf der Flucht vor Vertreibung. Später kamen die Ungarn-Flüchtlinge hinzu - ein Rückblick.

Schäfer: Aber Sie erwähnen dann ja auch zum Beispiel Peter Fleischmanns "Jagdszenen aus Niederbayern", wo ein junger Homosexueller in einem Dorf wirklich erst mal zu einem Mord getrieben wird, aber dann auch von der Gesellschaft dort wirklich fertiggemacht wird. Sie sagen, dieses Bild sei eine schrille Überzeichnung.

Scharnowski: Das sagt übrigens sogar ein Filmlexikon.

Schäfer: Ja, dennoch – und an dieser Stelle frage ich jetzt auch noch mal nach dem Titel Ihres Buches, "Heimat: Geschichte eines Missverständnisses" –, ist nicht immer das Heimatbild, also hier in seiner großen Unterschiedlichkeit im Film zwischen den 50ern und den 60er-, 70er-Jahren immer wirklich ein fortgeschriebenes Missverständnis? Hat nicht auch jede Epoche mit ihrer Heimatauslegung – hier lässt es sich so schön fokussieren im Film – auch recht?

Scharnowski: Mmh, also erst mal würde ich sagen, es gibt wahrscheinlich sogar gerade in diesen Epochen jeweils auch konfligierende Heimatbilder, weil zum einen muss man sagen, die Heimatfilme, also die positiven Heimatfilme, die süßen, in denen es ein Happy End gibt und in denen der Förster der Gute ist und so weiter, die gibt es natürlich sogar schon seit dem Kaiserreich. Also die ersten Verfilmungen von Heimatromanen wurden schon 1918 in die Kinos gebracht. Quasi jede Epoche bringt wieder neue Verfilmungen der alten … Remakes hervor. Das ist das eine. Dass es Antiheimat gibt, auch das hat jeweils Konjunkturen. Ich würde sagen, das ist jeweils nicht nur eine andere Interpretation von Heimat, sondern es ist wirklich ein Angriff auf das andere Heimatbild.

Schäfer: Bilderstürmerei.

Scharnowski: Ja, oder wirklich ein Kampf um den Begriff, zu sagen, nein, Heimat hat gar nichts Behütendes, Heimat ist die Hölle, aus der Heimat kommt der Faschismus. Das war im Grunde das Bild in den 60er-Jahren. Also Prä- und Post-APO war Heimat der Inbegriff all dessen, wovon man sich absetzen wollte. Das hat aber weniger … und die Filme natürlich auch, man wollte eine neue Filmästhetik, man wollte alles ganz neu machen, und insofern würde ich eher sehen, es ist so ein Streit zwischen dem irgendeine Art von Kontinuität bewahren wollen und dem Hineingrätschen und auch wirklich Sachen zerschlagen wollen, auch Heimatvorstellungen. Also es ist wirklich ein umkämpfter Begriff.

Schäfer: Heimat als Kampfbegriff, und wir waren vorhin schon mal bei der Politik, die ja genau das gerade tut, jeder für sich und mit einem neuen Ansatz, Heimat im Plural: Heimaten. Es gibt in der aktuellen Debatte eigentlich zwei Seiten, es gibt diese Schlussstrich-Mentalität, wo man sagt, jetzt machen wir mal einen Schlussstrich, und Heimat ist jetzt was ganz Neues, und dann können wir auch unverkrampft wieder darüber reden, und das Alte lassen wir mal raus, und die andere Seite, die nach wie vor findet, der Heimatbegriff ist und bleibt kontaminiert, die Verwendung verbietet sich, aber wir suchen positive Anknüpfungsmöglichkeiten.

"Heimat ist im Grunde ein sehr menschenfreundlicher Begriff"

Schäfer: Wofür plädieren Sie, wie sollten wir uns das mit der Heimat in Zukunft vorstellen?

Scharnowski: Also zum einen würde ich sagen, man sollte wirklich vielleicht in einem ersten Schritt die Heimat von den Nazis trennen, weil sie da nichts zu suchen hat. Also was mir wirklich ein wichtiges Anliegen ist, dieser Gemeinplatz, dass das Wort Heimat verbrannt sei, weil es Nationalsozialisten propagandistisch genutzt hätten, halte ich für verfehlt aus zwei Gründen. Der erste Grund ist, man muss ja zunächst mal Propaganda und Politik voneinander trennen, und wenn wir schon uns entnazifizieren wollen, wofür ich sehr bin, dann würde ich sagen, schaffen wir doch als erstes Mal die Autobahnen ab. Also die Autobahn war überhaupt das Propagandaprojekt Adolf Hitlers, also nichts wurde mit mehr Emphase und Pathos beworben als die Autobahn. Das Zweite wäre dann vielleicht, dass man die Urlaubsreisen abschafft, weil die Kraft-durch-Freude-Reisen natürlich ebenso ein enormes Propagandaprojekt waren und ich frage mich, und da habe ich auch immer noch keine Antwort drauf, warum versteifen wir uns so auf die Heimat, warum ist es die Heimat, die so als kontaminiert gesehen wird, wo es ja noch ganz andere Aspekte gäbe.

Schäfer: Kann man sagen, bei Autobahn und Ferienaufenthalt haben wir es geschafft, es positiv zu konnotieren und umzuarbeiten in der Gesellschaft?

Scharnowski: Also aus meiner Sicht nicht. Für mich ist die Autobahn eine Art Hölle auf Erden. Also deshalb begreife ich nicht, wie man an der Autobahn irgendwas Positives finden kann, aber die ist natürlich integriert worden, aber das müsste man ja mit Heimat, was eigentlich … Das ist der zweite Punkt: Heimat ist im Grunde ein sehr menschenfreundlicher Begriff, ein Begriff, der impliziert Vertrautheit, Überschaubarkeit, Bindung, also lauter sehr menschenfreundliche Dinge. Er hat aber auch was sehr Kleines und Bescheidenes und steht eigentlich quer zu allem Imperialismus, Großmannssucht und Eroberungsgelüsten. Also das wäre aus meiner Sicht wirklich entscheidend, dass man die Heimat von den Nazis ablöst, weil sie da wirklich auch nichts zu suchen hat.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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