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StartseiteVerbrauchertippSchwarzarbeitsgrenze und Unfallschutz beachten11.07.2018

Heimwerken in NachbarschaftshilfeSchwarzarbeitsgrenze und Unfallschutz beachten

Freunde die Wohnung streichen lassen oder Nachbarn um Hilfe beim Heimwerken bitten - solche Gefälligkeitsdienste sind im Rahmen der Nachbarschaftshilfe möglich. Dafür können Helfer durchaus Geld erhalten. Aber wie viel? Und was, wenn ein Unfall passiert? Hier sollte nicht am falschen Ende gespart werden.

Von Klaus Deuse

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Säge, Hammer, Nägel: Werkzeuge für die Holzbearbeitung (picture alliance / dpa / CandyBox / J.M. Guyon)
Eine Hand wäscht die andere: "Beim Heimwerken ist Hilfe unter Freunden, Nachbarn und Bekannten erlaubt - es darf allerdings keine erkennbare Gewinnabsicht vorliegen. (picture alliance / dpa / CandyBox / J.M. Guyon)
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Ob beim Bau eines Eigenheims oder der Renovierung einer Wohnung: Wenn Freunde oder Verwandte tatkräftig mit anpacken, schont das das Budget. Möglich ist dies im Rahmen der Nachbarschaftshilfe. Dabei kommt es auf die persönliche Beziehung und auf das Prinzip der Gegenseitigkeit an, sagt die Bochumer Fachanwältin für Arbeitsrecht Katja Mihm.

"Es muss also immer grundsätzlich unentgeltlich oder gegen geringes Entgelt gemacht werden. Also die Gewinnerzielung darf da nicht im Vordergrund stehen. Es muss auch auf Gegenseitigkeit beruhen."

Es darf sich nicht um einen verdeckten Lohn handeln

Als Anerkennung für die erbrachte Leistung können die Helfer durchaus Geld erhalten. Jedoch nur in angemessener Höhe, betont Anwältin Mihm.

"Da gibt es keine konkrete Grenze. Die ist auch bewusst nicht gesetzt, weil das auch immer auf den Einzelfall ankommt und variiert."

Letztlich darf es sich nicht um einen verdeckten Lohn handeln, den der Helfer unversteuert kassiert. Und es gibt noch weitere Einschränkungen für den Kreis der Mithelfer, sagt Gerda Zielinski von der Berufsgenossenschaft Bau.

Zum Beispiel: "Wenn ich Sozialleistungen beziehe und nicht melde, dass ich eine Beschäftigung habe und dafür Geld bekomme."

Zum Beispiel Arbeitslosengeld oder staatliche Leistungen nach Hartz IV. Aber auch Bezieher einer Rente können durch diesen Nebenverdienst an der Schwelle zum Leistungsmissbrauch stehen. Nach dem Schwarzarbeitsbekämpfungsgesetz darf keine erkennbare Gewinnabsicht vorliegen.

Nachbarschaftshilfe nicht bei gewerblicher Nutzung

Unabhängig davon können übrigens sogar gelernte Handwerker aus der Verwandtschaft oder dem Freundeskreis mit Hand anlegen, erläutert Katja Mihm.

"Und dann ist es halt geregelt, wenn man in einem Angehörigenverhältnis steht, wenn man aus reiner Gefälligkeit was macht, aus Nachbarschaftshilfe oder aus Selbsthilfe."

Immer vorausgesetzt, der Bauherr will selbst in den Neubau einziehen oder weiter die renovierte Wohnung nutzen. Und zwar nur dann.

Denn: "Wenn eine spätere gewerbliche Nutzung wie Vermietung, Verpachtung oder auch Verkauf ansteht, dann ist das damit gewerblich und dann ist die Beihilfe dazu auch praktisch gewerblich und fällt nicht mehr unter die Selbsthilfe."

Nicht bei der Gesundheit der Helfer sparen

Da auf Baustellen immer ein Unfallrisiko besteht, ist es wichtig, dass auch die Helfer aus dem Freundes- oder Verwandtenkreis abgesichert sind. Auch wenn sie noch so umsichtig ans Werk gehen.

"Ist es trotzdem zu einem Unfall gekommen, übernimmt in der Regel die gesetzliche Unfallversicherung die Kosten der Rehabilitation und der Entschädigung. Versichert ist dabei jede Hilfskraft", betont Gerda Zielinski von der zuständigen Berufsgenossenschaft Bau.

Das heißt aber auch: "Bauherren, die Helfer einsetzen, sind verpflichtet, das Vorhaben bei der BG Bau anzumelden. Stellen wir dann gemeinsam fest, dass versicherte Helfer eingesetzt werden, muss der Bauherr für diese Beitrag zahlen."

In den alten Bundesländern beträgt dieser Beitrag 1,45 Euro pro Stunde, in den neuen Bundesländern 1,28 Euro. Es genügt, die Homepage der Berufsgenossenschaft Bau im Internet aufzurufen und dort die Verknüpfung für private Bauherren anzuklicken. Dann erhält man die nötigen Unterlagen per Post. In der Regel sollte man die angefallenen Helferstunden halbjährlich melden, auch wenn erst nach Abschluss der Baumaßnahme abgerechnet wird. Da es um die Gesundheit der Helfer geht, sollte man nicht am falschen Ende sparen. Denn die Kosten für eine Operation plus eine Rehabilitationsmaßnahme nach einem Unfall verschlingen schnell zigtausend Euro.

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